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Startseite : Gesund am Arbeitsplatz : Betriebliche Gesundheitsförderung bei Risikogruppen

Betriebliche Gesundheitsförderung bei Risikogruppen



Mittwoch, 2. Juni 2010

Betriebliche Gesundheitsförderung zur Änderung des Lebensstils zeigt Erfolge bei Risikogruppen


Arbeitsteam um Notebook31 Studien zu Interventionen bei Arbeitnehmern, in denen eine Steigerung der körperlichen Aktivität oder eine Verbesserung der Ernährung angestrebt war, wurden jetzt noch einmal von einem niederländischen Forschungsteam einer Sekundäranalyse unterzogen. Überprüft wurde, ob sich durch die betrieblichen Maßnahmen der körperliche Gesundheitszustand der Beschäftigten geändert hatte. Als Indikatoren dafür wurden das gemessene Körpergewicht, Körperfett, Blutdruck, Blutfette und/oder der Blutzuckerspiegel berücksichtigt. Die Bilanz ist: Insbesondere Beschäftigtengruppen mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen konnten von den Maßnahmen profitieren. Am wenigsten effektiv waren körperliche und gymnastische Übungen, die von Vorgesetzten kontrolliert wurden.

In die Analyse einbezogen wurden nur sogenannte "randomisierte Kontrollstudien". In diesen werden parallel zu einer oder mehreren Gruppen mit Interventionen (Maßnahmen der Gesundheitsförderung) auch Kontrollgruppen ohne solche Maßnahmen beobachtet. Dabei erfolgt die Zuordnung einzelner Personen zur Interventions- oder Kontrollgruppe nach dem Zufallsprinzip. 31 solcher Studien konnte das Amsterdamer Forschungsteam ausfindig machen, von denen 18 eine hohe methodische Qualität aufwiesen. Alle Studien sollten folgende Bedingungen erfüllen:

a) Adressaten der Intervention sollten Arbeiter/innen sein.

b) Es sollte sich um verhaltensbezogene Maßnahmen der Gesundheitsförderung im Betrieb handeln, entweder mit dem Ziel einer Erhöhung der körperlichen Aktivität oder zur Änderung des Ernährungsverhaltens

c) Es mussten objektive Indikatoren zur Bewertung des Erfolgs mitgeteilt werden, und zwar Messwerte wie Körpergewicht, Body Mass Index, Körperfett, Blutdruck, Blutfette und Blutzucker.

Alle für die Sekundäranalyse berücksichtigten Studien waren im Zeitraum 1993 bis 2008 veröffentlicht worden. Die Zahl der Teilnehmer schwankte zwischen 37 und 2791 Arbeitern/innen. Die am häufigsten eingesetzten Interventionen waren die individuelle Beratung von Beschäftigten (in 21 Studien), Information und Beratung in Gruppen (15 Studien) und die Durchführung von Bewegungsübungen unter Aufsicht – meist von Vorgesetzten (11 Studien). Andere Maßnahmen waren eher selten: schriftliche Informationsmaterialien zu Ernährung und Bewegung, individuell ausgearbeitete Ernährungspläne, Besuch von Koch-Vorführungen, Informationen zum Einkauf gesunder Lebensmittel, finanzielle Anreize für Lebensstiländerungen. Eine Reihe von Interventionen umfasste zusätzlich auch noch Programme zur Nikotin-Entwöhnung. In insgesamt 12 Studien waren die Teilnehmer/innen gesundheitlich besonders gefährdete Arbeitnehmer für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, in den übrigen Studien waren es gemischte Gruppen. Die weiteren Merkmale der einbezogenen Teilnehmer/innen waren in den Studien überaus heterogen, einbezogen waren Arbeiter ebenso wie Angestellte, Beschäftigte mit hoher und niedriger Qualifikation, Männer wie Frauen. Die Dauer der Interventionen schwankte erheblich und ebenso auch der Zeitpunkt, zu dem Effekte gemessen wurden (acht Wochen bis drei Jahre).

Bei der Darstellung der Ergebnisse stellt die Autorengruppe jeweils einzeln die Befunde für die verschiedenen Indikatoren dar: Blutfette (Serumlipide wie Cholesterin und Triglyzerid), Blutzucker, Blutdruck, Körperfett, Körpergewicht und BMI. Zusammenfassend stellen sie fest, dass die Studienergebnisse teilweise noch widersprüchlich sind. Gleichwohl lässt sich bilanzieren, dass

  • für die drei Indikatoren Blutfette, Blutzucker und Blutdruck kein Effekt gefunden wurde.
  • es zugleich jedoch eine "starke Evidenz" dafür gibt, dass die beschriebenen Maßnahmen einen positiven Effekt auf die Reduzierung des Körperfetts haben, einem Indikator, der als einer der stärksten Risikofaktoren für koronare Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt.
  • es darüber hinaus eine starke Evidenz dafür gibt, dass die Maßnahmen bei gesundheitlichen Risikogruppen auch eine Reduzierung des Körpergewichts bzw. Body-Mass-Index bewirken und somit Risikogruppen besonders stark von den Interventionen profitieren.
  • im Vergleich der realisierten Interventionen deutlich wird, dass Bewegungsübungen am Arbeitsplatz unter Anleitung eines Vorgesetzten - wenn überhaupt - die bescheidensten Effekte zeigen.


Den kostenlosen Abstract zur Studie finden Sie hier.


Quelle: Groeneveld IF, Proper KI, van der Beek AJ, Hildebrandt VH, van Mechelen W (2010): „ Lifestyle-focused interventions at the workplace to reduce the risk of cardiovascular disease – a systematic review”; in: Scandinavian Journal of Work, Environment and Health; 36(3):202-215 

 

 


Seite erstellt am: 02.06.2010 14:58:00
Redaktion der Seite: Felix Lüken
Quelle: Dr. Bernard Braun, Dr. Gerd Marstedt


 

 



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