Kleine Anfrage der SPD-Fraktion
Die Fragen von Prävention und Rehabilitation angesichts einer kontinuierlich steigenden Lebenserwartung stehen im Mittelpunkt einer Kleinen Anfrage der SPD-Fraktion. Hintergrund ist die Tatsache, dass die Alterung der Gesellschaft als ein wesentlicher Kostenfaktor im Gesundheitswesen dargestellt wird.
Fauja Singh, der mit 100 Jahren älteste Marathonläufer, ist sicher ein Extrem. Aber: Es gibt zahlreiche Ansatzpunkte, das körperliche, geistige und soziale Wohlbefinden auch bis ins hohe Alter zu fördern. Auf der diesjährigen Jahrestagung der Kooperation für Nachhaltige Präventionsforschung (KNP) wurden Projekte zum aktiven und gesunden Altern an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis vorgestellt.
Ehrenamtliche Aufgaben und die Unterstützung durch Freunde und Familie halten gesund: Intensive, aber auch mäßige ehrenamtliche Tätigkeiten sowie die soziale Unterstützung durch Freunde steigern bei den 55- bis 94-Jährigen das subjektive Wohlbefinden. Zusammen mit der körperlichen Leistungsfähigkeit ist das subjektive Wohlbefinden eine wichtige Bedingung für die Möglichkeit, gesund und in Würde alt zu werden.
Um fast 30 Jahre hat sich die Lebenserwartung im vergangenen Jahrhundert in Deutschland erhöht. Und auch weltweit lässt sich eine zunehmende Alterung der Bevölkerung feststellen. Damit einher geht meist auch eine größere Zahl der in Gesundheit verbrachten Lebensjahre. Dennoch, so stellt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fest, leiden „zu viele alte Menschen [...] unter schlechter Gesundheit, gesellschaftlicher Isolation und Armut“. Aus diesem Grund widmet sich der Weltgesundheitstag in diesem Jahr dem Thema „Altern und Gesundheit“.
Ältere Menschen haben ein relativ hohes Risiko zu stürzen und eine Reihe von zum Teil schwerwiegenden Sturzverletzungen und Einschränkungen ihrer funktionellen Kompetenzen davon zu tragen. Stürze und ihre Folgen sind auch häufig Auslöser für eine stationäre Langzeitversorgung. Um Stürze und kurz- wie langfristige Folgen zu verhindern, gibt es eine Fülle von personen- und sachbezogenen Maßnahmen und Interventionen. Am Ende einer Analyse der Veröffentlichungen von 184 aus 12.000 durchgeführten Studien über die Wirksamkeit und den Nutzen dieser Maßnahmen sehen sich die VerfasserInnen eines 2012 veröffentlichten HTA-Berichts mangels konsistenter positiver Wirkungen auf die Sturzhäufigkeit wie die Sturzfolgen nicht in der Lage, eine oder mehrere dieser Maßnahmen uneingeschränkt zu empfehlen.
Dass Demenz nicht nur ein "hirnorganisches Altersschicksal" ist, sondern auch mit Lebensereignissen zusammenhängen kann, wird von der Wissenschaft mehr und mehr beachtet. Lena Johansson und Kollegen von der Universität Göteborg, Schweden, veröffentlichten nun eine Studie, die zeigt, dass psychische Belastungen in der Lebensmitte mit sichtbaren Veränderungen des Gehirns assoziiert sind.
Solange es keine wirksame ursächliche Behandlung oder Prävention der degenerativen Demenz gibt, gilt das Hauptaugenmerk pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Interventionen, die den Erkrankungsprozess verlangsamen. Eine einjährige randomisierte, kontrollierte und für 98 TeilnehmerInnen verblindete Verlaufsstudie in fünf bayerischen Pflegeheimen zeigte jetzt, dass das regelmäßige Angebot einer nichtmedikamentösen komplexen Behandlung die Entwicklung milder bis mäßiger und schwerer Demenz verlangsamen kann: die kognitiven Funktionen und die Fähigkeiten für Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) werden positiv beeinflusst.
Zehn geladene Sachverständige stellten sich Anfang März in einer öffentlichen Anhörung den Fragen des Bundestags-Familienausschusses zu den Ergebnissen des Sechsten Berichts der Bundesregierung zur Lage der älteren Generation. Weitestgehend übereinstimmend haben sie sich dafür ausgesprochen, die in Deutschland geltenden Altersgrenzen quer durch alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens auf den Prüfstand zu stellen.
Seit dem 1. Januar 2012 erhöht sich das Renteneintrittsalter in Deutschland schrittweise auf 67 Jahre. Damit möglichst viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bis zu diesem Alter auch gesund arbeiten können, sind Lösungen gefragt, die sowohl den Beschäftigten als auch den Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt gerecht werden. Die gesetzliche Unfallversicherung hat Lösungen für Unternehmen erarbeitet, wie alternde Belegschaften länger arbeitsfähig bleiben.
Zum Beginn des „Europäischen Jahres für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen“, das Anfang Februar 2012 in Berlin mit einer Auftaktveranstaltung eingeleitet wurde, riefen die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) und die Forschungsgesellschaft für Gerontologie an der TU Dortmund (FfG) dazu auf, „Aktives Altern“ in einem umfassenden Sinn zu verstehen. Wichtig sei darüber hinaus, ältere Menschen weder einseitig als Empfänger noch einseitig als Erbringer von Leistungen anzusehen, sondern ihre Potenziale und Bedarfe gleichermaßen in den Blick zu nehmen.
Seite zuletzt geändert am: 04.07.2012 16:26:00, ursprünglich angelegt am: 08.08.2006 15:46:00
Autor der Seite: Dr. Beate Grossmann