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Startseite : Prävention allgemein : Prävention allgemein - Archiv : Rauchen, Schichtzugehörigkeit und Lebenserwartung
Rauchen, Schichtzugehörigkeit und Lebenserwartung
Rauchen und Schichtzugehörigkeit und ihr Einfluss auf die Lebenserwartung
Das Rauchen hat sich in vielen epidemiologischen Studien als größter Einflussfaktor für die Lebenserwartung im Bereich des individuellen Gesundheitsverhaltens herausgestellt. Aber in solchen Studien wurde immer auch deutlich, dass die Lebenserwartung von Angehörigen unterer Sozialschichten auch ohne Berücksichtigung des Gesundheitsverhaltens mehrere Jahre unter denen der Oberschicht liegt. Eine Längsschnitt-Studie aus Schottland, die über einen Zeitraum von 28 Jahren durchgeführt wurde und über 15.000 Teilnehmer umfasste, hat nun gezeigt: Auch wenn man die einzelnen Sozialschichten getrennt und für sich genommen betrachtet, wird ein Einfluss des Rauchens auf die Lebenserwartung deutlich. Das Fazit der Wissenschaftler: Gesundheitliche soziale Ungleichheit kann nicht abgebaut werden, wenn die Raucherquote in unteren Sozialschichten so hoch bleibt wie derzeit zu beobachten ist.
8.353 Frauen und 7.049 Männer, alle im Alter von 45-64 Jahren, wurden in den Jahren 1972-1976 in den beiden schottischen Städten Renfrew und Paisley zur Mitarbeit an einer Längsschnitt-Studie über gesundheitliche Verhaltensrisiken gewonnen und danach über mehrere Jahrzehnte hinsichtlich des Auftretens von Krankheiten und Todesfällen beobachtet. Zu Beginn wurden von allen Studienteilnehmer umfangreiche Daten erfasst, sowohl durch persönliche Befragung als auch durch medizinische Untersuchungen. Zu diesen Daten gehörten unter anderem: Der mit mehreren Indikatoren erfasste sozio-ökonomische Status (soziale Schicht), Berufstätigkeit, Merkmale des Gesundheitsverhaltens wie insbesondere Rauchen sowie eine Reihe medizinischer Indikatoren wie Blutdruck, Body Mass Index (BMI), Cholesterinspiegel.
Da die Schichtzugehörigkeit sehr stark in Zusammenhang steht mit dem Rauchverhalten - Angehörige unterer Sozialschichten rauchen häufiger - , beide Merkmale sich in Studien aber auch als Einflussfaktoren für die Lebenserwartung herausgestellt haben, sollte die Studie klären, wie diese drei Merkmale im Detail miteinander zusammenhängen. Dazu wurden aus den Studienteilnehmern 24 Gruppen gebildet: Nach dem Geschlecht (2 Merkmale: Männer, Frauen), nach dem Rauchverhaltenen (3 Merkmale: ja, früher, nie) und nach der Sozialschicht (4 Gruppen). Überprüft wurde dann getrennt nach Männern und Frauen und ebenso separat für jede der vier Sozialschichten, ob sich ein Einfluss des Rauchens auf die im Untersuchungszeitraum beobachtete Mortalität feststellen lässt. Seit dem Beginn der Studie im Jahre 1972 wurden bei den Frauen 4.387 und bei den Männern 4.891 Todesfälle beobachtet, das entspricht 55% (Frauen) bzw. 70% (Männer) der Studienteilnehmer. Berücksichtigt wurden alle Krankheiten als Todesursachen.
In den Analysen, die das Rauchverhalten miterfassten, wurde dann zusätzlich auch der Einfluss des Alters und mehrerer medizinischer Indikatoren (Body Mass Index, Cholesterinspiegel etc.) mitberücksichtigt. Es zeigte sich dann (vgl. unten stehende Grafik):
- Die niedrigsten Sterblichkeitsquoten wiesen Frauen aus der oberen Sozialschicht auf, die noch nie geraucht hatten.
- Die Mortalitätsquoten derjenigen, die mit dem Rauchen aufgehört hatten, stimmten bei Männern wie Frauen eher mit den Quoten der "Nie-Raucher" überein als mit den Quoten der aktuellen Raucher. Dies bedeutet: Mit dem Rauchen aufzuhören, rentiert sich auch noch im Alter.
- Die Überlebensraten bei Frauen (nach 28 Jahren) in den einzelnen Sozialschichten (oberste zuerst) betrugen für Nie-Raucherinnen: 65%, 57%, 53%, 56%. Die Quoten für aktuelle Raucherinnen waren deutlich niedriger: 41%, 42%, 33%, 35%.
- Ähnliche Differenzen ergaben sich für Männer, hier betrugen die Überlebensquoten bei Nie-Rauchern 53%, 47%, 38%, 36%. Für aktuelle Raucher: 24%, 24%, 19%, 18%.

Diese Zahlen bedeuten nach Auffassung der Wissenschaftler unter dem Strich, dass bei Frauen ein schichtspezifischer Überlebens-Vorteil durch das Rauchen fast völlig kompensiert wird. Bei Männern ebenso wie bei Frauen sind die Mortalitätsunterschiede zwischen aktuellen Rauchern und Nie-Rauchern größer als Unterschiede zwischen den Schichten. Daher, so das Fazit der Wissenschaftler, kann man die gesundheitliche Ungleichheit zwischen Sozialschichten nur dann mit Aussicht auf Erfolg reduzieren, wenn die Zahl der Raucher in den unteren Schichten deutlich gesenkt wird.
Die Studie ist kostenlos im Volltext verfügbar: http://www.bmj.com/cgi/content/full/338/feb17_2/b480?maxtoshow=&HITS=10&hits=10&RESULTFORMAT=&fulltext=Gruer&searchid=1&FIRSTINDEX=0&sortspec=date&resourcetype=HWCIT
Seite erstellt am: 28.05.2009 14:38:00, zuletzt geändert am: 22.06.2009 14:49:00
Redaktion der Seite: Bettina Berg
Quelle: Autoren Gerd Marstedt, Bernhard Braun; Quelle: siehe Link
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