Nach der Einführung von Rauchverboten steigt die Zustimmung zum Nichtraucherschutz in der Bevölkerung stetig an – das gilt für Deutschland, aber auch für Länder wie Irland, Frankreich und die Niederlande. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) hat in einer neuen Publikation eine Bestandsaufnahme der deutschen Erfahrungen mit den Rauchverboten in Gaststätten vorgenommen und diese in einen internationalen Kontext gesetzt.
Rauchen erfüllt bei Frauen eine andere Funktion als bei Männern. Frauen rauchen vor allem, um Stress zu reduzieren. Stress wird damit auch zum Risiko für einen Rauchstopp. Ein weiteres Hindernis ist die Angst vor einer Gewichtszunahme nach dem Aufhören. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat im Mai einen eigenen Themenschwerpunkt „Frauen und Rauchen“ in dem Internetportal „rauchfrei!“ eingerichtet, um den Bedürfnissen, Erwartungen und Möglichkeiten von Frauen gerecht zu werden.
Jede siebte Schwangere raucht. Das sind zumindest die offiziellen Angaben. Die Dunkelziffer liegt, so die Initiative Frauen Aktiv Contra Tabak e.V. (FACT), vermutlich deutlich höher. Anders als bei den Männern, bei denen die Raucherrate in den letzten 20 Jahren kontinuierlich gesunken ist, ist die Zahl der Raucherinnen lange Zeit gestiegen. Erst in den letzten Jahren reduziert sie sich auch beim weiblichen Geschlecht. Mit dem „Kölner Appell“ richtet sich FACT an Politiker, Fachverbände der Gesundheits- und Sozialberufe sowie Krankenkassen und ruft zu einer geschlechtersensiblen Tabakprävention auf.
Wissen ist Macht! - aus diesem Grund stellt die Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. (NID) auf ihrer Homepage allen an Tabakprävention interessierten Personen ein umfangreiches Informationsset zur Verfügung. Dazu gehören beispielsweise Broschüren zum Nichtraucherschutz am Arbeitspatz, in der Gastronomie und für Kinder und Jugendliche. Ein breites Sortiment an Postern und Informationsblättern ist auch für Multiplikatoren zur Unterstützung eigener Präsentationen sehr gut geeignet.
Am 4. Juli wird in Bayern gewählt - zwischen einem Nichtraucherschutz mit vielfältigen Lücken und einem umfassenden Rauchverbot in der Gastronomie. Im März 2007 hatte der bayerische Landtag das Gesetz zum Nichtraucherschutz verabschiedet. Ausnahmen von dieser Regelung gab es nicht. Erst in der Folgezeit wurde das Gesetz nach und nach aufgeweicht: Zunächst wurden nur Bier-, Wein- und Festzelte vom Rauchverbot ausgenommen, mittlerweile betrifft dies aber auch kleine Kneipen und Nebenräume in Diskotheken und Gaststätten. Aus diesem Grund haben die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP), Pro Rauchfrei, der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit e.V. und die Nichtraucher-Initiative München zum Volksentscheid aufgerufen.
Ob es um Tabakwerbung, Tabakpolitik im internationalen Kontext oder die technische (Un-)Möglichkeit der Vermeidung von Passivrauchen geht – das Aktionsbündnis Nichtrauchen (ABNR) informiert in seinen ABNR-Positionen über den aktuellen wissenschaftlichen und politischen Stand der Tabakprävention. Das Bündnis aus zehn großen nicht-staatlichen Gesundheitsorganisationen hat sich zum Ziel gesetzt, den Einstieg ins Rauchen zu verhindern, Raucherinnen und Rauchern beim Ausstieg zu helfen und Passivrauch zu bekämpfen.
Wenn ein Zahnarzt drei Minuten in die Beratung eines rauchenden Patienten investiert, hat das schon einen signifikanten Effekt. Auch Arzthelferinnen und -helfer können einen wesentlichen Beitrag zur Tabakentwöhnung beitragen, indem Sie den Patienten Informationen - etwa zu Hilfsangeboten - zur Verfügung stellen. Das Deutsche Krebsforschungszentrum und die Bundeszahnärztekammer haben daher die Publikation „Rauchen und Mundgesundheit“ herausgebracht. Sie soll Zahnarztpraxen bei der Raucherberatung unterstützen.
Die in den deutschen Bundesländern eingeführten Rauchverbote haben kurzfristig und anders als in anderen Ländern (z.B. den USA mit einer allerdings geringeren Raucherquote) zu Umsatzeinbußen im Gastgewerbe geführt. Diese fielen jedoch schwächer aus als von vielen Gastwirten befürchtet. Zusammen mit der 2007 eingeführten elektronischen Alterserkennung sorgten die Rauchverbote in der Gastronomie auch für sinkende Umsätze an Zigarettenautomaten. Zu diesen Ergebnissen kommen drei Untersuchungen des „Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI)“ in Essen rund um das Thema „Rauchen“ auf Grundlage unterschiedlicher Daten.
Kommunale Fonds, eine Gemeinwohlsteuer und ein eigenes Sozialgesetzbuch für Prävention und Gesundheitsförderung – das sind die Mittel für eine nachhaltige Förderung der Gesundheit. So schlägt es zumindest die Studiengruppe „Gesundheitsförderung und -management in Europa“ der Hochschule Magdeburg-Stendal in einem gerade erschienenen Strategiepapier vor. Der demografische Wandel und die zunehmende soziale Ungleichheit der Gesundheitschancen erfordern eine Wende in der Sozialpolitik. Die Magdeburger machen konkrete Vorschläge, wie diese Wende aussehen könnte.
Rückbau, Umbau, Neubau – der demografische Wandel hat massiven Einfluss auf die Gesichter der Städte. Das Ruhrgebiet, Nordhessen und Teile Ostdeutschlands haben mit Leerstand ganzer Wohnsiedlungen zu kämpfen. In Großstädten wie Hamburg, Berlin und Köln wächst dagegen die Bevölkerungszahl stetig. Sozial Schwache und ältere Menschen, die sich einen Umzug in die Stadtzentren nicht leisten oder vorstellen können, werden auf dem Land und in den Randbezirken verbleiben. „Faktisch läuft das auf soziale Ausgrenzung hinaus“, resümiert der Soziologe Hartmut Häussermann. Passend zum diesjährigen Motto des Weltgesundheitstages, „Gesunde Städte“, hat die Zeitschrift WirtschaftsWoche die Serie „Zukunft der Städte – Städte der Zukunft“ veröffentlicht.
Seite zuletzt geändert am: 22.06.2010 15:24:00, ursprünglich angelegt am: 13.09.2006 15:26:00
Autor der Seite: Bettina Berg