Freitag, 16. Dezember 2011
Passivrauchen erhöht Schlaganfallrisiko
Schon lange besteht unter Experten Einigkeit über einen kausalen Zusammenhang von aktivem Rauchen und dem Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Ein kürzlich veröffentlichter systematischer Review von 20 zwischen 1984 und 2010 durchgeführten Studien, darunter zehn Kohorten-, sechs Fall-Kontroll- und vier Querschnittsstudien zur Assoziation von Passivrauchen und Schlaganfall und eine Metaanalyse, zeigt: Nicht nur das aktive, sondern auch das passive Rauchen wirken risikoerhöhend.
Unter den 885.307 TeilnehmerInnen der Studien erlitten 5.894 oder 0,7% einen Schlaganfall. Von den insgesamt 35 Risikoabschätzungen sahen 24 ein mit Passivrauchen verbundenes steigendes Schlaganfallrisiko, 11 Schätzungen waren auch statistisch signifikant erhöht. Die Metaanalyse, also eine Methode, welche die einzelnen Ergebnisse zusammenfasst, identifiziert ein statistisch signifikantes relatives Schlaganfallrisiko, das für die Passivraucher um 25% höher ist als für Nicht-Passivraucher. Unterscheidet man nach den Studientypen, sind die Risikoschätzungen für die TeilnehmerInnen in den Kohorten- und Fall-Kontrollstudien, also den methodisch höherwertigen Studientypen, ausnahmslos signifikant erhöht. Wegen der großen Heterogenität der Querschnittsstudien findet die Metaanalyse der Schlaganfallrisiken dort kein statistisch signifikantes Ergebnis.
Sieben der elf Studien, die überhaupt nach dem möglichen Dosiseffekt beim Passivrauchen suchten, fanden einen evidenten Zusammenhang zwischen der Menge des eingeatmeten Rauches und des Schlaganfallrisikos – teils bei allen Personen oder auch nur bei Männern oder Frauen.
Eine weitere Analyse der Zusammenhänge zwischen der Anzahl gerauchter Zigaretten und des Schlaganfallrisikos der PassivraucherInnen zeigt zudem: Im Vergleich mit einer rauchfreien Umgebung erhöhte schon der Rauch von bis zu fünf Zigaretten pro Tag das Schlaganfallrisiko der PassivraucherInnen um 16%. Dieses Risiko erhöhte sich schließlich durch das Einatmen des Rauches von rund 40 Zigaretten pro Tag um 56%.
Die Meinung, ein, zwei Zigaretten pro Tag könnten doch niemandem schaden, stellt also offensichtlich einen für Raucher wie für Passivraucher nachteiligen Irrtum dar.
Von dem im "Journal of Public Health” (33 (4): 496-502) 2011 erschienenen Aufsatz "Meta-analysis of the association between secondhand smoke exposure and stroke” von I.P. Ono et al. gibt es hier kostenlos das Abstract.
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Seite erstellt am: 16.12.2011 11:30:00
Autor der Seite: Dr. Bernard Braun