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Höheres Risiko für psychiatrischer Erkrankungen in Städten


Montag, 2. Oktober 2017

Risiko für psychische Erkrankungen in Städten


StadtpanoramaBereits heute lebt die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten; bis zum Jahr 2050 wird sich dieser Anteil sogar auf gut zwei Drittel erhöhen, so eine Schätzung der Vereinten Nationen. Der Urbanisierung kommt damit eine wachsende Bedeutung zu – auch für die psychische Gesundheit, wie eine aktuelle Übersichtsarbeit zeigt.

Für ihre Übersichtsarbeit nahmen Prof. Dr. Rapp und sein Team der Universität Potsdam Metaanalysen und quantitative Untersuchungen in den Blick, die Unterschiede zwischen Bewohnerinnen und Bewohnern aus ländlichen und städtischen Regionen im Hinblick auf psychische Störungen erfassten.

Dabei stellten sie fest, dass in Städten ein höheres Risiko für psychiatrische Erkrankungen wie Angst, psychotische, affektive oder Suchterkrankungen vorliegt. Insbesondere schizophrene Psychosen sind unter Städterinnen und Städtern weiter verbreitet als bei Bewohnerinnen und Bewohnern ländlicher Regionen.
Weniger eindeutig ist die Studienlage bei affektiven Erkrankungen: Während diese bei der großstädtischen Bevölkerung in Deutschland häufiger nachgewiesen werden konnten, wurde bspw. in China eine höhere Erkrankungsrate auf dem Land beobachtet.

 

Städtische soziale Umwelten

Eine wichtige Bedeutung für die psychische Gesundheit schrieben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zudem dem unmittelbaren Nahraum in Städten zu. Hier scheint den untersuchten Studien zufolge das Leben in einem sozial benachteiligten Stadtteil im Vergleich zum Leben in einem reicheren Stadtteil mit einem höheren Risiko für psychische Erkrankungen verbunden zu sein. Darüber hinaus fand eine deutsche Untersuchung einen signifikanten Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und der Armut in der Nachbarschaft - unabhängig vom individuellen sozialen Status.

 

Physische Umweltfaktoren in Städten

Im Vergleich zu Menschen auf dem Land sind Städterinnen und Städter häufiger Risikofaktoren wie Lärmbelästigung und Umweltverschmutzung ausgesetzt. Wie die Auswertungen von Prof. Rapp et al. zeigen, können diese zu einer höheren Stressexposition und damit einhergehenden gesundheitlichen Auswirkungen beitragen. Dies illustriert beispielsweise eine deutsche Studie zum Verkehrslärm: Demnach weisen Menschen, die sich sehr vom Straßenverkehr belastet fühlen, ein 1,8- bis 2,5-fach höheres Risiko für psychische Beeinträchtigungen auf. 

 

Mit der vorliegenden Übersichtsarbeit liegt ein wichtiger Baustein zur Erforschung von Risikofaktoren psychischer Erkrankungen in Städten vor. Dennoch besteht den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zufolge weiterer Handlungsbedarf: So sind Längsschnittstudien notwendig, um Aussagen zu Einflussfaktoren und Kausalitäten treffen zu können. Darüber hinaus ist bisher erst wenig über die Auswirkungen städtebaulicher Richtlinien und Verordnungen auf die psychische Gesundheit bekannt. Um ein besseres Verständnis für diese vielfältigen Zusammenhänge zu entwickeln, plädieren Prof. Rapp et al. für eine interdisziplinäre Forschung unter Beteiligung von Expertinnen und Experten u.a. aus Architektur, Epidemiologie, Soziologie und Stadtplanung.  

 

Quellen

Gruebner O et al. (2017): Risiko für psychische Erkrankungen in Städten. In: Deutsches Ärzteblatt Jg. 114, Heft 8, 121-127. Link...

United Nations, Department of Economic and Social Affairs., Population Devision: World urbanization prospects. The 2014 revision. New York, United Nations 2015, S. 1.

 

 


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Seite erstellt am: 02.10.2017 15:05:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig






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