Anfang Juli – kurz vor der parlamentarischen Sommerpause – beschäftigte sich der Bundestag mit dem Thema Prävention und Gesundheitsvorsorge. In erster Lesung ging es um die Anträge der Oppositionsfraktionen, die sich für eine deutliche Aufwertung der Vorsorge in der Gesundheitsversorgung stark machen und ein Präventionsgesetz verlangen. So fordert die SPD-Fraktion die Bundesregierung auf, eine umfassende Präventionsstrategie für den Bund zu entwickeln. Diese müsse unter anderem Gesundheitsförderung als vierte Säule neben Kuration, Pflege und Reha etablieren. Die Linke fordert, die Potenziale der Prävention zu erkennen und zu nutzen und Prävention und Gesundheitsförderung über die gesamte Lebensspanne zu stärken.
In vielen öffentlichen Darstellungen wirken die Ursachen der raschen Zunahme der Zahl übergewichtiger bis fettsüchtiger BürgerInnen ziemlich unkompliziert. Die Menschen essen zu viel und bewegen sich zu wenig. Obwohl beide Faktoren mit Sicherheit eine Rolle spielen, sind aber sowohl das Erklärungsmodell als auch das daraus folgende Handlungsbündel viel komplexer. Welche Faktoren für eine erfolgreiche Verhinderung von Übergewicht und Fettsucht noch zu berücksichtigen sind und was dies für die Art und Anzahl der hierfür zu mobilisierenden Akteure und die Organisation von präventiven Kampagnen bedeutet, fasst eine Publikation der Unternehmungsberatung McKinsey knapp und verständlich zusammen.
Je älter man wird, umso mehr legt man an Gewicht zu – bis hin zu Übergewicht und Fettsucht. Dies gehört zu den gesicherten Erkenntnissen der Forschung über die Gewichtsentwicklung in der Zeit. Im Alter von 60 bis 75 Jahren erreicht diese Entwicklung eine Art Plateau, das dann gewichtsmäßig im noch höheren Alter sogar zum Teil wieder unterschritten wird. Erklärt wird dieses Phänomen zumeist damit, dass sich die Ernährungsgewohnheiten im Lebenslauf verändern und dass sich die körperlichen Aktivitäten – zum Beispiel durch entsprechende Arbeitsverhältnisse – reduzieren.
Für ihre beim "Wettbewerb guter Praxis: Gesunde Hochschulen" eingereichten gesundheitsfördernden Konzepte wurden jetzt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hochschule Alice Salomon Berlin, der Universität Paderborn und des Verbunds der Universitäten Potsdam, Paderborn, Wuppertal mit der RWTH Aachen in drei Kategorien mit einem Preis von je 1000 Euro ausgezeichnet. Die Jury prämierte damit die Maßnahmen, Projekte und Organisationsentwicklungsprozesse, die in vorbildlicher Weise Impulse auf dem Weg zur gesundheitsfördernden Hochschule geben.
Dieses Buch schreibt Geschichte, und zwar die Geschichte der Prävention seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Es nimmt zentrale Schauplätze und Schlüsselmomente der Präventionsgeschichte der Moderne in den Blick, verfolgt die Entwicklung von Prävention in historischer und sozialanthropologischer Perspektive und zeigt, wie Praktiken der Prävention eine grundlegende Sozial- und Kulturtechnik der Moderne werden konnten. Sie haben nicht nur die institutionelle Entwicklung der westlichen Gesundheitssysteme geprägt, sondern wurden auch zum Bestandteil subjektiver Körper- und Gesundheitsvorstellungen.
2008 war Mundhöhlen- und Rachen-Krebs die sechshäufigste Ursache für einen Krebstod bei Männern in Deutschland – und Raucher erkranken bis zu sechsmal häufiger als Nichtraucher daran. Anlässlich des Welt-Nichtrauchertages 2011 hat die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) deshalb auf die oft unterschätzte Gefahr oraler Tumor-Erkrankungen sowie auf gravierende Parodontal- und Mundschleimhauterkrankungen durch regelmäßigen Tabakkonsum aufmerksam gemacht.
