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Negative Auswirkungen in Leistungsfähigkeit und Gesundheit


Dienstag, 6. Dezember 2016

Ständige Erreichbarkeit als gesundheitliches Risiko


Arbeiten am NotebookVon etwa einem Viertel der Berufstätigen wird erwartet, dass sie auch außerhalb ihrer eigentlichen Arbeitszeiten erreichbar sind. Diese erweiterte Erreichbarkeit birgt gesundheitliche Belastungspotenziale.

Die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) hat 2016 den zweiten Teil ihrer erstmalig in 2013 veröffentlichten Studie „Auswirkungen von ständiger Erreichbarkeit und Präventionsmöglichkeiten” vorgelegt. Das zweiteilige Forschungsprojekt ist eines der ersten, das die Auswirkungen ständiger Erreichbarkeit wissenschaftlich untersucht. 

Die Untersuchung zeigt, dass bei den Berufstätigen (n=77 von insg. n=125), die ständig erreichbar sind, negative Auswirkungen in Leistungsfähigkeit und Gesundheit auch dann feststellbar sind, wenn sie sich freiwillig dazu entschieden haben sowie auch dann, wenn sie die Erreichbarkeit entweder als positiv oder als notwendig empfinden. Der Anteil der Beschäftigten, die sich aufgrund der ständigen Erreichbarkeit schlecht erholen oder gedanklich von der Arbeit lösen können, ist signifikant größer als bei Berufstätigen mit klar definierter Freizeit. Die Vermischung von Arbeit und Privatleben belastet auch die Partnerbeziehung. Fast 70 Prozent der befragten Partner gaben an, selbst durch die permanente Erreichbarkeit ihres Lebensgefährten beeinträchtigt zu sein. 

Welche präventiven Maßnahmen Gesundheit schützen können, ist im Kontext der ständigen Erreichbarkeit bislang noch nicht ausreichend untersucht. Der iga-Report verweist aber auf verhältnis- und verhaltenspräventive Ansätze, die die Gesundheit von Beschäftigten unterstützen können. Bedeutend ist z.B. die betriebliche Implementierung von klaren Regelungen zur Erreichbarkeit, die für jeden transparent sein und von allen Hierarchieebenen gelebt werden müssen. Die Prüfung des Personalschlüssels und des Arbeitsumfangs ist die Grundlage für den Schutz vor Überlastung. Eine technische Unterstützung ist etwa dann gegeben, wenn zu bestimmten Zeiten keine E-Mails vom Server an die Dienstgeräte weitergeleitet werden können. Verhaltenspräventive Ansätze können auf die Reflexion von Beschäftigten setzen, mit dem Ziel, verantwortlich im Sinne der eigenen Gesundheit zu handeln. Möglichkeiten dazu bieten etwa Fortbildungsangebote zum Umgang mit Medien sowie zu Kompetenzen der Grenzziehung und Erholung.  

Zentrale Voraussetzungen für wirksame Gesundheitsförderung ist die Einbettung des Themas der permanenten Erreichbarkeit in die Gefährdungsbeurteilung, die im Arbeitsschutzgesetz geregelt ist. Präventive Maßnahmen müssen zudem in den Gesamtrahmen eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements integriert werden.  

 

Quelle:

Hassler, M., Rau Renate, Hupfeld, J. & Hiltraud, M. (2016). Auswirkungen von ständiger Erreichbarkeit und Präventionsmöglichkeiten. Teil 2: Wissenschaftliche Untersuchung zu potenziellen Folgen für Erholung und Gesundheit und Gestaltungsvorschläge für Unternehmen. iga.Report 23. Link...

 

 


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Seite zuletzt geändert am: 06.12.2016 11:21:00, ursprünglich angelegt am: 30.11.2016 11:21:00
Autor/-in der Seite: Dr. Martha Höfler