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Startseite : Gesund am Arbeitsplatz : Krankmeldungen von Rückenschmerzpatienten

Krankmeldungen von Rückenschmerzpatienten



Dienstag, 4. Mai 2010

Senken körperliche Trainingsprogramme die Krankmeldungen von Rückenschmerzpatienten?


Zeigefinger zeigt auf Wirbelsäule eines SkelettsTragen körperbezogene Konditionsprogramme für Erwerbstätige mit akuten, subakuten oder chronischen Rückenschmerzen im Vergleich zur normalen, überwiegend symptomatischen medizinischen Behandlung dazu bei, dass diese Beschäftigten weniger oder kürzer krank sind? Diese Frage konnte auch durch die jetzt veröffentlichte, bis 2008 reichende Aktualisierung eines erstmals 2003 erarbeiteten Cochrane-Reviews nicht eindeutig und fundiert beantwortet werden. In den dafür zu Rate gezogenen 23 randomisierten Kontrollstudien fanden die Wissenschaftler bei Erwerbstätigen mit akuten Rückschmerzen keine Wirkung der Konditionsprogramme. Bei Personen mit subakuten Rückenschmerzen war das Wirkungsbild nicht einheitlich. Gab es aber positive Wirkungen, dann nur geringe und auch erst dann, wenn Arbeitsplatzbedingungen mitberücksichtigt wurden. Kombinationen von Körpertrainingsprogrammen mit einer kognitiven Verhaltenstherapie erhöhten deren Wirksamkeit nicht.

Angesichts der zahlreichen Studien, die in letzter Zeit den generellen gesundheitlichen Nutzen von körperlicher Aktivität bestätigen, sollten die Ergebnisse dieses Cochrane-Reviews Anlass für intensivere Forschung über die Zusammenhänge von Körpertrainingsprogrammen und Arbeitsunfähigkeit wegen Rückenschmerzen geben und zunächst einmal das Erwartungsniveau bei derartigen Programmen abzusenken helfen.

Die Cochrane-Studie aus dem Jahre 2003 war zu dem Schluss gekommen, dass körperliche Trainingsprogramme in Kombination mit kognitiver Verhaltenstherapie überaus erfolgreich sind für Arbeitnehmer/innen mit chronischen Rückenschmerzen. Die Quintessenz aus 18 seinerzeit bilanzierten Studien war: Solche eng mit Arbeitsplatz und Betrieb verknüpften Interventionen senken die Dauer der Arbeitsunfähigkeit, und zwar im Durchschnitt um 45 Tage in einem Jahr im Vergleich zu Beschäftigten, die eine konventionelle medizinische Therapie erfahren. Dieses recht eindeutige Fazit führte seither zu einem Boom entsprechender Interventionen.

Parallel dazu gab es jedoch auch eine Reihe von Veröffentlichungen, in denen dieser eindeutige Zusammenhang und die bessere Wirksamkeit von körperlichen Trainingsprogrammen in Kombination mit kognitiver Verhaltenstherapie in Frage gestellt wurden. Die Cochrane-Forscher nahmen daher jetzt noch einmal eine Literaturbilanz vor. In diese nahmen sie einige nach ihrer früheren Veröffentlichung erschienene Studien neu auf und überprüften noch einmal die Gesamtbewertungen für die schon früher berücksichtigten Studien.

Einbezogen wurden dann randomisierte Kontrollstudien (mit Individuen oder Gruppen), die männliche und weibliche Erwerbstätige mit körperlichen Einschränkungen aufgrund von Rückenschmerzen umfassten, und bei denen in der Interventionsgruppe körperliche Trainingsprogramme (mit oder ohne kognitive Verhaltenstherapie) durchgeführt wurden. Unterschieden wurden dabei akute Rückenschmerzen (akute Symptome, Dauer seit weniger als 6 Wochen), subakute (Dauer 6-12 Wochen) und chronische (Dauer über 12 Wochen). 23 Studien mit 3.676 Beschäftigten wurden so erfasst, wobei etwas mehr als die Hälfte als methodisch fundiert und ohne Risiko auf Verzerrungen eingestuft wurde.

Die Interventionen und körperlichen Übungen in den Studien waren sehr unterschiedlich. Es gab solche, die explizit auf einzelne muskuläre und/oder neurologische Fähigkeiten zielten, andere, die eher unspezifische Zielsetzungen hatten (Verbesserung von Körperkraft, Ausdauer, Atmung). Einige umfassten Rückenschulen oder Techniken zum Umgang mit Schmerzen. Als Erfolgskriterien wurden drei Indikatoren berücksichtigt: Der Zeitraum zwischen Intervention und Rückkehr zur Arbeit, der Krankmeldungsstatus zu einem definierten Zeitpunkt sowie der Zeitraum bis zu einer Veränderung der Arbeitsanforderungen.

Die Bewertung der Interventionen fiel dann sehr heterogen aus:

  • Bei akuten Rückenschmerzen fand man keinen Effekt der Interventionen auf die Arbeitsunfähigkeit (gemessen in Zahl der Fälle oder Dauer)
  • Bei subakuten Beschwerden waren die Ergebnisse widersprüchlich. Eine detaillierte Analyse von Untergruppen legte dann den Schluss nahe, dass Interventionen, in denen auch Arbeitsanforderungen und Belastungen verändert wurden, möglicherweise einen positiven Effekt zeitigen.
  • Bei Beschäftigten mit chronischen Rückenschmerzen gab es aus fünf Studien Hinweise, dass auf längere Sicht gesehen (12-18 Monate) ein positiver Einfluss auf die Krankmeldungen deutlich wird. Auf sehr lange Sicht andererseits (2-3 Jahre) zeigten andere Studien dann wieder, dass keine Effekte im Vergleich zu konventioneller Therapie zu finden sind.
  • Ein zusätzlicher Einbezug von konventioneller Verhaltenstherapie brachte in keiner der Studien signifikante Vorteile.

In der zusammenfassenden Diskussion ihrer Befunde weisen die Forscher darauf hin, dass insbesondere die Heterogenität der Studien, was Art und Dauer der Intervention, einbezogene Beschäftigten-Gruppen, Art der Beschwerden, Zeitpunkt der Erfolgskontrolle usw. anbelangt es erschwert hat, eine fundierte Bilanz zu ziehen, so dass hier wieder einmal das bekannte "Ceterum censeo" vieler Cochrane-Studien hervorzuheben ist: Weitere Forschungsarbeiten sind nötig. 


Quelle: Schaafsma F, Schonstein E, Whelan KM, et al. Physical conditioning programs for improving work outcomes in workers with back pain. Cochrane Database Syst Rev. 2010 Jan 20;(1):CD001822. (Review)

Den kostenlosen Abstract finden Sie hier.

 

 


Seite erstellt am: 03.05.2010 12:56:00, zuletzt geändert am: 04.05.2010 07:56:00
Redaktion der Seite: Felix Lüken
Quelle: Dr. Bernard Braun, Dr. Gerd Marstedt


 

 



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