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Entscheidend ist das Mitgefühl


Montag, 27. November 2017

Empathie als Baustein der Herzgesundheit


Stethoskop in HerzformErkrankungen des Herzens werden nicht nur durch einen ungesunden Lebensstil bedingt, sondern auch durch Kummer, Ängste und verdrängte Gefühle begünstigt. Wie Monika A. Pohl im Gespräch mit der BVPG erläutert, sind daher ein bewusstes Wahrnehmen der eigenen Gefühle wesentliche präventive und gesundheitsfördernde Maßnahmen.

BVPG: Frau Pohl, als Expertin für Selbstfürsorge schreiben Sie der Empathie eine große Bedeutung zu - auch für die Herzgesundheit. Können Sie diesen Zusammenhang erläutern?

Empathie basiert auf Achtsamkeit und kann helfen, eine positive Resonanz zu fördern und mehr Mitgefühl und Dankbarkeit zu generieren. Auf diese Weise entsteht das Gefühl der Kohärenz, das bereits in den 1980ern vom Medizinsoziologen Aron Antonovsky im Rahmen seines Konzeptes der Salutogenese beschrieben wurde. Laut Antonovsky drückt das Kohärenzgefühleine globale Verbundenheit aus, die das Vertrauen des Individuums in seine eigenen Ressourcen und  den Glauben an den Sinn des Lebens stärkt. Menschen, die diese Sinnhaftigkeit und den Glauben an die Fähigkeit, Herausforderungen des Alltags selbst meistern zu können, verlieren, verlieren häufig auch ihren Lebensmut. Dies drückt sich nicht nur in ihrer psychischen Verfassung, sondern auch in der schlechten Gesundheit ihres Herzens aus.

 

BVPG: Wir sollten also mehr in uns selbst hineinhorchen?

Laut der Neurowissenschaftlerin Prof. Dr. Tania Singer ist Empathie nicht per se etwas Gutes. Es kommt darauf an, was man daraus macht. Entscheidend ist das Mitgefühl, das uns in Kontakt mit uns selbst und mit anderen Menschen kommen lässt. Mit sich selbst mitzufühlen und die Impulse des eigenen Herzens wahrzunehmen, hilft uns, einen freundlichen Umgang mit uns zu pflegen. Denn niemand von uns ist vollkommen. Wir machen alle Fehler und haben unsere Stärken und Schwächen. Wenn wir bei uns selbst beginnen, uns wie einen guten Freund behandeln und dabei die negative Kritik, die wir an uns selbst üben, achtsam reflektieren und bei Bedarf ändern, dann ändert sich in der Regel auch die innere Haltung uns selbst gegenüber.

Leider ist es heute weit verbreitet, dass Mitgefühl ein Zeichen von Schwäche ist und wir Verletzlichkeit besonders im beruflichen Kontext nicht zulassen dürfen. Jedoch genau diese Überzeugung wird zum größten Hindernis. Wir kämpfen und mühen uns täglich ab, stehen im  vermeintlichen Wettbewerb zu Freunden und Kollegen und vergessen dabei, gut für uns zu sorgen.

 

BVPG: Und wie lässt sich dem im Alltag gegensteuern?

Nehmen Sie sich jeden Tag mindestens fünf Minuten Zeit, um sich Ihrem Herzen bewusst zuzuwenden. Setzen oder stellen Sie sich dazu aufrecht hin, legen Ihre Hände sanft auf Ihre Brust und schließen, wenn Sie mögen, für einen Moment Ihre Augen. Atmen Sie bewusst durch die Nase ein und aus und nehmen möglichst detailliert wahr, wie es Ihnen in dem Augenblick geht. Welche Gefühle tauchen auf? Mit welchen Worten würden Sie Ihren momentanen Zustand beschreiben? Lauschen Sie dazu achtsam auf Ihre Seelenimpulse. Denken Sie daran, bei allem was Sie entdecken, sich mit Freundlichkeit, Güte und Verständnis zu begegnen.

 

BVPG: Ihre Empfehlung: Wie lässt sich Herzgesundheit fördern?

Bei sich selbst anzufangen, ist bei allem was wir tun, die beste Lösung. So lernen wir unsere eigenen Bedürfnisse und Ziele kennen und schaffen im zweiten Schritt einen Raum für andere und ihre Anliegen. Denn nur wer gut für sich selbst sorgt, kann auch sein Bestes geben. Doch bei all dem Guten, das durch Empathietraining bewirkt werden kann, sollte uns bewusst sein, dass ein Zuviel an Mitgefühl ebenfalls nicht erstrebenswert ist. Gerade für Menschen aus Gesundheits-, Pflege- und sozialen Berufen ist das Mitfühlen mit anderen enorm wichtig, kann aber gleichzeitig im Übermaß zum Mitleiden führen und unter Umständen im Helfersyndrom gipfeln, somit das eigene Herz als Empfindungsorgan stark belasten. Doch richtig dosiert schult das Empathietraining mit Fokus auf dem Mitgefühl unser Herzbewusstsein, stärkt so unsere Herzgesundheit und fördert Lebensfreude.

Wie viel Mitgefühl uns und unserem Herzen tatsächlich gut tut, muss letztendlich jeder für sich selbst ausloten. Daher ist es wichtig, stets mit sich selbst in guter Verbindung zu sein. Manche Menschen sind von Natur aus sehr empathisch, andere aufgrund ihrer Erziehung und Erfahrung deutlich weniger. Das lässt sich durch Training beeinflussen aber vermutlich nicht komplett ändern. Grundsätzlich gilt: Gefühle sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens, sie zu unterdrücken oder auszublenden schadet sowohl dem Körper, als auch der Psyche. 

 

BVPG: Frau Pohl, vielen Dank für das Gespräch! 

 

Interviewpartnerin: Monika A. Pohl, Lebensstil Gesundheit. Link...

 

 


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Seite erstellt am: 27.11.2017 10:49:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig






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