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Startseite : Bewegung und Ernährung : Beiträge - 2011 : Massenmediale Kampagnen für mehr körperliche Aktivität


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Massenmediale Kampagnen für mehr körperliche Aktivität: Selten solide evaluiert, mehrheitlich ohne verhaltensändernde Wirkung


Montag, 19. Dezember 2011

Massenmediale Kampagnen für mehr körperliche Aktivität: Selten solide evaluiert, mehrheitlich ohne verhaltensändernde Wirkung


Massenmediale Kampagnen, die sowohl über alltagstaugliche gesundheitsförderliche körperliche Aktivitäten informieren als auch Anreize enthalten, mit diesen Aktivitäten tatsächlich zu beginnen, nehmen international seit mehreren Jahren zu. Wie bei vielen anderen gesundheitsbezogenen Aktivitäten, so spielte aber auch hier lange Zeit der empirische Nachweis der erwarteten Wirksamkeit entweder keine oder eine lediglich nachgeordnete Rolle oder wurde stillschweigend unterstellt. Eine Untersuchung von 18 solcher auf das Verhalten von Erwachsenen gerichteten Kampagnen, die im englischsprachigen Raum zwischen 2003 und 2010 stattfanden, beendet jetzt diesen Zustand.

Die zwei wichtigsten Erkenntnisse lauten:

  • Die inhaltliche Vorbereitung und Begründung sowie das Design dieser Kampagnen und ihrer Evaluation sind äußerst heterogen. So lag lediglich neun der untersuchten 18 Kampagnen ein theoretisches Konzept über den Inhalt und die Form der Intervention zugrunde, dessen Praxisrelevanz dann untersucht werden konnte. Die Designs schwankten zwischen experimentell und mehrheitlich nichtexperimentell. In drei der 18 evaluierten Kampagnen war grundsätzlich die Möglichkeit ausgeschlossen, die Nutzung der Medienkampagne und die dabei vermittelte Dosis von Informationen und Anreizen quantitativ zu messen. Wenn Messungen stattfanden, reichte die Spannbreite von Einmal- bis Mehrfachmessungen und von Messungen nach kurzer oder jahrelanger Kampagnendauer.

  • Bei der Wirksamkeit der untersuchten Massenmedienkampagnen unterschieden die AutorInnen Interessensbekundungen und Absichtserklärungen, künftig körperlich aktiv werden zu wollen von tatsächlichen Veränderungen des körperlich aktiven Verhaltens. Bei der Messung der Rückantworten auf entsprechende Informationsangebote schwankten die Werte erheblich. In sieben der 18 evaluierten Kampagnen, die überhaupt nach Absichtserklärungen suchten, fanden die ForscherInnen nur bei einer Kampagne einen statistisch signifikanten Anstieg der Absicht, körperlich aktiv zu werden. Bei den anderen Kampagnen war meist der Anteil der teilnehmenden Personen so klein, dass keine signifikanten Aussagen zu gewinnen waren. In der Evaluation von 15 der 18 Kampagnen wurde nach praktischen Veränderungen des körperlichen oder Bewegungsverhaltens gefragt, und es wurden auch entsprechende Anzeichen gefunden. Diese unterschieden sich aber nur in sieben der 15 Kampagnen statistisch signifikant von Verhaltensänderungen in der jeweiligen Vergleichsgruppe. Vier dieser sieben Kampagnen hatten ein quasi-experimentelles Design, dauerten als Kohortenstudie mehr als fünf Monate und könnten insofern relativ verlässliche und dauerhaftere Hinweise auf Verhaltensänderungen liefern. Ein Grund, warum insgesamt relativ wenige Daten zur Wirksamkeit der Kampagnen vorliegen, könnte darin liegen, dass viele der nicht-experimentellen Studien nur ein einziges Mal versuchten, ihre Wirksamkeit zu messen.

Um künftige Kampagnen oder Interventionen dieser Art besser bewerten und vergleichen zu können, schlagen die AutorInnen ein Evaluationsdesign vor, das folgende Elemente enthalten sollte:

  • Überblick zu den theoretischen Grundlagen der gewählten Informationsmodelle,
  • Kampagneninhalte und Evaluationsdesigns,
  • ein Kohortenstudien-Design mit mehreren Datensammlungspunkten,
  • eine ausreichend lange Dauer,
  • valide Messverfahren und
  • ausreichende finanzielle und andere Ressourcen für die Evaluation.


Von dem 2011 veröffentlichten Aufsatz von Justine E. Leavy et al. "Physical activity mass media campaigns and their evaluation: a systematic review of the literature 2003–2010”, erschienen in der Zeitschrift "Health Education Research” (26 [6]: 1060-1085), gibt es hier das kostenlose Abstract.



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Seite erstellt am: 19.12.2011 10:05:00
Autor/-in der Seite: Dr. Bernard Braun






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