Mit dem im Mai vorgelegten „Drogen- und Suchtbericht 2011“ erscheint der erste der Drogenbeauftragten Mechtild Dyckmans seit ihrem Amtsantritt. Im Jahr 2010 hatte sie ganz auf einen Bericht verzichtet. Der nun vorgelegte Bericht verweist im Kapitel zu „Tabak“ auf die Erfolge der Tabakprävention insbesondere bei Kindern und Jugendlichen: Der Anteil der Raucherinnen und Raucher im Alter von 12 bis 17 Jahren hat sich von 27,5% im Jahr 2001 auf 12,9% im Jahr 2011 mehr als halbiert. Den Ausführungen der Drogenbeauftragten zufolge strebt die Bundesregierung in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie eine weitere Senkung der Raucherquoten an: bei Kindern und Jugendlichen bis zum Jahre 2015 auf unter 12% und bei Erwachsenen auf unter 22%.
Mehr als drei Viertel (76,1%) der deutschen Bevölkerung sind für ein Rauchverbot in Gaststätten, die Zustimmung ist unabhängig von der Parteipräferenz und fast drei Viertel (71,1%) wünscht sich zudem einen bundeseinheitlichen Nichtraucherschutz. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich veröffentlichte repräsentative Befragung der Bevölkerung zu ihrer Einstellung zu Rauchverboten in Gaststätten, die das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) seit dem Jahr 2005 jährlich durch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) durchführen lässt. Die Zustimmungsrate ist von 52,9 Prozent im Jahr 2005 auf 76,1 Prozent in 2011 gestiegen. Befragt wurden in diesem Jahr etwa 2.000 Deutsche im Alter von über 16 Jahren.
Bereits kurz nach der Studie zur Umsetzung des Nichtraucherschutzes in Nordrhein-Westfalen hat das DKFZ jetzt eine aktuelle Bestandsaufnahme zum Nichtraucherschutz in der Gastronomie in Hauptstädten von zehn Bundesländern vorgelegt. Dabei wurden alle Gaststätten in den Innenstadtbereichen von Düsseldorf, Hannover, Kiel, Mainz, Magdeburg, Schwerin, Stuttgart und Wiesbaden begangen. In Berlin und München wurden darüber hinaus weitere Stadtteile mit hoher Kneipendichte untersucht. Damit liegen Daten von 2939 Gaststätten vor. Das Ergebnis: Insbesondere im Bereich der getränkegeprägten Gastronomie kann von einer Wahlfreiheit für Nichtraucher keine Rede sein. In über 80% der Kneipen und Bars wird bundesweit nach wie vor geraucht.
Anlässlich des Welt-Nichtrauchertages (WNRT) ist eine neue Ausgabe der ABNR-Positionen 5/2011 erschienen. Thema der Ausgabe ist gleichlautend mit dem WNRT-Thema der rechtliche „Flickenteppich“ zum Nichtraucherschutz in Deutschland. Im Mittelpunkt der Publikation des ABNR (Aktionsbündnis Nichtrauchen) stehen die Bestimmungen zum „Schutz vor Passivrauchen“. Fazit der Veröffentlichung: Die bestehenden Regelungen in Bundes- und unterschiedlichen Landesgesetzen zum Nichtraucherschutz garantieren aufgrund vielfältiger Ausnahmeregelungen keinen wirksamen Schutz der nichtrauchenden Bevölkerungsmehrheit. Das ABNR appelliert daher an die politischen Entscheidungsträger, die bestehenden Ausnahmen zu streichen und Schlupflöcher und Hintertürchen zu schließen.
Seite zuletzt geändert am: 15.07.2011 09:21:00, ursprünglich angelegt am: 22.12.2009 14:10:00
Autor der Seite: Dr. Beate Robertz-Grossmann