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Startseite : Gesund altern : Rezension Zukunft Altern
Rezension Zukunft Altern
Zukunft Altern
Einen interdisziplinären Ansatz verfolgen die Autoren eines neuen Buches zur demografischen Entwicklung: Biologie, Psychologie und Soziologie haben zwar ihre jeweils eigenen Erklärungs- und Deutungsmuster für Alterungsprozesse – aber an ihren Schnittstellen ermöglichen sie neue Erkenntnisse. Aus diesen Erkenntnissen leiten der Gerontologe Andreas Kruse und der Psychologe Hans-Werner Wahl Handlungsempfehlungen für Prävention und Gesundheitsförderung ab.
Das Buch "Zukunft Altern" befasst sich mit den
gesellschaftlichen Diskursen über Alterungsprozesse der Bevölkerung in der
heutigen Gesellschaft. Dabei wollen die Autoren Einfluss nehmen auf die
gesellschaftliche Sichtweise des Alterns und die Diskussion in der
Öffentlichkeit und in den Medien zur differenzierteren Betrachtung des Alterns anregen. So
sollen beispielsweise die vorherrschenden "Bedrohungsszenarien und Belastungsdiskurse"
relativiert und die Stärken des Alters in den Vordergrund gestellt werden.
Im ersten Teil des Buches, dieser trägt den Titel "Altern
als Herausforderung", werden die möglichen Sichtweisen und Definitionen von
Alter hinterfragt und die wichtigsten Einsichten zur demografischen Situation
diskutiert. Im zweiten Teil stehen die wesentlichen Ergebnisse der Alternsforschung
im Fokus. Dies geschieht anhand einer "Konstruktlandkarte", indem einzelne
"Konstruktlandschaften" wie Biologie, Psychologie, Soziologie, übergreifende
Konstrukte und Altersinterventionen ausführlich behandelt werden. Daran
schließt sich der Teil "Zehn Weichen für den Weg in eine gute Alternszukunft"
an. Hier werden zehn "Weggabelungen" für die vor uns liegende Zeit markiert. Dabei werden Themen behandelt wie
-
kreativitätsfördernde
Rahmenbedingungen,
- Miteinander
der Generationen,
- Konsumentenverhalten
und Wirtschaftskraft im Alter,
- Prävention,
Gesundheit, Krankheit und Pflege und
- die Neupositionierung der Alternsforschung selbst.
Im letzten Teil "Neue Anforderungen" werden schließlich die
Neuartigkeiten der Herausforderungen, die auf die Generationen zukommen,
skizziert.
Besonders hervorzuheben bei diesem
gut zu lesenden Buch ist die bereits erwähnte "Konstruktlandkarte". Diese
Landkarte erweist sich als ein interessanter Wegweiser durch die
verschiedensten Aspekte der Alternsforschung. So können identische Inhaltsbereiche
wie beispielsweise die nachlassende körperliche Aktivität im Alter immer unter
Berücksichtigung neuer Aspekte - quasi in neuer Beobachtungsperspektive -
betrachtet und bewertet werden; die Themen erscheinen in immer anderem Licht.
Auf diese Weise werden die Probleme und Chancen des Alters in psychologischer und
gleichzeitig soziologischer Betrachtung umfassend beleuchtet, wobei die Unterschiede in der Betrachtung mitdiskutiert werden: "Während die Alternssoziologie
vor allem die Auswirkungen kultureller und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen
auf den Verlauf individueller Alternsprozesse betont, stellt die
Alternspsychologie die individuelle Wahrnehmung, Deutung und Verarbeitung
solcher Rahmenbedingungen in den Vordergrund. Indem beide Perspektiven stärker
aufeinander bezogen werden, sollte unser Verständnis der Heterogenität des
Alterns [...] deutlich zunehmen, was letztlich der Gestaltung zukunftsfähiger
sozialer Strukturen ebenso zugute kommt, wie die Entwicklung von
Interventionen, durch die individuelle Entwicklungsprozesse nachhaltig
gefördert werden können" (S. 243).
Die Konstruktlandkarte erlaubt damit eine Zusammenführung
der Perspektiven: Die Biologie mit ihrem Konzept der "Biomorphose" kommt ebenso
zu Wort wie die "Leitwissenschaften" der Alternsforschung, Psychologie und
Soziologie. Aus der damit möglich gewordenen Gesamtschau ergeben sich dann auch
eine Vielzahl von "Alternsinterventionen" mit dem Ziel, ein aktives Altern zu
ermöglichen: Vorgestellt und diskutiert werden beispielsweise Interventionen
zur
Stärkung
- der kognitiven Gesundheit,
- der
körperlichen Gesundheit,
- der
"Alternsmeisterung",
- der
Bildung im Alter,
- der
Lebensqualität bei körperlichen und geistigen Erkrankungen.
Abgeschlossen wird das
Buch durch die Formulierung von neuen Anforderungen an alle gesellschaftlichen
Akteure, denn die Zunahme des Altenquotienten wird die Gesellschaft insgesamt
verändern und alle gesellschaftlichen Gruppierungen vor neue Herausforderungen
stellen.
Andreas Kruse/ Hans-Werner Wahl (2010): "Zukunft Altern - Individuelle und gesellschaftliche Weichenstellungen"; Heidelberg, Spektrum Akademischer Verlag; 568 Seiten; Preis: 29,95 €.
Seite erstellt am: 15.07.2010 08:36:00, zuletzt geändert am: 26.07.2010 10:30:00
Redaktion der Seite: Felix Lüken
Quelle: eigene Darstellung
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