Gehänselt, verspottet und ausgegrenzt – Mobbing in der Schule


Mittwoch, 26. August 2015

Wenn Schule zur Qual wird – Mobbing im Schulalltag


Verzweifelter JungeIn Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen kehrt dieser Tage der Schulalltag wieder ein – für zahlreiche Schülerinnen und Schüler eine Qual. Sie werden von ihren Altersgenossen gehänselt, verspottet und ausgegrenzt. Dies kann auch mit gesundheitlichen Folgen einhergehen – teils bis ins Erwachsenenalter.

Die Zahlen zu Prävalenzen von Mobbing-Fällen in der Schule schwanken beträchtlich. Einer großangelegten Studie in 40 Ländern in Europa und Nordamerika zufolge beträgt der Anteil der durch Mobbing beeinträchtigten Schülerinnen und Schüler je nach Schultyp, Stichprobe und Land zwischen 4,8 und 45,2 Prozent (Craig et al. 2009). Wie die Ergebnisse der HBSC-Studie (Health Behaviour in School-aged Children) für Deutschland zeigen, ist Mobbing auch hierzulande keine Randerscheinung: 10 Prozent der befragten Jugendlichen gaben an, in den letzten Monaten mindestens zwei Mal schikaniert worden zu sein (HBSC-Team Deutschland 2012). Dies untermauern auch Ergebnisse des Universitätsklinikums Heidelberg: Von 303 befragten SchülerInnen gaben 20,8 Prozent an, in den letzten Monaten Opfer von Mobbing geworden zu sein - nahezu die Hälfte dieser berichtete, mehrmals die Woche gemobbt zu werden (Jantzer et al. 2012).


Auswirkungen auf die Gesundheit

Zu den Folgen von Mobbing zählen psychische und physische Störungen (Bogart et al. 2014); Untersuchungen konnten darüber hinaus einen Zusammenhang zwischen Suizidgedanken und -versuchen sowie selbstverletzendem Verhalten als Folge von Mobbing feststellen (Klomek et al. 2010).

Weiterhin gibt eine aktuelle Studie der Universität Rotterdam Hinweise darauf, dass ein Zusammenhang zwischen Mobbing und chronischen Schmerzen bei Jugendlichen besteht. Wie die Datenauswertungen von rund 15.000 SchülerInnen zeigen, leiden Jugendliche mit chronischen Schmerzen häufiger unter Stresssituationen und werden öfters gemobbt, als Kinder, die keine Schmerzen aufweisen (Voerman et al. 2015).


Folgen bis ins (junge) Erwachsenenalter

Aktuelle Untersuchungen geben zudem Hinweise darauf, dass Mobbing mit gesundheitlichen Folgen bis ins (junge) Erwachsenenalter einhergeht. So zeigen die Auswertungen zweier Kohortenstudien aus England und den USA, dass Mobbing in der Kindheit Langzeiteffekte auf die mentale Gesundheit junger Erwachsener nehmen kann. Anhand der Daten von rund 5.400 Kindern und Jugendlichen belegten die WissenschaftlerInnen, dass Mobbing langfristig vermehrt zu Angststörungen, Depressionen und selbstverletzendem Verhalten führt (Lereya et al. 2015).


Mobbing - gesundheitlichen Folgen vorbeugen

Um Mobbing sowie daraus resultierenden gesundheitlichen Folgen vorzubeugen, plädiert der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) e.V. für die frühzeitige Umsetzung von nachhaltigen Programmen in allen Schulen. Die Prävention von Mobbing muss jedoch Teil eines umfassenden Konzeptes zur Gewaltprävention einer Schule sein, damit einzelne Programme wirksam sein können. Zusätzlich sind schulintern abgestimmte Maßnahmen erforderlich, wie die Schule bei Mobbing-Ereignissen vorgeht. Diese müssen den Schutz der Betroffenen, die Stärkung der Gemeinschaft und das konsequente Eintreten gegen Mobbing beinhalten, ohne einzelne SchülerInnen zu isolieren.

Für einen umfassenden Überblick aller Präventionsprogramme verweist der BDP auf die "Grüne Liste Prävention" (Link...). Zur Prävention gegen Mobbing hat sich beispielsweise das Programm "fairplayer.manual" (Link...) bewährt. Als Konzept zum Umgang mit einem Mobbing-Ereignis in der Schule wird häufig auf den No-Blame-Approach-Ansatz zurückgegriffen (Link...), so der Berufsverband.

Schulpsychologinnen und Schulpsychologen unterstützen Schulen bei der Entwicklung von schulbezogenen Konzepten zur Gewaltprävention und der Auswahl und Umsetzung von nachhaltigen Programmen gegen Mobbing.   

 

 

Quellen

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) e.V. Link...

Bogart et al. (2014): Peer Victimization in Fifth Grade and Health in Tenth Grade. Pediatrics 133(3): 440-447.

Craig W et al. (2009): A cross-national profile of bullying and victimization among adolescents in 40 countries. International Journal of Public Health, 54, 216-224.

HBSC-Team Deutschland (2012): Studie Health Behaviour in Schoolaged Children -Faktenblatt "Mobbing unter Schülerin-nen und Schülern". Bielefeld: WHO Collaborating Centre for Child and Adolescent Health Promotion. Link...

Jantzer V et al. (2012): Opfer von Bullying in der Schule. Deprissivität, Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten bei deutschen Jugendlichen. Kindheit und Entwicklung 21 (1), 40-46. Link...

Klomek, Sourander und Gould (2010): The association of suicide and bullying in childhood to young adulthood: A review of cross-national and longitudinal research findings. Canadian Journal of Psychiatry, 55, 282-288. Link...

Lereya ST et al. (2015): Adult mental health consequences of peer bullying and maltreatment in childhood: two cohorts in two countries. Lancet Psychiatry 2015; 2: 524-531.

Voerman JS et al. (2015): Bullying, abuse and family conflict as risk factors for chronic pain among Dutch adolescents. European Journal of Pain. DOI: 10.1002/ejp.689 

 
Weiterführende Informationen

Aktuelle Informationen zum Thema "Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen" liefert auch der "Good Childhood Report 2015", der von der Children`s Society in Kooperation mit der University of York herausgegeben wurde. Dieser greift insbesondere die Situation englischer Kinder und Jugendlicher auf, liefert jedoch auch Vergleiche auf internationaler Ebene.Zum "The Good Childhood Report 2015" gelangen Sie hier.

 

 


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Seite erstellt am: 26.08.2015 08:46:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig