Gestaltung der städtischen Infrastruktur


Montag, 23. Januar 2017

Gesund durch Stadtplanung?!


StadtpanoramaLuftverschmutzung, Lärmbelastung, Stress oder Bewegungsmangel sind Risikofaktoren, denen viele Stadtbewohnerinnen und -bewohner ausgesetzt sind. Wie eine aktuelle Studie nun nahelegt, kann diesen jedoch durch effiziente Stadtplanung entgegengewirkt werden.

Voraussichtlich werden im Jahr 2050 bereits 75 Prozent der Weltbevölkerung in Städten oder städtischen Ballungsräumen leben. In Anbetracht der gesundheitlichen Risiken, die sich aus dem Leben in der Stadt ergeben, haben sich Forscherinnen und Forscherum Billie Giles-Corti und Mark Stevenson in einer dreiteiligen Studie den Auswirkungen von Stadt- und Verkehrsplanung auf die menschliche Gesundheit gewidmet. Die Erhebungen ergaben, dass die Gestaltung der städtischen Infrastruktur unmittelbare Auswirkungen auf die Verbreitung nicht-übertragbarer Erkrankungen, verkehrsbedingter Unfälle, Traumata sowie auf die Umwelt haben.  

So sehen sich Stadtbewohnerinnen und -bewohner zunehmend größeren Lärm- und Feinstaubbelastungen ausgesetzt und haben nicht immer die Möglichkeit, sich umweltschonend und gesundheitsbewusst fortzubewegen. Wenn die Fahrradwege in schlechtem Zustand und öffentliche Verkehrsmittel nur schwer erreichbar oder kaum erschwinglich sind, steigen viele auf das Auto um. Dies ist zwar bequem, schadet jedoch der Umwelt und trägt vor allem bei „Vielsitzern" zu weiterem Bewegungsmangel und erhöhten Gesundheitsrisiken bei. 

 

Fußgängerzonen und Fahrradwege für die Gesundheit 

Dass eine entsprechend angepasste Stadtplanung Effekte auf die Gesundheit der Stadtbewohnerinnen und -bewohner haben kann, zeigten die Forscherinnen und Forscher im Rahmen ihrer Berechnungen. Dabei berücksichtigten sie unterschiedliche Einflussfaktoren wie die Zugangsmöglichkeiten zu öffentlichen Verkehrsmitteln, die Nutzung von privaten Kraftfahrzeugen sowie die Beschaffenheit von Fahrrad- und Fußwegen. Würden demnach entsprechende Stadtkonzepte umgesetzt, die eine abwechslungsreiche Flächennutzung ermöglichen und bspw. die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Fahrrad- und Fußgängerwegen fördern, so könnte eine deutliche Reduktion von kardiovaskulären Erkrankungen und Diabetes erreicht werden. 

Hierzu bedarf es jedoch einer systematischen Stadtplanung, die verschiedene Faktoren berücksichtigt. Ebenso müssen bürokratische Hürden der Zuständigkeiten überwunden und die Kommunikation zwischen Verkehrs- und Stadtplanungsbüros verbessert werden. Fallstudien zeigen, dass es weltweit bereits eine Vielzahl von innovativen Ansätzen gibt, um das Leben in der Stadt sowohl gesünder als auch nachhaltiger zu gestalten. Um die gesundheitlichen Risiken jedoch dauerhaft einzudämmen, müssen diese Aktionspläne in der Zukunft jedoch von der Ausnahme zur Regel werden.   

 

Quellen:  

Giles-Corti, Billie/Vernez-Moudon, Anne et al.: City planning and population health: a global challenge, in: The Lancet, Vol. 388, No.10062, September 2016. 

Stevenson, Mark/Thompson, Jason et al.: Land use, transport, and population health: estimating the health benefits of compact cities, in: The Lancet, Vol. 388, No.10062, September 2016. 

Sallis,  James. F./Bull, Fiona et al.: Use of science to guide city planning policy and practice: how to achieve healthy and sustainable future cities, in: The Lancet, Vol. 388, No.10062, September 2016.

 

 


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Seite zuletzt geändert am: 23.01.2017 08:52:00, ursprünglich angelegt am: 20.01.2017 08:52:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig, Hannah Rüdiger