25 Jahre Ottawa-Charta - Was uns die Entstehungsgeschichte heute noch zu sagen hat


Mittwoch, 27. April 2011

25 Jahre Ottawa-Charta - Was uns die Entstehungsgeschichte heute noch zu sagen hat


Logo der WHO1986 auf der ersten internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung im kanadischen Ottawa verabschiedet, ist die nach ihrem „Geburtsort“ benannte „Ottawa-Charta“ bis heute Leitbild der Gesundheitsförderung. In welchem gesellschaftlichen Kontext ist das Konzept der Gesundheitsförderung entstanden? Wie hat diese Entstehungsgeschichte die Gesundheitsförderung von heute geprägt? Welche Erkenntnisse und Konsequenzen lassen sich daraus ziehen? Diese Fragen stellt und beantwortet das jetzt veröffentlichte Buch „Gesundheitsförderung. Entwicklungsgeschichte einer neuen Public Health-Perspektive“.

Die Ottawa-Charta und mit ihr das Konzept der Gesundheitsförderung haben sich in einer spezifischen historischen Situation und in einem längeren Prozess herausgebildet. Ziel des Buches ist es, das Konzept der Gesundheitsförderung aus seiner geschichtlichen Entwicklung heraus besser verstehbar zu machen. Neben die zeitgeschichtliche Betrachtung der Gesundheitsförderung auf der Basis von Literatur und Quellenmaterial hat die Autorin Brigitte Ruckstuhl auch Interviews mit Fachpersonen, die direkt oder indirekt an der Entwicklung des Konzepts beteiligt waren, gestellt. Zu den Interviewten zählen Rosmarie Erben, Alf Trojan, Bernhard Badura, Rolf Rosen-brock, Eberhard Göpel, Peter Franzkowiak, Helmut Milz, Werner Schmidt, François van der Linde, Bertino Somaini, Horst Noack, Ralph Grossmann, Jürgen Pelikan und llona Kickbusch.

Ruckstuhl beginnt die historische Betrachtung mit der Sozialhygiene. Diese konnte sich im 19. Jahrhundert mit der Fokussierung auf die sozialen Faktoren in der Entstehung von Krankheit akademisieren, fand dann aber durch den Nationalsozialismus ein abruptes Ende. Daran schließ sich die Untersuchung der dominanten Stellung der Medizin und des biomedizinischen Denkens während des Wirtschaftswachstums sowie die Betrachtung der Ende der 1960er-Jahre entstehenden medizinkritischen Bewegung an. Im Zentrum steht jedoch der gesellschaftliche Wandel der 1970er-Jahre, der durch seine vielschichtige Dynamik die Grundlagen für die Gesundheitsförderung schuf. Zu Beginn der 1980er-Jahre begann dann unter Federführung der WHO Europa ein systematischer Prozess, der die verschiedenen Strömungen in der Ottawa-Charta bündelte.

Die Analyse und Deutung der historischen Entwicklung führt die Autorin zu dem Fazit, dass Gesundheitsförderung im Modernisierungsprozess unterschiedliche Funktionen übernommen hat. Die daraus resultierenden vielfältigen Bedeutungszuschreibungen sind geblieben und schaffen Unklarheit. Ruckstuhl zufolge muss deshalb jetzt geklärt werden, welche Funktionen und Aufgaben Gesundheitsförderung heute explizit will und wie sich Gesundheitsförderung gesundheitspolitisch bzw. im Kontext von Public Health positioniert.


Hier die bibliografischen Angaben:
Ruckstuhl, Brigitte (2011): Gesundheitsförderung. Entwicklungsgeschichte einer neuen Public Health-Perspektive, Juventa, ISBN-13: 9783779915706, Umfang: 239 Seiten, Preis: 27,00 €





Seite erstellt am: 27.04.2011 11:10:00
Autor der Seite: Dr. Beate Robertz-Grossmann
Quelle: www.juventa.de