Mittwoch, 17. März 2010
Einfluss von Sport auf die weibliche Psyche
Sport und körperliche Aktivität fördern die psychische Gesundheit. Mit diesem Zusammenhang befasst sich ein vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) herausgegebener neuer Ratgeber, der speziell auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten ist. Sportwissenschaftler und Psychologen des Zentrums für Gesundheit an der Deutschen Sporthochschule Köln haben eine Broschüre für fünf Phasen des Lebens einer Frau entworfen. Sie beschreiben detailliert, welche Veränderungen der weibliche Körper in welcher Phase erfährt und welchen Einfluss körperliche Aktivität hierauf haben kann. Übungsbeispiele, anschauliche Erklärungen und interaktive Elemente gestalten den Ratgeber praxisnah.
Als fünf prägende Lebensabschnitte identifizieren die Forscher die Pubertät, den Alltag einer erwachsenen Frau, Schwangerschaft, die Wechseljahre und das Alter. Jede dieser Phasen geht mit anderen Belastungen des Körpers und der Seele einher. Und in jeder Phase werden andere Auswirkungen von körperlicher Betätigung relevant.
Als Mittel der sozialen Kontaktaufnahme ist der Sport in jedem Lebensabschnitt bedeutend. In der Pubertät ist dieser Faktor aber noch einmal besonders wichtig, da hier die Abnabelung von der Familie stattfindet. In einer Zeit, in der der eigene Körper massiven Veränderungen unterworfen ist, kann körperliche Aktivität auch zur Identitätsfindung und einem besseren Körpergefühl beitragen. Dadurch kann unter anderem die Gefahr von Essstörungen reduziert werden.
Für erwachsene Frauen kann der Rückhalt in einer Sportgruppe einen Ausgleich zu den Belastungen des Alltags bieten. So kann im Austausch mit anderen Frauen die Bewältigung von Alltagsproblemen leichter fallen. Durch den sportbedingten Stressabbau wird das Leben leichter bewältigt. Bereits ein Spaziergang trägt zur Entspannung und geistiger Kreativität bei. Durch eine gesteigerte körperliche Leistungsfähigkeit wird das eigene Selbstbild positiver und das Selbstvertrauen gesteigert.
Auch Frauen in der Schwangerschaft und nach der Geburt eines Kindes können und sollten körperlich aktiv sein. Durch die Betätigung wird die psychische Ausgeglichenheit gefördert. Besonders das Selbstbild, das durch Gewichtszunahme und hormonelle Veränderungen schon mal leiden kann, wird verbessert. Ein gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur erhöht die Schmerztoleranz bei der Geburt. Übliche Beschwerden während der Schwangerschaft, wie Rückenschmerzen, Schlafstörungen und Krampfadern, können durch körperliche Aktivität gelindert werden. Besonders geeignet sind Sportarten, die die Ausdauer fördern. Hierzu gehören Gymnastik, Wandern, Schwimmen und Radfahren. Durch die bessere Durchblutung der Mutter verbessert sich auch die Versorgung des Ungeborenen mit Nährstoffen. Nach der Geburt unterstützt eine sportliche Betätigung die Rückbildungsprozesse und trägt zu einem positiven Selbstbild bei.
In den Wechseljahren, die häufig auch mit dem Auszug der Kinder oder der Pflege der eigenen Eltern einhergehen, gibt der Sportverein sozialen Rückhalt. Das Gefühl der körperlichen Unzulänglichkeit kann durch sportliche Aktivität und dem damit steigenden Selbstwertgefühl vermieden werden. Die Autoren der Broschüre beschreiben, dass Sport teilweise Hormonersatztherapien ersetzen kann, da er zu einem Ausgleich des Hormonhaushaltes beiträgt. Auch der Erhalt der Muskulatur wirkt sich langfristig positiv aus. Das Auftreten von Harninkontinenz kann durch das Training der Beckenbodenmuskulatur verhindert werden.
Durch den Verlust des Lebenspartners oder das Ausscheiden aus dem Berufsleben spielen die Sozialkontakte in Sportvereinen auch in der späteren Lebensphase eine entscheidende Rolle. Die Aufgabe des Berufes hat zudem eine Steigerung der Freizeit zur Folge. Diese gilt es zu strukturieren, damit psychische Belastungen wie Depressionen nicht auftreten. Diese Struktur kann durch den Besuch von Sportkursen oder andere Aktivitäten gegeben werden. Schlafprobleme und Appetitlosigkeit, die in höherem Alter öfter auftreten, werden durch Sport gemildert. Durch die Verzögerung von Alterserscheinungen steigt das Selbstwertgefühl und das Sicherheitsempfinden. Das Trainieren der Beweglichkeit senkt die Sturzgefahr. Zudem bleiben kognitiven Leistungen durch eine bessere Hirndurchblutung länger erhalten.
Um den „inneren Schweinehund" zu überwinden empfehlen die Wissenschaftler einen Plan mit den bisherigen Aktivitäten aufzustellen. Dazu sollen weitere Merkmale wie Zeitpunkt, Intensität und das eigene Befinden bei der Ausübung notiert werden. Erweitert man die eigenen Aktivitäten sollen diese in eine identische Tabelle eingetragen werden. Ein Vergleich der beiden Pläne zeigt, welchen Einfluss die zusätzliche körperliche Betätigung auf das eigene Befinden hat.
Die realistische Zielsetzung spielt für die Aufnahme eines Sportes ebenfalls eine bedeutende Rolle. Um Frustrationen zu vermeiden sollten detaillierte, kleine Zielschritte schriftlich festgehalten werden. Personen, die schon länger nicht mehr körperlich aktiv waren sollten ebenso wie Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen vor dem Beginn einer Aktivität ihren Arzt konsultieren. In der Schwangerschaft gilt es Sportarten mit Sturzgefahr oder starker Beanspruchung der Bauchmuskulatur zu vermeiden. Ansonsten bleibt die Wahl der Sportart jedem selbst überlassen. Nur wenn die Ausübung Spaß macht wird sie langfristig beibehalten.
Die Broschüre ist als Download verfügbar. Sie finden sie hier.
Seite erstellt am: 17.03.2010 16:28:00
Autor der Seite: Felix Lüken
Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (Hrsg.) (2010): "Aktiv sein – für mich: Auswirkungen von Bewegung auf die psychische Gesundheit von Frauen".