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Gesundheitsbezogene Selbsthilfe in Deutschland


Montag, 19. Juni 2017

Selbsthilfe in Deutschland – bisherige Ergebnisse der SHILD-Studie


Hände greifen ineinanderDie SHILD-Studie untersucht die gesundheitsbezogene Selbsthilfe in Deutschland. Mit einer Gesamtlaufzeit von etwa 4,5 Jahren wird das Projekt noch in diesem Jahr abgeschlossen. Die bislang ausgewerteten Daten liefern Erkenntnisse zum Status quo des Sektors.

Die gesundheitsbezogene Selbsthilfe ist zu einer wichtigen Säule im Gesundheitssystem geworden. Chronisch Kranke, Menschen mit Behinderung, Menschen mit psychischen Problemen oder auch Angehörige von Betroffenen finden in Selbsthilfegruppen Rat und Unterstützung. 

 

Hintergrundinformationen zur SHILD-Studie 

Die vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Studie "Gesundheitsbezogene Selbsthilfe - Entwicklungen, Wirkungen, Perspektiven (SHILD)" wird vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, von der Medizinischen Hochschule Hannover und von der Universität Köln durchgeführt und verfolgt das Ziel, das Selbsthilfe-System in Deutschland mit seinen Institutionen, Aktivitäten und Effekten transparent zu machen.  

Gegenstand des ersten Teils der Untersuchung ist eine Situations- und Bedarfsanalyse. Der zweite Teil analysiert die Wirkungen der  Selbsthilfe-Aktivitäten. Aktuell werden die Untersuchungen zum zweiten Teil der Studie ausgewertet. Der erste Teil ist bereits abgeschlossen.  

 

Bislang gewonnene Ergebnisse 

Auskunft über die bislang gewonnen Ergebnisse der SHILD-Studie gibt der Sammelband "Selbsthilfe und Selbsthilfeunterstützung in Deutschland" von Kofahl, Schulz-Nieswandt und Dierks (2016). Das Forscherteam zeigt darin auf, dass der Sektor ein stark heterogener Zusammenschluss aus unterschiedlichsten Selbsthilfegruppen und -organisationen mit je eigenen Zielen, Zusammensetzungen, Strukturen und Funktionen ist (ebd. S. 343). Er besteht zu über 99 Prozent aus ehrenamtlich Tätigen (ebd. S. 346).  

Die Befragungen von insgesamt 1.644 Akteurinnen und Akteuren der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe (ebd. S. 11) machen deutlich, dass diese neben bürokratischen vor allem auch mit finanziellen Herausforderungen konfrontiert sind. Die in der Selbsthilfe Tätigen formulieren insbesondere die Wünsche nach mehr finanzieller Unterstützung und nach einer Vereinfachung von Prozessen der Projektförderung. Zum Zeitpunkt der Befragung (2013-2014) standen dem Sektor etwa 60 Millionen Euro zur Verfügung - also nur 0,02% der Gesamtkosten des deutschen Gesundheitssystems (ebd. S. 346). Durch das Präventionsgesetz fließen seit 2016 zwar fast 30 Millionen Euro zusätzlich über die Krankenkassen in die Selbsthilfe. Da der Sektor sich aber stetig ausweitet, ist eine Verbesserung von bestehenden Angebote und Angebotsstrukturen kaum zu erwarten (ebd. S. 347).  

Die Forschenden stellen auch in Frage, ob es gerechtfertigt ist, die Förderung der Selbsthilfe durch die gesetzliche Krankenversicherung zu kanalisieren. Sie würde dadurch in einem gewissen Rahmen auch inhaltlich gesteuert, z.B. in der Frage, welche Gesundheitsthemen als förderfähig bestimmt werden (ebd. S. 347). 

Es gibt darüber hinaus eine relevante Zahl von kleinen Gruppen und Organisationen der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe, die mit dem Ziel der gegenseitigen Unterstützung auf individueller Ebene agieren und die kaum Außenwirkungen haben. In der aktuellen Debatte um die Finanzierung und Projektförderung sind diese Gruppen nicht sichtbar; sie werden weder politisch noch medial wahrgenommen. Das ist insofern kritisch zu betrachten, da diejenigen mit höherem Vernetzungsgrad und Repräsentanz nach außen nicht generell als förderwürdiger einzustufen sind (ebd. S. 344).  

 

Ausblick 

Es bleibt abzuwarten, was der zweite Teil der SHILD-Studie zu den Wirkungen von einzelnen Angeboten hervorbringt. Die Ergebnisse erlauben dann nicht nur Rückschlüsse darüber, was Selbsthilfe generell für die Gesundheit leisten kann, sondern ggf. auch darüber, welche Formen der Selbsthilfe besondere finanzielle Unterstützung brauchen.   

 

 

Quellen: 

Kofahl C, Schulz-Nieswandt F, Dierks ML (Hrsg). Selbsthilfe und Selbsthilfeunterstützung in Deutschland. Münster: LIT-Verlag, 2016. 

Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf, Medizinische Hochschule Hannover & Universität Köln (o.J.).  Gesundheitsbezogene Selbsthilfe in Deutschland -Entwicklungen, Wirkungen, Perspektiven (SHILD), Link...

 

 

 

 


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Seite erstellt am: 19.06.2017 09:19:00
Autor/-in der Seite: Dr. Martha Höfler






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