Neue Kampagne 'Armut macht krank'


Dienstag, 21. Februar 2012

Armut in Deutschland - Caritas startet Kampagne, Bertelsmann-Stiftung legt neue Studie vor


Menschen im FokusKrankheitsrisiko und Lebenserwartung sind von Arbeitslosigkeit, Einkommenshöhe und Bildungsstand abhängig. Dies machte Caritas-Präsident Peter Neher kürzlich bei der Vorstellung der neuen Kampagne „Armut macht krank“ deutlich. Es gebe gravierende Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen: Die Lebenserwartung einer Frau aus der Armutsrisikogruppe liege rund acht Jahre unter der von Frauen aus einer hohen Einkommensgruppe. Und auch bei der Kinderarmut kann keine Entwarnung gegeben werden: sie entwickelt sich in Deutschland zwar insgesamt rückläufig, doch innerhalb der Bundesländer, Landkreise und Städte klaffen die Armutsquoten weit auseinander. Dies wiederum geht aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung hervor, die erstmals die Armutsquoten für die Altersgruppe der unter Dreijährigen für alle 412 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland veröffentlicht hat.

Schon auf Länderebene weicht das Ausmaß der Kinderarmut erheblich voneinander ab. So war in Sachsen-Anhalt die Armutsquote im Jahr 2010 mit 33,2 Prozent bei den unter Dreijährigen mehr als drei Mal höher als in Bayern. Dort leben lediglich 10,1 Prozent der jüngsten Kinder in Familien, die auf staatliche Grundsicherung angewiesen sind. Das Ost-West-Gefälle ist nach wie vor stark, hat sich allerdings verringert. Während in den ostdeutschen Bundesländern (ohne Berlin) die Armutsquote bei den unter Dreijährigen um 5,3 Prozentpunkte auf 28,1 Prozent sank, ging im Westen die Quote im selben Zeitraum lediglich um 0,8 Prozentpunkte auf 17,2 Prozent zurück.

Erstmals weist die Bertelsmann Stiftung exemplarisch nach, dass das Armutsgefälle innerhalb ein und derselben Stadt sogar noch erheblich höher sein kann als zwischen den Regionen. Dies zeigt sich an den Städten Heilbronn (Baden-Württemberg) und Jena (Thüringen), die den von der Bertelsmann Stiftung neu entwickelten Sozialraumatlas KECK zur Betrachtung einzelner Stadtviertel nutzen. Das Ergebnis offenbart eklatante Unterschiede in den Lebensbedingungen der heranwachsenden Generation: In manchen Stadtteilen liegt die Armutsquote von Kindern unter drei Jahren nur bei etwas über einem Prozent, in anderen bei über 50 Prozent. Die Auswertung des Sozialraumatlas soll in beiden Städten in ein Konzept münden, wie durch gezielte Angebote benachteiligte Stadtviertel gefördert werden können. Dabei wird Armut als einer von mehreren Faktoren betrachtet, die die Entwicklungschancen von Kindern stark beeinflussen.

Die Bertelsmann Stiftung liefert in ihrem KECK-Atlas alle relevanten Daten zur Lebenswelt von Kindern, gebündelt und grafisch aufbereitet. Im Internet ist abrufbar, welche Entwicklungschancen Kinder in den kreisfreien Städten und Kreisen haben. Der KECK-Atlas auf Sozialraumebene bietet allen Kommunen ab sofort die Möglichkeit, kostenlos ihre eigene kleinräumige Sozialberichterstattung aufzubauen.



Weitere Informationen finden Sie unter www.keck-atlas.de.
Näheres zur Caritas-Kampagneist auf dem Webportal www.jeder-verdient-gesundheit.de zu finden.






Seite zuletzt geändert am: 21.02.2012 08:41:00, ursprünglich angelegt am: 13.02.2012 13:41:00
Autor der Seite: Dr. Beate Grossmann
Quelle: www.caritas.de, www.bertelsmann-stiftung.de