Navigation:
| Prävention | Aktuell |
| Gesunde Kinder und Jugendliche |
| Gesund am Arbeitsplatz |
| Gesund altern |
| IN FORM |
| Prävention allgemein |
| Prävention | Kongresse |
| BVPG | Positionen |
| BVPG | Arbeitsschwerpunkte |
| BVPG | Wir über uns |
| Intranet | LogIn |
Wir erfüllen die
afgis Transparenzkriterien 2009

Wir befolgen die HONCode Prinzipien.
Jetzt überprüfen
Inhalt:
Startseite : Gesunde Kinder und Jugendliche : Stillen und Allergieprävention
Stillen und Allergieprävention
Muttermilch und Milchersatzstoffe: Primärprävention von Allergien bei Kleinkindern und Kindern
Allergische (Haut-)Reaktionen beeinträchtigen die Lebensqualität von kleinen Kindern und deren Eltern erheblich. Seit rund 40 Jahren gibt es Bemühungen, das Entstehen von Allergien durch primärpräventive Maßnahmen zu verhindern. Hier ist der aktuelle Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammengefasst.
Zentrale Bedeutung besitzt hierbei die Vermeidung der Aufnahme bestimmter Proteine aus der Kuhmilch - vor allem durch das Stillen oder die Ernährung mit Milchprodukten, die von bestimmten natürlichen, aber als allergieerzeugend geltenden Inhaltsstoffen durch Hydrolyse befreit wurden. Als hilfreich wird auch eine möglichst von allergiefördernden Stoffen freie Ernährung der schwangeren und stillenden Frau gehalten. Unklar war immer, wie lange die primärpräventive Phase dauern muss, um allergische Reaktionen beim älter werdenden Kind zu vermeiden.Auf diese Fragen gab ein bereits 2003 erschienener und 2006 auf den neuesten Stand gebrachter systematischer Cochrane Review eine Reihe von Antworten. Ein 2008 von einer ExpertInnengruppe der 'Section on Paediatrics, European Academy of Allergology and Clinical Immunology' - kurz: SP-EAACI - verfasster und in der Fachzeitschrift 'Pediatric Allergy and Immunology' erschienener Aufsatz ist zusätzlich in zweifacher Hinsicht interessant. Erstens bestätigt er wichtige Erkenntnisse des Cochrane Reviews und liefert zusätzliche Argumente gegen und für bestimmte Interventionen zur Allergieprävention bei kleinen Kindern. Zweitens beschäftigt er sich mit zwischenzeitlich bekannt gewordenen Fehlern in diesem Cochrane Review und einigen grundsätzlichen Problemen bei der Erstellung dieser hoch angesehenen Analysen.Anlass für die kritische Betrachtung des Cochrane Review war der notwendig gewordene Ausschluss von vier Studien, deren Verfasser offensichtlich Ergebnisse in den von ihm zu verantwortenden Studien verfälscht hat. Auch wenn die SP-EAACI-Experten konstatieren, der Ausschluss erfordere keine generelle inhaltliche Revision der Reviewergebnisse, weisen sie aber trotzdem auf eine Reihe zusätzlicher und aus ihrer Sicht fragwürdiger ('questionable') Inhalte des Cochrane Reviews hin. So würden dort entgegen dem sonstigen methodischen Anspruch auch Studien berücksichtigt, die keine randomisierten kontrollierten Studien waren oder auch nicht in einer peer-reviewten Zeitschrift, sondern in einer Hersteller-Publikation erschienen sind. Kritisch und als zu hart sieht die Expertengruppe außerdem den Ausschluss von Studien aus dem Review, die mehr als 20 % ihrer TeilnehmerInnen vor der Follow-up-Untersuchung verloren hatten. Darüber hinaus ist auch der Hinweis interessant, dass es bei dem eindeutigen Wissensstand über den Nutzen von Muttermilch, die körperliche Situation und die Still-Bereitschaft junger Mütter ethisch unmöglich sei, die Randomisierung von einer 'Muttermilch-Gruppe' und von 'Nicht-Muttermilch-Gruppen' zu fordern.
Insgesamt mindert dieser kritische Blick auf Reviews nicht deren Bedeutung als Referenz, sondern stellt sogar ein positives Beispiel für die Funktionsfähigkeit dieses öffentlichen Systems der wissenschaftlichen Selbstvergewisserung und Kontrolle dar.Die wichtigsten alten wie neuen Erkenntnisse zu den primärpräventiven Möglichkeiten im Bereich kindlicher Allergien lauten folgendermaßen (vgl. dazu auch schon Host et al. 2004 und Muraro et al. 2004):
- Eine selektive Ernährung ist bei Kindern mit hohem Risiko der Inzidenz einer Kuhmilchallergie sowie atopischer oder nichtatopischer Ekzeme im späteren Kleinkind- und Kindesalter präventiv wirksam. Für die mögliche Prävention anderer späterer allergischer Reaktionen wie Asthma, oder Rhinitis im Kleinkindalter mangelt es an Evidenz.
- Die wirksamste Präventionsform ist das ausschließliche Stillen des Neugeborenen durch Muttermilch mindestens bis zum vierten oder auch bis zum sechsten Lebensmonat. Sollte dies unmöglich sein, stellt die Ernährung mit nachgewiesenenermaßen nichtallergenen Ersatzmilchstoffen für wenigstens vier Monate eine präventiv ebenfalls wirksame Alternative dar. Dabei sollten aber feste Nahrung oder Kuhmilch völlig vermieden werden.
- Für die Frage, welche Entwöhnungsmethoden die besten sind, gibt es keine ausreichende Evidenz.
- Auch für die protektive Wirkung einer um bestimmte Stoffe (z.B. Kuhmilchproteine) reduzierten Ernährung der Schwangeren auf ihr geborenes Kind gibt es wenig Evidenz.
- Für die präventive Wirkung einer länger als 4 Monate dauernden Stillzeit oder einer ebenfalls länger erfolgenden Milchersatzernährung gibt es keine Evidenz.
Titel: Arne Holst et al.: Dietary prevention of allergic diseases in infants and small children. Amendment to previous published articles in Pediatric Allergy and Immunology 2004, by an expert group set up by the Section on Pediatrics, European Academy of Allergology and Clinical Immunology
Link: http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/fulltext/119406887/PDFSTART
Vom Cochrane Review 'Formulas containing hydrolysed protein for prevention of allergy and food intolerance in infants' von Osborn DA und Sinn J., Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 4, gibt es kostenlos nur ein Abstract unter diesem
Link: http://www.cochrane.org/reviews/en/ab003664.html
Die beide schon aus dem Jahre 2004 stammenden Arbeiten mit weitgehend identischen Erkenntnissen sind hier aufgelistet. Von beiden gibt es kostenlos nur ein Abstract:
Titel: Muraro et al.: Dietary prevention of allergic diseases in infants and small children. Part III: Critical review of published peer-reviewed observational and interventional studies and final recommendations, in: Pediatric Allergy Immunology (2004 Aug;15(4):291-307)
Link: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15305938
Titel: 'Hypoallergenic formulas--when, to whom and how long: after more than 15 years we know the right indication!', in: 'Allergy' (2004 Aug;59 Suppl 78:45-52)
Link: Allergy (2004 Aug;59 Suppl 78:45-52)
Seite erstellt am: 18.03.2009 15:19:00
Redaktion der Seite: Gerd Marstedt, Bernard Braun
Quelle: siehe Links
Infobox:
--> Alle Termine anzeigen




