Startseite : Prävention allgemein : Beiträge - 2010 : Prävention von Diabetes

Ein gesunder Lebensstil ist zur Prävention von Diabetes effektiver als Medikamente


Mittwoch, 20. Januar 2010

Ein gesunder Lebensstil ist zur Prävention von Diabetes effektiver als Medikamente


Beine joggender MenschenDie Prävention von Diabetes mellitus Typ 2 (die meist erst nach dem 30. Lebensjahr auftritt) ist gesundheitspolitisch von großer Bedeutung, da eine Therapie (im Sinne von "Heilung") nur sehr begrenzt möglich ist und eine Vielzahl von Begleit- und Folgeerkrankungen beobachtet wurde - von Herzinfarkt und Niereninsuffizienz bis hin zur Erblindung und Fußamputation. Nach einer Diagnose erhöhter Blutzuckerwerte wird vom Arzt anfänglich recht häufig das Medikament Metformin verordnet, das die Neubildung von Glukose (Traubenzucker) in der Leber hemmt und auch die Aufnahme von Glukose im Darm verzögert. Nicht selten wird diese Arzneimittelverordnung dann auch über längere Zeit beibehalten.

Aus früheren Studien bekannt ist aber auch, dass eine Änderung des Lebensstils, insbesondere eine Umstellung der Ernährung und mehr körperliche Bewegung, zumindest dieselben, teilweise bessere Effekte erzielt und überdies nicht die Nebenwirkungen der Arzneimitteltherapie mit sich bringt. Die Dauertherapie mit Metformin wurde daher auch als unnötige "Medikalisierung" von Patienten kritisiert.

Eine internationale Forschungsgruppe, die "Diabetes Prevention Program Research Group" hat nun Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, in der über einen Zeitraum von 10 Jahren kontrolliert wurde, was zur Prävention von Diabetes Typ 2 besser geeignet ist: Eine Änderung des Lebensstils oder die Einnahme von Metformin.

Dazu wurde im Zeitraum 1996-1999 eine Studie mit 2.766 Teilnehmern begonnen und zehn Jahre lang kontrolliert, ob eine Diabetes ärztlich diagnostiziert wurde. Die Teilnehmer wurden zu Beginn nach dem Zufallsprinzip einer von drei Gruppen zugeordnet: Einer Gruppe wurde die Einnahme von Metformin verordnet. Eine zweite Gruppe erhielt Informationen und soziale Unterstützung um eine Änderung des Lebensstils zu erreichen. Diese Beratung und Information konnte ausführlich zu Beginn und später alle drei Monate in Anspruch genommen werden. Ziel der Lebensstiländerung war eine Gewichtsreduzierung um etwa 7 Prozent und das regelmäßige Durchführen von Sport oder moderater körperlicher Aktivität, und zwar im Umfang von 150 Minuten pro Woche. Eine dritte Gruppe schließlich erhielt lediglich ein Scheinmedikament (Placebo).

Sichergestellt wurde zu Beginn, dass wesentliche medizinische Risikofaktoren wie unter anderem Body Mass Index, Körpergewicht, Blutzucker- und Cholesterinwerte, aber auch Faktoren wie Alter und Geschlecht in den drei Gruppen keine gravierenden Unterschiede aufwiesen.

In einer ersten Kontrolle nach knapp drei Jahren hatte sich gezeigt, dass bei Erwachsenen mit hohem Diabetes-Risiko das Neu-Auftreten dieser Erkrankung in der Lebensstilgruppe am stärksten abgesenkt werden konnte: Verglichen mit der Placebogruppe um 58 Prozent, in der Medikamentengruppe nur um 31 Prozent.

In einer weiteren Kontrolle nach 9,0 - 10,5 Jahren wurde nun überprüft, ob sich dieses bessere Abschneiden von Lebensstiländerungen als Intervention zur Diabetes-Prävention bestätigen ließ. Tatsächlich zeigten sich ähnliche, wenn gleich nun etwas niedrigere Zahlen: Seit Studienbeginn vor etwa 10 Jahren wurde das Neuauftreten von Diabetes in der Lebensstilgruppe (im Vergleich zur Placebo-Einnahme) um 34 Prozent gesenkt, in der Metformin-Gruppe um 18 Prozent. Oder mit anderen Werten ausgedrückt: Im Gesamtzeitraum der Studie wurde folgende Zahl an neuen Diabetes-Erkrankungen pro 100 Personen-Jahre beobachtet: 5,3 Fälle in der Lebensstilgruppe, 6,4 Fälle in der Metformin-Gruppe, 7,8 Fälle in der Placebo-Gruppe. Auf einer Zeitachse betrachtet, wird das Auftreten von Diabetes durch Lebensstiländerungen um etwa vier Jahre verzögert, bei Metformin sind es zwei Jahre.

Quelle: Diabetes Prevention Program Research Group: 10-year follow-up of diabetes incidence and weight loss in the Diabetes Prevention Program Outcomes Study, The Lancet, Volume 374, Issue 9702, 14 November 2009-20 November 2009, Pages 1677-1686

Kostenlos verfügbar ist ein Abstract der Studie: www.sciencedirect.com



Seite zuletzt geändert am: 20.01.2010 11:56:00, ursprünglich angelegt am: 04.01.2010 14:12:00
Autor der Seite: Dr. Beate Robertz-Grossmann
Quelle: Dr. Gerd Marstedt