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Startseite : Gesund am Arbeitsplatz : Krankmeldungen von Rückenschmerzpatienten
Krankmeldungen von Rückenschmerzpatienten
Senken körperliche Trainingsprogramme die Krankmeldungen von Rückenschmerzpatienten?
Tragen körperbezogene Konditionsprogramme für Erwerbstätige mit akuten, subakuten oder chronischen Rückenschmerzen im Vergleich zur normalen, überwiegend symptomatischen medizinischen Behandlung dazu bei, dass diese Beschäftigten weniger oder kürzer krank sind? Diese Frage konnte auch durch die jetzt veröffentlichte, bis 2008 reichende Aktualisierung eines erstmals 2003 erarbeiteten Cochrane-Reviews nicht eindeutig und fundiert beantwortet werden. In den dafür zu Rate gezogenen 23 randomisierten Kontrollstudien fanden die Wissenschaftler bei Erwerbstätigen mit akuten Rückschmerzen keine Wirkung der Konditionsprogramme. Bei Personen mit subakuten Rückenschmerzen war das Wirkungsbild nicht einheitlich. Gab es aber positive Wirkungen, dann nur geringe und auch erst dann, wenn Arbeitsplatzbedingungen mitberücksichtigt wurden. Kombinationen von Körpertrainingsprogrammen mit einer kognitiven Verhaltenstherapie erhöhten deren Wirksamkeit nicht.
Angesichts der zahlreichen
Studien, die in letzter Zeit den generellen gesundheitlichen Nutzen von körperlicher
Aktivität bestätigen, sollten die Ergebnisse dieses Cochrane-Reviews Anlass für
intensivere Forschung über die Zusammenhänge von Körpertrainingsprogrammen und
Arbeitsunfähigkeit wegen Rückenschmerzen geben und zunächst einmal das
Erwartungsniveau bei derartigen Programmen abzusenken helfen.
Die Cochrane-Studie aus dem
Jahre 2003 war zu dem Schluss gekommen, dass körperliche Trainingsprogramme in
Kombination mit kognitiver Verhaltenstherapie überaus erfolgreich sind für
Arbeitnehmer/innen mit chronischen Rückenschmerzen. Die Quintessenz aus 18 seinerzeit
bilanzierten Studien war: Solche eng mit Arbeitsplatz und Betrieb verknüpften
Interventionen senken die Dauer der Arbeitsunfähigkeit, und zwar im
Durchschnitt um 45 Tage in einem Jahr im Vergleich zu Beschäftigten, die eine
konventionelle medizinische Therapie erfahren. Dieses recht eindeutige Fazit
führte seither zu einem Boom entsprechender Interventionen.
Parallel dazu gab es jedoch
auch eine Reihe von Veröffentlichungen, in denen dieser eindeutige Zusammenhang
und die bessere Wirksamkeit von körperlichen Trainingsprogrammen in Kombination
mit kognitiver Verhaltenstherapie in Frage gestellt wurden. Die
Cochrane-Forscher nahmen daher jetzt noch einmal eine Literaturbilanz vor. In
diese nahmen sie einige nach ihrer früheren Veröffentlichung erschienene
Studien neu auf und überprüften noch einmal die Gesamtbewertungen für die schon
früher berücksichtigten Studien.
Einbezogen wurden dann
randomisierte Kontrollstudien (mit Individuen oder Gruppen), die männliche und
weibliche Erwerbstätige mit körperlichen Einschränkungen aufgrund von
Rückenschmerzen umfassten, und bei denen in der Interventionsgruppe körperliche
Trainingsprogramme (mit oder ohne kognitive Verhaltenstherapie) durchgeführt
wurden. Unterschieden wurden dabei akute Rückenschmerzen (akute Symptome, Dauer
seit weniger als 6 Wochen), subakute (Dauer 6-12 Wochen) und chronische (Dauer
über 12 Wochen). 23 Studien mit 3.676 Beschäftigten wurden so erfasst, wobei
etwas mehr als die Hälfte als methodisch fundiert und ohne Risiko auf
Verzerrungen eingestuft wurde.
Die Interventionen und
körperlichen Übungen in den Studien waren sehr unterschiedlich. Es gab solche,
die explizit auf einzelne muskuläre und/oder neurologische Fähigkeiten zielten,
andere, die eher unspezifische Zielsetzungen hatten (Verbesserung von
Körperkraft, Ausdauer, Atmung). Einige umfassten Rückenschulen oder Techniken
zum Umgang mit Schmerzen. Als Erfolgskriterien wurden drei Indikatoren
berücksichtigt: Der Zeitraum zwischen Intervention und Rückkehr zur Arbeit, der
Krankmeldungsstatus zu einem definierten Zeitpunkt sowie der Zeitraum bis zu einer
Veränderung der Arbeitsanforderungen.
Die Bewertung der
Interventionen fiel dann sehr heterogen aus:
- Bei akuten Rückenschmerzen
fand man keinen Effekt der Interventionen auf die Arbeitsunfähigkeit (gemessen
in Zahl der Fälle oder Dauer)
- Bei subakuten Beschwerden
waren die Ergebnisse widersprüchlich. Eine detaillierte Analyse von Untergruppen
legte dann den Schluss nahe, dass Interventionen, in denen auch Arbeitsanforderungen
und Belastungen verändert wurden, möglicherweise einen positiven Effekt
zeitigen.
- Bei Beschäftigten mit
chronischen Rückenschmerzen gab es aus fünf Studien Hinweise, dass auf längere
Sicht gesehen (12-18 Monate) ein positiver Einfluss auf die Krankmeldungen
deutlich wird. Auf sehr lange Sicht andererseits (2-3 Jahre) zeigten andere
Studien dann wieder, dass keine Effekte im Vergleich zu konventioneller
Therapie zu finden sind.
- Ein zusätzlicher Einbezug
von konventioneller Verhaltenstherapie brachte in keiner der Studien
signifikante Vorteile.
In der zusammenfassenden Diskussion ihrer Befunde weisen die Forscher darauf hin, dass insbesondere die Heterogenität der Studien, was Art und Dauer der Intervention, einbezogene Beschäftigten-Gruppen, Art der Beschwerden, Zeitpunkt der Erfolgskontrolle usw. anbelangt es erschwert hat, eine fundierte Bilanz zu ziehen, so dass hier wieder einmal das bekannte "Ceterum censeo" vieler Cochrane-Studien hervorzuheben ist: Weitere Forschungsarbeiten sind nötig.
Quelle: Schaafsma F,
Schonstein E, Whelan KM, et al. Physical conditioning programs for improving work
outcomes in workers with back pain. Cochrane Database Syst Rev. 2010 Jan
20;(1):CD001822. (Review)
Den kostenlosen Abstract finden Sie hier.
Seite erstellt am: 03.05.2010 12:56:00, zuletzt geändert am: 04.05.2010 07:56:00
Redaktion der Seite: Felix Lüken
Quelle: Dr. Bernard Braun, Dr. Gerd Marstedt
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