Wirksamkeitsforschung zu Prävention und Gesundheitsförderung


Donnerstag, 24. Juli 2014

Welche Wirkung erzielen Präventionsmaßnahmen bei Kindern und Jugendlichen? – Erfolge v.a. im Bereich der Wissenskompetenz


Grundschüler beim LesenWas wirkt in der Prävention bei Kindern und Jugendlichen? Im Rahmen ihrer Metaanalyse fassten Prof. Dr. Andreas Beelmann und sein Team die Wirksamkeitsforschung zu Prävention und Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen im deutschen Sprachraum zusammen.

Maßnahmen und Interventionen, die explizit auf die Förderung von gesundheitsbezogenem Verhalten von Kindern und Jugendlichen abzielen, waren Gegenstand einer umfangreichen Literaturrecherche von Prof. Beelmann und seinem Team. Der Forschergruppe gelang es, 146 Forschungsberichte zu identifizieren, die insgesamt 173 Interventions-Kontrollgruppen-Vergleiche beinhalteten.

Die Wirksamkeitsstudien untersuchten überwiegend universelle Präventionsprogramme, die auf allgemeine Gesundheitsförderung zielten. Ebenfalls häufig vertreten waren Programme zur Vermeidung von Verhaltensproblemen und zur Suchtprävention. Seltener wurden hingegen Präventionsprogramme zu Ernährungsproblemen, zur Aidsprävention und zur Sexualaufklärung auf ihre Wirksamkeit hin untersucht.

Insgesamt nahmen 32.358 Kinder und Jugendliche an den identifizierten Präventionsprogrammen teil; ihre Ergebnisse wurden mit denen von 26.760 Kontrollen verglichen.

Es zeigte sich, dass Präventionsprogramme den größten Effekt aufwiesen, insofern sie auf eine Veränderung des Wissens abzielten. Durchschnittliche Effektstärken wurden für Verhaltensprobleme, -kompetenzen und kognitive/soziale Fähigkeiten erzielt. Eher geringe Wirkungen konnten hingegen in Bezug auf den Gesundheitszustand sowie das Gesundheitsverhalten nachgewiesen werden.

Untersucht wurde weiterhin, welche Merkmale einen Einfluss auf die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen haben. Dabei spielte u.a. die Präventionsstrategie eine wichtige Rolle: Eine hohe Effektstärke erzielten insbesondere stark fokussierte Programme – beispielsweise zur Aidsprävention; universell angelegte Präventionsmaßnahmen erzielten hingegen deutlich geringere Effekte. Von Bedeutung für die Wirksamkeit einer Maßnahme ist den Analyseergebnissen zufolge weiterhin die durchführende Person. Die höchsten Effektstärken wurden bei der Durchführung von Programm-Entwicklern, Mitgliedern der Forschungsteams und Studierenden erzielt. Als erfolgreich erwies sich weiterhin die Durchführung von Präventionsprogrammen im Setting KiTa. Keinen Einfluss auf die Wirksamkeit hatten hingegen den Auswertungen zufolge die Dauer und Anzahl der Sitzungen innerhalb eines Programms sowie das Geschlecht der Kinder und Jugendlichen.

Zusammenfassend bezeichnete das Forscherteam um Prof Dr. Andreas Beelmann die Auswertungsergebnisse als ein „vorsichtig optimistisches Gesamtbild der Prävention und Gesundheitsförderung im deutschen Sprachraum". Deutliche Defizite stellten sie jedoch hinsichtlich der längerfristigen Erfolgsbeurteilung fest. Dieser sei zukünftig verstärkt Aufmerksamkeit zu schenken.


Quelle

Beelmann A, Pfost M, Schmitt C (2014): Prävention und Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen. Eine Meta-Analyse der deutschsprachigen Wirksamkeitsforschung. Zeitschrift für Gesundheitspsychologie, 22(1), 1-14.




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Seite erstellt am: 24.07.2014 13:51:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig