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Im Namen der Gesundheit


Montag, 12. Juni 2017

Gesundheitsförderung an Schulen: Zwischen Disziplinierung und Ermächtigung


Lehrer und SchülerMit dem Programm„Auf dem Weg zu gesundheitsfördernden Schulen“ hat sich Gesundheitsförderung auch in der Schweiz an zahlreichen Schulen etabliert. Aber was bedeutet es, wenn sich Lehrpersonen für die Förderung der Gesundheit engagieren? Und wie legitimieren sie dies? U.a. diesen Fragen ist Simone Suter mit ihrer aktuellen Publikation nachgegangen.

Wie Autorin Simone Suter einleitend aufzeigt, lässt sich Gesundheitsförderung an Schulen kontrovers diskutieren. Neben Befürworter treten immer wieder auch kritische Stimmen. So sei Gesundheitsförderung mit einem Eingriff in familiäre Zuständigkeiten verbunden, denn sie kann „Auswirkungen auf die Lebensgestaltung und die normativen Grundhaltungen von Heranwachsenden haben und somit Einfluss auf Identitätsbildungsprozesse nehmen" (S. 12). Darüber hinaus bestehe die Gefahr der Stigmatisierung von Schülerinnen und Schülern, die von vorherrschenden Gesundheitsidealen abweichen.

Vor diesem Hintergrund geht Simone Suter der Forschungsfrage nach, wie Gesundheitsförderung von Lehrerinnen und Lehrern gedeutet und legitimiert wird. Antworten auf diese Frage sammelte die Soziologin im Rahmen von Interviews. Diese sowie wissenschaftliche Hintergründe und weiterführende Analysen sind nun unter dem Titel „Im Namen der Gesundheit. Gesundheitsförderung an Schulen zwischen Disziplinierung und Ermächtigung. Eine soziologische Studie" erschienen.

Die Publikation gliedert sich in sieben Kapitel. Während die ersten vier Kapitel zur Klärung von Begrifflichkeiten beitragen und Einblicke in ausgewählte Gesundheitskonzepte und- diskurse geben, widmet sich der zweite Teil des Buches dem eigentlichen Forschungsfeld. Dargestellt werden u.a. die Historie schulbasierter Gesundheitsförderung, Spannungsfelder sowie beteiligte Akteure in der Schweiz.

Wie die Autorin hervorhebt, soll die Publikation Grundlagenwissen schaffen und dazu beitragen, „den Auftrag der Gesundheitsförderung vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Diskurse und Entwicklungen kritisch zu reflektieren" (S. 13 f).

Diesem Anspruch wird Simone Suter nicht zuletzt durch die Auswertung der Interviews gerecht. Durch Verdichtung des Interviewmateriales gelingt es ihr, vier Deutungsmuster zu rekonstruieren und zeigt damit die Bandbreite auf, in der Lehrpersonen den Auftrag zur Gesundheitsförderung verstehen:

  • VertreterInnen des Typus 1 verstehen Gesundheitsförderung als Instrument zur Steigerung des Lernerfolgs. Gesundheit stellt hier die Voraussetzung zum Systemerhalt dar; diese gilt es dauerhaft zu aktivieren – auch durch Disziplinierung der Schülerinnen und Schüler.
  • Dem Typus 2 liegt eine paternalistisch-kompensatorische Deutung zugrunde – Gesundheitsförderung wird hier als Mittel gegen gesellschaftliche Fehlentwicklungen wahrgenommen. Im Zentrum steht die Vermittlung von Normen einer „richtigen" Lebensführung an Kinder und deren Eltern.
  • Eine emanzipatorische Deutung liegt dem Typus 3 zugrunde. ­Dieser versteht Ermächtigung als Ziel von Gesundheitsförderung und als Teil des Bildungsauftrags. Demnach sollen Schülerinnen und Schüler durch eigene (gesundheitsbezogene) Erfahrungen zu selbstbestimmtem Handeln befähigt werden; grundlegend dafür sind jedoch gesellschaftliche Bedingungen.
  • Typus 4 versteht Gesundheitsförderung als Legitimation angestrebten gesellschaftlichen Wandels und schulpolitischer Veränderungen. Gesundheit wird hier als kollektiv-öffentliches Gut verstanden, das durch Rahmenbedingungen beeinflusst wird. Entsprechend sind VertreterInnen dieses Typus bestrebt, die Lebenswelt Schule so zu gestalten, dass Freiräume entstehen und schädigende Einflüsse minimiert werden. 

 

Publikation

Suter, Simone (2017): Im Namen der Gesundheit. Gesundheitsförderung an Schulen zwischen Disziplinierung und Ermächtigung. Eine soziologische Studie. Transcript Verlag, Bielefeld. Link...

 

 


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Seite erstellt am: 12.06.2017 15:25:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig






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