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Startseite : Gesund altern : Rezension Zukunft Altern

Rezension Zukunft Altern



Montag, 26. Juli 2010

Zukunft Altern


älteres PärchenEinen interdisziplinären Ansatz verfolgen die Autoren eines neuen Buches zur demografischen Entwicklung: Biologie, Psychologie und Soziologie haben zwar ihre jeweils eigenen Erklärungs- und Deutungsmuster für Alterungsprozesse – aber an ihren Schnittstellen ermöglichen sie neue Erkenntnisse. Aus diesen Erkenntnissen leiten der Gerontologe Andreas Kruse und der Psychologe Hans-Werner Wahl Handlungsempfehlungen für Prävention und Gesundheitsförderung ab.

Das Buch "Zukunft Altern" befasst sich mit den gesellschaftlichen Diskursen über Alterungsprozesse der Bevölkerung in der heutigen Gesellschaft. Dabei wollen die Autoren Einfluss nehmen auf die gesellschaftliche Sichtweise des Alterns und die Diskussion in der Öffentlichkeit und in den Medien zur differenzierteren Betrachtung des Alterns anregen. So sollen beispielsweise die vorherrschenden "Bedrohungsszenarien und Belastungsdiskurse" relativiert und die Stärken des Alters in den Vordergrund gestellt werden.

Im ersten Teil des Buches, dieser trägt den Titel "Altern als Herausforderung", werden die möglichen Sichtweisen und Definitionen von Alter hinterfragt und die wichtigsten Einsichten zur demografischen Situation diskutiert. Im zweiten Teil stehen die wesentlichen Ergebnisse der Alternsforschung im Fokus. Dies geschieht anhand einer "Konstruktlandkarte", indem einzelne "Konstruktlandschaften" wie Biologie, Psychologie, Soziologie, übergreifende Konstrukte und Altersinterventionen ausführlich behandelt werden. Daran schließt sich der Teil "Zehn Weichen für den Weg in eine gute Alternszukunft" an. Hier werden zehn "Weggabelungen" für die vor uns liegende Zeit markiert. Dabei werden Themen behandelt wie

  • kreativitätsfördernde Rahmenbedingungen,
  • Miteinander der Generationen,
  • Konsumentenverhalten und Wirtschaftskraft im Alter,
  • Prävention, Gesundheit, Krankheit und Pflege und
  • die Neupositionierung der Alternsforschung selbst.

Im letzten Teil "Neue Anforderungen" werden schließlich die Neuartigkeiten der Herausforderungen, die auf die Generationen zukommen, skizziert.

Besonders hervorzuheben bei diesem gut zu lesenden Buch ist die bereits erwähnte "Konstruktlandkarte". Diese Landkarte erweist sich als ein interessanter Wegweiser durch die verschiedensten Aspekte der Alternsforschung. So können identische Inhaltsbereiche wie beispielsweise die nachlassende körperliche Aktivität im Alter immer unter Berücksichtigung neuer Aspekte - quasi in neuer Beobachtungsperspektive - betrachtet und bewertet werden; die Themen erscheinen in immer anderem Licht.

Auf diese Weise werden die Probleme und Chancen des Alters in psychologischer und gleichzeitig soziologischer Betrachtung umfassend beleuchtet, wobei die Unterschiede in der Betrachtung mitdiskutiert werden: "Während die Alternssoziologie vor allem die Auswirkungen kultureller und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen auf den Verlauf individueller Alternsprozesse betont, stellt die Alternspsychologie die individuelle Wahrnehmung, Deutung und Verarbeitung solcher Rahmenbedingungen in den Vordergrund. Indem beide Perspektiven stärker aufeinander bezogen werden, sollte unser Verständnis der Heterogenität des Alterns [...] deutlich zunehmen, was letztlich der Gestaltung zukunftsfähiger sozialer Strukturen ebenso zugute kommt, wie die Entwicklung von Interventionen, durch die individuelle Entwicklungsprozesse nachhaltig gefördert werden können" (S. 243).

Die Konstruktlandkarte erlaubt damit eine Zusammenführung der Perspektiven: Die Biologie mit ihrem Konzept der "Biomorphose" kommt ebenso zu Wort wie die "Leitwissenschaften" der Alternsforschung, Psychologie und Soziologie. Aus der damit möglich gewordenen Gesamtschau ergeben sich dann auch eine Vielzahl von "Alternsinterventionen" mit dem Ziel, ein aktives Altern zu ermöglichen: Vorgestellt und diskutiert werden beispielsweise Interventionen zur Stärkung

  • der kognitiven Gesundheit,
  • der körperlichen Gesundheit,
  • der "Alternsmeisterung",
  • der Bildung im Alter,
  • der Lebensqualität bei körperlichen und geistigen Erkrankungen.

Abgeschlossen wird das Buch durch die Formulierung von neuen Anforderungen an alle gesellschaftlichen Akteure, denn die Zunahme des Altenquotienten wird die Gesellschaft insgesamt verändern und alle gesellschaftlichen Gruppierungen vor neue Herausforderungen stellen.  


Andreas Kruse/ Hans-Werner Wahl (2010): "Zukunft Altern - Individuelle und gesellschaftliche Weichenstellungen"; Heidelberg, Spektrum Akademischer Verlag; 568 Seiten; Preis: 29,95 €.

 

 


Seite erstellt am: 15.07.2010 08:36:00, zuletzt geändert am: 26.07.2010 10:30:00
Redaktion der Seite: Felix Lüken
Quelle: eigene Darstellung


 

 



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