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Startseite : Gesund altern : Beiträge - 2010 : Körperliche Aktivität
Körperliche Aktivität beugt Stürzen vor
Körperliche Aktivität beugt Stürzen vor
Stürze gehören zu den gesundheitlichen Ereignissen von älteren, zu Hause wohnenden Menschen, die akut und oft auch auf Dauer mit negativen körperlichen und psychischen Folgen verbunden sind. Dazu zählen lange Immobilität durch schlecht heilende Knochenbrüche, dauerhafte Einschränkungen der Mobilität aus Angst vor erneuten Stürzen und der Verlust des Vertrauens in die eigene Bewegungsfähigkeit bis hin zur häuslichen oder stationären Pflegebedürftigkeit. 30% der über 65-Jährigen zu Hause wohnenden Personen stürzen mindestens einmal pro Jahr. Auch wenn nur rund 10 % der Stürze zu einem Knochenbruch führen, benötigen rund ein Fünftel der gestürzten Personen medizinische Behandlung.
Ein 2009 aktualisiert veröffentlichter Cochrane Review untersuchte Studien über die Wirksamkeit verschiedener präventiver Interventionen. Dazu zählte u.a. die unspezifische normale Behandlung der Sturzfolgen verbunden mit Beratung, die Verordnung spezifischer Medikamente gegen eine Fülle möglicher körperlicher Ursachen (z. B. Drehschwindel bei zu niedrigem Blutdruck), Operationen zum Erhalt der Sehfähigkeit und gezielte Angebote körperlichen Trainings. Im Vergleich reduzierten nur die gezielten körperlichen Aktivitäten die Sturzrate und das Risiko zu stürzen. Je nach Trainingsform konnte das Risiko von Stürzen zwischen 17 und 35% reduziert werden. In mehreren kontrollierten Studien erwiesen sich aber auch Kataraktoperationen und das Absetzen psychotroper Medikamente noch als präventiv wirksam, wenngleich nur bei der Sturzhäufigkeit.
Dem Cochrane Review - einem Update eines erstmals 2003 veröffentlichten Review mit 62 randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) - lagen insgesamt 111 RCTs mit 55.303 TeilnehmerInnen und mit einer oder mehrerer der genannten präventiven Interventionen zugrunde. Die für den Review ausgewählten primären Ergebnisindikatoren waren die Rate der Stürze und das Sturzrisiko.
Die Wirksamkeit einzelner Interventionen sah im Vergleich mit Placebos so aus:
- Kombinierte körperliche Gruppenübungen reduzierten die Sturzrate signifikant um 22 % und das Sturzrisiko um 17 %.
- Tai Chi reduzierte ebenfalls signifikant die Häufigkeit beider Outcomes um 37 % und 35 %.
- Individuell verordnete kombinierte häusliche Übungen führten zu einer signifikanten Reduktion beider Werte um 34 % und 23 %.
- Die Einnahme von Vitamin D reduzierte weder die Sturzrate noch das Sturzrisiko signifikant. Dies könnte aber bei Personen mit niedrigem Vitamin-Level anders aussehen.
- Für Interventionen zur allgemeinen Verbesserung der häuslichen Sicherheit finden die Reviewer keine belastbaren Wirksamkeitsnachweise. Anders sieht dies bei Personen mit schweren Einschränkungen der Sehfähigkeit und mit einem aus anderen Gründen erhöhten Sturzrisiko aus.
- Beim Absetzen von Medikamenten, die das Bewusstsein beeinträchtigen können, wird zwar die Sturzrate um 66 % gesenkt, nicht aber das Sturzrisiko. Ebenfalls nur die Sturzrate wurde dann um 39 % gesenkt, wenn die Hausärzte der betreffenden Personen an einem Programm zur Veränderung ihres Verordnungsverhaltens teilgenommen hatten. Ähnlich sieht es schließlich noch bei der präventiven Wirksamkeit von Antirutsch-Schuhen aus.
- Insgesamt scheinen Sturzpräventionsprogramme auch kostensparend zu sein.
Angesichts so überraschender Ergebnisse wie z. B. der geringen Wirksamkeit von Interventionen in die Sicherheit des häuslichen Umfeldes (z. B. Rutschbremsen für Teppiche und Beseitigung von Stolperfallen durch Übermöblierung, ist der Schlussfolgerung der Reviewer, über die Umstände solcher Interventionen müsse noch genauer geforscht werden, zuzustimmen.
Von der aktuellen Fassung der Cochrane-Reviews "Interventions for preventing falls in older people living in the community" von Gillespie LD, Robertson MC, Gillespie WJ, et al. (Cochrane Database Syst Rev 2009;(2):CD007146.) gibt es kostenlos nur ein längeres Abstract
In der Zeitschrift "Evidence based Medicine for Primary Care and Internal Medicine" (EBM Dezember 2009 Vol 14 No 6) gibt es zusätzlich eine kostenlose zweiseitige Übersicht samt Kommentar (PDF-Datei) zu diesem Cochrane Review
Seite erstellt am: 25.02.2010 10:48:00
Redaktion der Seite: Dr. Beate Robertz-Grossmann
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