Mittwoch, 29. September 2010
Wirkung von körperlichem Training auf Knochendichte?
Wie wirksam ist Sport zur Prävention von Osteoporose und anderen Erkrankungen, die mit der Knochendichte zusammenhängen? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine finnisch-australische Forschungsgruppe. Die Forscherinnen und Forscher erstellten dazu ein systematisches Review und eine Metaanalyse über zehn randomisiert-kontrollierte Studien (RCT). Diese Studien bewerteten vor allem die Effekte körperlichen Trainings mit Belastungselementen auf die Gesamtstärkung der Knochenstärke.
Bisherige Empfehlungen zur Reduktion von Osteoporose, Stürzen
und Knochenbrüchen beruhen oft auf der Verallgemeinerung von wissenschaftlichen
Ergebnissen. Ob diese Verallgemeinerungen gerechtfertigt sind, sollte durch die
Metaanalyse untersucht werden.
Bisher blieb stets offen, wie sich körperliches Training auf
die Robustheit der Knochen bei verschiedenen Bevölkerungs- oder Altersgruppen auswirkt.
Obwohl viele Informationsanbieter oder Berater für ein lebenslanges Bewegungs-
und Belastungsprogramm plädieren, war bisher keineswegs eindeutig geklärt, wie
sich Trainings über einen längeren Zeitraum von sechs Monaten oder sogar ganzen
Lebensabschnitten auf die Knochendichte der Probandinnen und Probanden
auswirken.
Die nun durchgeführte Studie kam zu einem überraschenden
Ergebnis: Nur für die Gruppe der jüngeren pubertierenden Jungen konnte ein
kleiner und signifikanter Effekt eines längeren körperlichen Trainings auf die
Festigkeit der Knochen im Bereich der unteren Extremitäten festgestellt werden.
Bei den Angehörigen aller anderen Gruppen, von den gleichaltrigen Mädchen bis
zu den Frauen vor und nach der Menopause, war kein signifikanter Effekt des
Trainings zu entdecken. Wurden in den untersuchten Studien dennoch Verbesserungen
festgestellt, könnten diese zufällig und unabhängig von der Intervention
entstanden sein, so die Forschungsgruppe. In den meisten Altersgruppen und für
viele Interventionen ist also der als "wissenschaftlich gesichert" vorgetragene
Schluss unzulässig, es handle sich um generell wirksame Präventionsmaßnahmen
gegen das Auftreten der genannten Risikofaktoren und Erkrankungen.
Worin die Ursachen für die Verbesserungen in einem Teil der
untersuchten RTCs zurückzuführen sind, soll in weiteren Studien mit möglichst
größeren Gruppen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern untersucht werden. Dadurch
soll vermieden werden, dass Effekte lediglich auf Grund von sehr kleinen
Interventionsgruppen oder zu kurzen Interventionszeiten zustande kommen.
Die jetzt vorliegenden Ergebnisse begründen auf jeden Fall
Zweifel an der Wirksamkeit einfacher und unaufwändiger präventiver
Standardmethoden. Wahrscheinlicher ist, dass die Prävention von Osteoporose und
Stürzen einen deutlichen körperlichen Aufwand voraussetzt. Die Reviewergruppe
zitiert hierzu z.B. epidemiologische Untersuchungen, die zeigen, dass sich
Wirkungen auf die Inzidenz von Knochenbrüchen bei erwachsenen Männern und
Frauen erst ab einer körperlichen Aktivität zeigen, die über lange Zeit drei-
bis viermal pro Woche stattfindet.
Die Studie können Sie hier kostenlos herunterladen.
Quelle:
Riku Nikander, Harri Sievänen, Ari
Heinonen, Robin M Daly, Kirsti Uusi-Rasi, Pekka Kannus (2010): "Targeted
exercise against osteoporosis: A systematic review and meta-analysis for
optimising bone strength throughout life"; in: BMC Medicine (2010, 8:47).
Seite erstellt am: 29.09.2010 14:01:00
Autor der Seite: Felix Lüken
Quelle: Dr. Bernard Braun, Dr. Gerd Marstedt