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Lärm ist mehr als nur lästig - Studien weisen auf Gesundheitsrisiken hin
Lärm ist mehr als nur lästig - Studien weisen auf Gesundheitsrisiken hin
In der dänischen Studie wurden in den Jahren 1993-1997 und 2006 rund 57.000 Personen beobachtet. Von diesen erlitten in der Beobachtungszeit 1.881 erstmalig einen Schlaganfall. Für sämtliche StudienteilnehmerInnen wurden zunächst anhand ihrer Wohnortangaben die Exposition gegenüber Straßenlärm und auch die damit verbundene Luftverschmutzung für die gesamte Beobachtungsdauer geschätzt.
Nach dem rechnerischen Ausschluss einiger soziodemografischer Faktoren und Umwelteinflüsse zeigte sich insgesamt ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der Rate der Schlaganfall-Neuerkrankungen und dem Niveau des Straßenlärms: Jeder Anstieg des Lärms um 10 dB erhöhte das Erkrankungsrisiko um 14 Prozent (incidence rate ratio [IRR] 1.14).
Der Zusammenhang zwischen Lärm und Erst-Schlaganfall war bei den über 64,5 Jahren alten Personen deutlich höher (IRR=1.27) und statistisch signifikant. Bei allen Jüngeren gab es dagegen keine bzw. keine signifikante Assoziation (IRR=1.02).
Die dänische Studie ergänzt die Ergebnisse deutscher Studien, in denen seit 2006 über die gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Fluglärm in der Nähe großer deutscher Flughäfen berichtet worden ist.In einer bereits 2006 und 2007 publizierten und für Deutschland bisher einmaligen Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes untersuchten Epidemiologen und ArzneimittelforscherInnen von der Universität Bremen die Verschreibung bestimmter Arzneimittel von über 800.000 Versicherten von sieben gesetzlichen Krankenkassen mit Hauptwohnsitz in der Stadt Köln, im Rhein-Sieg-Kreis und im Rheinisch-Bergischen Kreis. Ziel der Studie war es, mit Hilfe dieser Daten den Einfluss von Fluglärm auf die Verschreibung von Medikamenten gegen Bluthochdruck, von Arzneimitteln zur Behandlung von Herz- und Kreislauferkrankungen, von Tranquilizern sowie Beruhigungs- und Schlafmitteln zu untersuchen.
Das Ergebnis: Je höher die Lärmbelastung vom Fluglärm oder von anderen Verkehrsträgern war, umso mehr Medikamente wurden den Patienten verordnet - vor allem Schlafmittel, Antidepressiva, Mittel gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Mittel gegen Bluthochdruck. Wegen der bekannten negativen Wirkungen von Lärm auf das Immunsystem könnte auch die in anderem Zusammenhang beobachtete erhöhte Häufigkeit von Krebserkrankungen in der Bevölkerung von Flughafenregionen durch Fluglärm (mit)-bedingt sein.
Eine für die Prävention wichtige Beobachtung der Studie war ferner, dass sich die wahrscheinlich schädlichen Effekte des Fluglärms bereits bei einer weit niedrigeren Lärmintensität bemerkbar machten als von Gesundheitsschützern erwartet worden war oder in Lärmschutzvorschriften angenommen wird.
Diese indirekt über den "Umweg" der Arzneimittelverordnungen gewonnenen Erkenntnisse zu den gesundheitlichen Risiken von Fluglärm bestätigte dann eine 2010 veröffentlichte und ebenfalls vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebene Folgestudie, die sich speziell mit nächtlichem Fluglärm und der Häufigkeit damit zusammenhängender Erkrankungen befasste.
Der Vergleich von Personen mit Nachtlärmexposition mit Menschen, die keinem Fluglärm ausgesetzt waren, zeigte einen Anstieg des Risikos für Herz-Kreislauferkrankungen in Abhängigkeit von der Intensität der Lärmbelästigung. Bei den Frauen, die in Hörweite des untersuchten Flughafens Köln/Bonn lebten, war außerdem das Depressionsrisiko signifikant erhöht.
Für alle der zu den gesundheitlichen Risiken von Lärm hier vorgestellten Beobachtungs- und Korrelationsstudien gilt der einschränkende Hinweis des Epidemiologen Greiser, dass mit derartigen methodischen Studiendesigns kein eindeutiger Nachweis über kausale Beziehungen zwischen Lärm-Intensität und bestimmten Erkrankungen erbracht werden kann. Genauso falsch und sachlich unzulässig sei aber der Schluss, Lärm sei überwiegend gesundheitlich unbedenklich und es lohne sich auch nicht weiter, über Details der Zusammenhänge zu forschen.
Die Studie von Eberhard Greiser, Katrin Janhsen und Claudia Greiser: "Beeinträchtigung durch Fluglärm: Arzneimittelverbrauch als Indikator für gesundheitliche Beeinträchtigungen", ein Forschungsprojekt im Auftrag des Umweltbundesamtes FuE-Vorhaben Förderkennzeichen 205 51 100, ist im November 2006 erschienen und hier kostenlos erhältlich.
Ebenfalls kostenlos erhältlich ist die 32-seitige, 2010 veröffentlichte Studie "Risikofaktor nächtlicher Fluglärm - Abschlussbericht über eine Fall-Kontroll-Studie zu kardiovaskulären und psychischen Erkrankungen im Umfeld des Flughafens Köln-Bonn" von Eberhard Greiser und Claudia Greiser (Link). Für die intensivere Beschäftigung dient der 606 Seiten umfassende, ebenfalls kostenfrei erhältliche Anlagenband zu der Studie (Link).
Von der in der Fachzeitschrift "European Heart Journal" am 25.01.2011 online veröffentlichten dänischen Studie "Road traffic noise and stroke: a prospective cohort study" von Mette Sørensen et al. ist kostenlos lediglich das Abstract zugänglich (Link).
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Seite zuletzt geändert am: 10.03.2011 13:35:00, ursprünglich angelegt am: 09.03.2011 09:42:00
Autor der Seite: Dr. Beate Robertz-Grossmann
Quelle: Dr. Bernard Braun, Dr. Gerd Marstedt
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Langjährige Exposition gegenüber Straßenverkehrslärm ist nicht „nur“ lästig oder schlafstörend, sondern wahrscheinlich auch ein Risikofaktor für schwere Erkrankungen wie Schlaganfälle oder verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dieser Zusammenhang ist das wesentliche Ergebnis einer Untersuchung in Dänemark, die mit Registerdaten aus der stationären Versorgung durchgeführt wurde. Die dänische Studie ergänzt die Ergebnisse deutscher Studien, in denen seit 2006 über die gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Fluglärm in der Nähe großer deutscher Flughäfen berichtet worden ist.