Freitag, 9. März 2012
Anhörung zum 6. Altenbericht - Altersgrenzen kritisch hinterfragen
Zehn geladene Sachverständige stellten sich Anfang März in einer öffentlichen Anhörung den Fragen des Bundestags-Familienausschusses zu den Ergebnissen des Sechsten Berichts der Bundesregierung zur Lage der älteren Generation. Weitestgehend übereinstimmend haben sie sich dafür ausgesprochen, die in Deutschland geltenden Altersgrenzen quer durch alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens auf den Prüfstand zu stellen.
Der Altersbegriff in Deutschland sei in Deutschland sehr stark vom Renteneintrittsalter abhängig, erläuterte der Sozial- und Rechtswissenschaftler Thomas Klie von der Hochschule für Soziale Arbeit, Diakonie und Religionspädagogik der Evangelischen Landeskirche Baden. Dies sei aber unsinnig, da es den Fähigkeiten der Menschen nicht gerecht werde. Diese Ansicht unterstützte auch der Gerontologe Andreas Kruse von der Universität Heidelberg. Es sei nicht nachvollziehbar, wenn Arbeitnehmer vom Gesetzgeber in Rente geschickt werden, obwohl sie gerne freiwillig weiterarbeiten würden und dies auch leisten könnten. Auch Christian Rolfs, Experte für Versicherungsrecht von der Universität Köln, plädierte für einen Abschied von überkommenen Altersgrenzen. Diese seien diskriminierend und in vielen Fällen auch mit geltendem Recht in der Europäischen Union nicht in Einklang zu bringen.
Andrea Gröppel-Klein, Marketingforscherin an der Universität des Saarlandes, führte an, dass die gängigen Altersbilder in der Gesellschaft sehr stark über die Medien und die Werbung transportiert werden. Sie verwies darauf, dass ältere Menschen in der Werbung noch immer eindeutig unterrepräsentiert seien. Gleichzeitig lasse sich aber ein Trend beobachten, dass sich dies langsam ändere. Auch Ursula Lehr, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren Organisationen, betonte, dass das medial vermittelte Bild nicht nur die Altersbilder in der Gesellschaft prägen, sondern vor allem das Selbstbild älterer Menschen.
Kritik am Bericht zur Lage der Älteren übte die Soziologin Silke van Dyk von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. So seien geschlechtsspezifische Unterschiede im Bericht unterbelichtet. Dabei seien gerade Frauen von Altersbildern deutlich länger betroffen als Männer: zum einen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung und zum anderen, weil sie in der Gesellschaft um mehrere Jahre früher als alt wahrgenommen werden. Auch Barbara Riedmüller, ehemalige Leiterin des Arbeitsschwerpunktes Sozialpolitik und Komparatistik an der Freien Universität Berlin mahnte an, dass geschlechtsspezifische Altersbilder zukünftig stärker untersucht werden müssten.
Die Medienwissenschaftlerin Caja Thimm bemängelte, dass der Altenbericht kulturelle Unterschiede weitgehend ausklammere. So lasse sich bei Frauen jenseits des 60. Lebensjahres mit Migrationshintergrund eine deutlich geringere Kompetenz beim Umgang mit den neuen digitalen Medien beobachten.
Der Vorsitzende des Kuratoriums Deutsche Altershilfe, Jürgen Gohde, lobte den Beicht für dessen Ausführungen zum Gesundheits- und Pflegebereich. Vor allem die Rehabilitation sei ein wichtiges Konzept, um die Teilhabe älterer Menschen an der Gesellschaft zu gewährleisten.
Den Sechsten Bericht der Bundesregierung zur Lage der älteren Generation können Sie hier herunterladen.
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Seite erstellt am: 09.03.2012 08:34:00
Autor der Seite: Dr. Beate Grossmann
Quelle: www.bundestag.de