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Startseite : IN FORM : Lebensmittel-Kennzeichnung

Lebensmittel-Kennzeichnung



Dienstag, 6. Juli 2010

Kennzeichnungen von Lebensmittel-Produkten - Wer nutzt und wer versteht sie?


Mann beim EinkaufDas Europäische Parlament hat am 16.6.2010 unter massivem Druck vieler großer Hersteller von Lebensmitteln die vielfach gewünschte und auch für hilfreich und wirksam gehaltene Ampelkennzeichnung von Lebensmittelprodukten verworfen und damit im Kern die alte Kennzeichnungsform über den Nährwertgehalt verpflichtend erhalten. Mit der verpflichtenden umfangreichen Nährwertkennzeichnung (vor allem über den Energiegehalt, Fette, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz) in gut lesbarer Form auf der Vorderseite der Verpackung sollen, so die erfolgreichen Antragsteller, Verbraucher eine gut überlegte Wahl treffen können, während gleichzeitig die administrativen und finanziellen Auswirkungen für die Lebensmittelbranche so weit wie möglich eingegrenzt werden.

Damit haben sich die Europaparlamentarier nicht nur über mehrere Voten der Bevölkerungsmehrheit für eine Ampelkennzeichnung (u.a. in Deutschland) und deren erfolgreiche Praxis in Großbritannien hinweg gesetzt (siehe dazu die Beiträge im DIW-Wochenbericht 22/2010), sondern auch die nachgewiesene eingeschränkte Wirksamkeit der alten und neuen Kennzeichnung ignoriert.

Gemeint ist damit die aktuelle Studie eines dänisch-belgischen Forschungsteams, die in sechs Ländern Europas (darunter auch in Deutschland bei 1.963 Personen) überprüft hat, wer sich auf Lebensmittel-Produkten überhaupt die Kennzeichnungen anschaut (Kalorien, Fett, Zucker usw.) und wie viel davon von den Konsumenten verstanden wird. In der Studie wurde zum einen das Produktauswahlverhalten von Verbrauchern bei sechs Produktkategorien durch teilnehmende Beobachtung in Supermärkten erhoben. Dies wurde durch Interviews mit Verbrauchern ergänzt, in denen auch eine Reihe von sozioökonomischen Merkmalen sowie der Kenntnisstand über Lebensmittel und das Interesse an gesundem Essen erhoben wurden.

Die Ergebnisse sind klar und eindeutig:

  • Nur jeder siebte Käufer schaut sich überhaupt die Kennzeichnung an.
  • Das Verständnis für die Information über die Menge an Stoffen, die man mit dem Verzehr des Lebensmittel für seinen Tagesbedarf an Fetten, Kohlehydraten oder Eiweiß aufnimmt (so genannte "guideline daily amount" - GDA) ist in den Ländern unterschiedlich hoch, in Großbritannien, in Schweden und Deutschland höher als in Polen, Ungarn, Frankreich.
  • In multivariaten Analysen, die den Effekt unterschiedlicher Einflussfaktoren gleichzeitig berücksichtigen, zeigte sich: Großen Einfluss auf das Verständnis und die Nutzung der GDA-Informationen besaßen zusätzlich zu länderspezifischen Einflüssen der sozio-ökonomische Status, aber auch das Interesse an gesunder Ernährung und das Wissen über Nahrungsmittel und Effekte des Ernährungsverhaltens.

Die Ergebnisse der Studie weisen aber darauf hin, dass unabhängig von der Weiternutzung und Weiterentwicklung der Kennzeichnung von Lebensmitteln in den öffentlichen Debatten auch die unterschiedliche Bedeutung des Ernährungsverhaltens in verschiedenen Subkulturen und sozialen Schichten berücksichtigt werden muss.

Ungeklärt lässt diese Studie allerdings, ob sich die gelesene Information auf die Auswahl der Lebensmittel auswirkte und insbesondere den Anteil für gesund erachteter Lebensmittel erhöhte.  Unbekannt bleibt weiterhin, ob die Kennzeichnungsinformationen Einfluss auf die Planung der Ernährung und die Einkaufsplanung haben.


Die Ergebnisse der Studie "Use and understanding of nutrition information on food labels in six European countries" von Klaus G. Grunert et al finden sich im "Journal of Public Health (2010; 18:261-277). Sie erhalten sie kostenlos hier.

Einen kompakten Überblick zu weiteren, allerdings zum Teil widersprüchlichen Studien über die Akzeptanz und Nutzung der alten und neuen Nährwerttabellen-Kennzeichnung und die Alternative der Ampelkennzeichnung, liefern zwei Beiträge im Wochenbericht 22/2010 des "Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)" vom 2. Juni 2010: "Nährwertkennzeichnung: Die Ampel erreicht die Verbraucher am besten" von Kornelia Hagen und "Hintergrund: Nährwertkennzeichnung heute Was Verbraucher wollen - und was sie verstehen".

 

 


Seite erstellt am: 06.07.2010 13:46:00
Redaktion der Seite: Felix Lüken
Quelle: Dr. Bernard Braun, Dr. Gerd Marstedt


 

 



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