Maßnahmen zur Stadtentwicklung können direkt der Gesundheitsförderung dienen. Eine australische Studie hat jetzt gezeigt: In Wohngegenden, in denen Einrichtungen wie Bushaltestellen, Briefkästen, Postämter oder Geschäfte häufig vorhanden und zu Fuß gut zu erreichen sind, gehen Bürgerinnen und Bürger auch sehr viel häufiger zu Fuß als in Stadtteilen mit einer schlecht ausgestatteten Infrastruktur.
Die Bilanz von Gesundheitsförderungsmaßnahmen zur Prävention von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen fällt sehr uneinheitlich aus. Neben positiven Befunden gelungener Prävention werden viele Defizite und Mängel hervorgehoben und darüber hinaus auch Aspekte aufgezeigt, die zukünftig stärker berücksichtigt werden sollten – so beispielsweise strukturelle Rahmenbedingungen wie etwa die Erhältlichkeit von Lebensmitteln.
Maßnahmen und Interventionen zur Gesundheitsförderung sind fast ausnahmslos effektiv - große Unterschiede bestehen allerdings im Hinblick darauf, ob ihre Wirkung nur zwei Wochen anhält oder auch noch nach zwei Jahren beobachtbar ist. Neuere Evaluationsstudien bemühen sich, Kontrolluntersuchungen auch noch nach einem längeren Zeitraum von 1-2 Jahren durchzuführen. Für Gesundheitsförderungs-Projekte im Bereich Sport und körperliche Aktivität hat jetzt eine systematische Literaturstudie anhand der Veröffentlichungen von 25 methodisch hochwertigen Untersuchungen herausgefunden: Bei der Mehrzahl der einbezogenen Interventionen stellen sich durchaus Langzeiteffekte ein, und ein körperlich aktiveres Verhalten der Teilnehmer ist auch noch nach 12 oder 24 Monaten feststellbar.
„Nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen kann man körperliche Aktivität auch über den Tag 'sammeln', um einen gesundheitlichen Nutzen davon zu haben. Mit dem Rad zur Arbeit also, später vielleicht eine halbe Stunde putzen oder Gartenarbeit, dann mit dem Hund Gassi gehen.“ Der Sportmediziner Prof. Dr. Dr. Winfried Banzer, Mitglied des Vorstands der BVPG, äußert sich im Interview zu dem richtigen Maß an Bewegung im Alltag, zum Nationalen Aktionsplan IN FORM und zur internationalen Zusammenarbeit. Er fordert unter anderem, Handlungsoptionen in den unterschiedlichen Politikfeldern auf ihre Gesundheitsverträglichkeit zu prüfen, stärker Ressort-übergreifend zu arbeiten und verhältnispräventive Aspekte stärker einzubeziehen.
Unbestritten gilt: Bewegung tut gut. Sie hilft in jeder Lebensphase, Gesundheit zu erhalten und Krankheit zu verhindern. Unstrittig ist ferner: Wer Bewegung fördern will, kann nicht nur auf Verhaltensappelle setzen. Auch die Verhältnisse müssen so beschaffen sein, dass mehr Bewegung möglich wird. Aber: Mehr Fuß- und Radwege in Städten und Kommunen tragen zwar dazu bei, das Ausmaß körperlicher Aktivität im Alltag zu steigern. Dies bedeutet jedoch nicht automatisch, dass damit auch eine Reduktion von Übergewicht verbunden ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Auftrag der BVPG von Bernhard Braun und Gerd Marstedt durchgeführte Auswertung aktueller Studien zur Frage, welche Bedeutung Verhältnisprävention im Bereich der Bewegungsförderung hat und welchen Einfluss sie auf die Prävalenz von Übergewicht nimmt.
Am 25. und 26. Juni 2009 führte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) in Bonn erstmalig einen zweitägigen „Vernetzungsworkshop zu IN FORM“ durch, Der Workshop führte die Akteure der im Rahmen von IN FORM geförderten Projekte zusammen: Angesprochen waren vor allem die Zentren für Bewegungsförderung, die Aktionsbündnisse Gesunde Lebensstile und Lebesnwelten sowie die Modellprojekte. Der erste Tag des Workshops stand ganz im Zeichen der zehn neuen, vom BMG geförderten Projekte „Zentren für Bewegungsförderung“, die – z.T. durch Zusammengehen von mehreren Projekt- bzw. Kooperationspartnern – seit kurzem ihre Arbeit in nunmehr allen Bundesländern aufgenommen haben.
„Wer gut zu Fuß ist, ist gut zum Klima“. Dies ist einer der Slogans der Kampagne „Kopf an: Motor aus. Für Null CO2 auf Kurzstrecken“, mit der das Bundesumweltministerium (BMU) in den kommenden zwei Jahren die Bürgerinnen und Bürger im Alltag weg vom Auto zum Gehen und zum Radfahren bewegen möchte. Seit Ende März dieses Jahres läuft die Kampagne für Fuß- und Radverkehr modellhaft in vier Kommunen, von denen zwei dem Gesunde-Städte-Netzwerk angehören. Fünf weitere werden ab August in einem Wettbewerb ermittelt. Emissionsfreie Mobilität ist gesunde Mobilität – und das ist auch ganz im Sinne des Nationalen Aktionsplans „IN FORM“. Doch bislang haben die beteiligten Bundesministerien ihre Aktionen nicht vernetzt, und gezielte Synergiebestrebungen auf kommunaler Ebene gibt es auch noch nicht.
Die Annahme, körperlich-sportliche Aktivitäten im Alter hätten insbesondere für Personen, die dies schon mehrere Jahre lang vernachlässigen, keinen gesundheitlichen Nutzen mehr, hat sich gerade in einer großen Kohortenstudie mit 2.205 Männern in Schweden als unzutreffend erwiesen. Die Studienteilnehmer waren zu Beginn der Studie 50 Jahre alt gewesen. Von ihnen wurde in regelmäßigen Abständen bis zum maximalen Alter von 82 Jahren erhoben, ob und wie intensiv sie körperlich aktiv waren und wie sich dies auf die standardisierten Sterblichkeitsquoten auswirkte.
In einer von der Landesstiftung Baden-Württemberg im Jahr 2006 geförderten repräsentativen Studie mit dem Titel „Ein aktives Leben – Alter und Altern in Baden-Württemberg über das Bewegungsverhalten von 50- bis 70-jährigen Baden-Württembergern (N=2002) wurde überprüft, ob Personen, die öfter spazieren gehen oder Fahrrad fahren auch zugleich häufiger Sport treiben oder ob dies Aktivitäten sind, die sich gegenseitig eher ausschließen. Zugleich wurde in der Untersuchung das Auftreten von Übergewicht kontrolliert.
Die Mitglieder der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG) und ihre Unterorganisationen engagieren sich intensiv für gesunde Ernährung und körperliche Aktivität im Alltag. Bereits in seiner Startphase ist der Nationale Aktionsplan IN FORM von den zivilgesellschaftlichen Kräften gut angenommen worden. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse der BVPG-Mitgliederbefragung, die in zwei Befragungswellen im Herbst und Winter 2008/2009 durchgeführt wurde und deren Endergebnisse nun vorliegen.
Wir stellen die wesentlichen Aussagen, Trends und Schlussfolgerungen vor.
Seite zuletzt geändert am: 05.08.2009 10:26:00, ursprünglich angelegt am: 02.09.2008 11:32:00
Autor der Seite: Dr. Beate Grossmann