Altersteilzeit ist gesünder als ein abrupter Übergang vom Erwerbsleben in die Rente


Donnerstag, 7. Januar 2010

Altersteilzeit ist gesünder als ein abrupter Übergang vom Erwerbsleben in die Rente


Mann im Blaumann mit Werkzeugkasten in der HandÄltere Menschen, die nicht vom einen auf den anderen Tag aus einer Vollzeitbeschäftigung in Rente gegangen sind, sondern diesen Übergang mit unterschiedlichen Formen einer „Brückenbeschäftigung“ bewältigten, sind danach körperlich und geistig signifikant gesünder. Zu diesem Ergebnis kommen Alternsforscher im Journal of Occupational Health Psychology. Die an der University of Maryland und der California State University in San Bernardino arbeitenden Psychologen haben die Daten der "Health and Retirement Study" ausgewertet. Diese Langzeitstudie des US-National Institute on Aging befragt seit 1992 eine Gruppe von 12.189 US-Bürgern, damals zwischen 51 und 61 Jahre alt, regelmäßig nach ihren Lebensumständen. Zu den dabei erhobenen Merkmalen zählen neben Alter und Geschlecht auch ihr Bildungsniveau und ihre gesamte finanzielle Situation. Außerdem werden Angaben zum Beschäftigungsverhältnis, zu ärztlich diagnostizierten Krankheiten oder Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Krebs, Lungen- und Herzerkrankungen, Schlaganfall und zur mentalen Gesundheit erhoben.

Die Auswertung dieser Daten zeigt allerdings deutliche Effektunterschiede für die unterschiedlichen Formen der 'Brückenbeschäftigung", wie etwa der zeitlich begrenzten Teilzeitbeschäftigung oder der Selbstbeschäftigung innerhalb oder außerhalb der bisherigen beruflichen Tätigkeit oder eines begrenzten neuen Jobs.

Die positiven Auswirkungen auf die weitere Gesundheit traten lediglich bei Personen auf, die eine 'Brückentätigkeit" im ursprünglichen Beruf und am besten im bisherigen Betrieb ausübten. Die theoretische Möglichkeit, dass dabei die körperliche und mentale Gesundheit der RentnerInnen vor ihrer Berentung eine Hauptrolle gespielt hat, schließen die Wissenschaftler nach einer entsprechenden Standardisierung aus. Selbst wenn also der Gesundheitszustand vor dem Eintritt in die Rente keine Rolle mehr spielt, sind Personen, die eine 'Brückentätigkeit" im bisherigen Beruf ausüben, im weiteren biografischen Verlauf gesünder. Wenn sie sich, vor allem aus finanziellen Gründen im Rentenalter nach einem neuen Job umsehen mussten, was in den USA keine Seltenheit ist, fiel der Gesundheitsbonus der "Brückenbeschäftigung" weg. Die Autoren führen dies auf den Stress zurück, dem ältere Menschen ausgesetzt sind, wenn sie sich für kurze Zeit in ein neues Berufsfeld einarbeiten müssen.

Auch wenn dies in dieser Studie nicht ausdrücklich untersucht wurde oder keine aussagekräftigen Ergebnisse vorliegen, sollte das vorliegende Ergebnis Anlass dazu geben, generell darüber nachzudenken, den traditionell abrupten Übergang von Arbeit in Rente auch in Deutschland durch intelligente Formen von Altersteilzeit zu vermeiden.

Die Studie 'Bridge Employment and Retirees’ Health: A Longitudinal Investigation" von Yujie Zhan, Mo Wang, Songqi Liu und Kenneth S. Shultz erschien im Journal of Occupational Health Psychology (2009, Vol. 14, No. 4, 374-389) der American Psychological Association. Sowohl die komplette Fassung (http://www.apa.org/journals/releases/ocp-14-4-374.pdf) als auch eine kurze Pressemitteilung (http://www.apa.org/releases/working-retirees.html) sind kostenlos erhältlich.



Seite zuletzt geändert am: 07.01.2010 15:38:00, ursprünglich angelegt am: 04.01.2010 12:26:00
Autor/-in der Seite: Dr. Beate Robertz-Grossmann
Quelle: Dr. Bernard Braun, Dr. Gerd Marstedt