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Bewegung tut der Seele gut


Donnerstag, 19. April 2012

Bewegung tut der Seele gut


Viele treiben Sport, weil sie besonders das gute Gefühl nach der Bewegung schätzen. Wissenschaftler kommen diesem positiven Gefühl näher: Eine Studie von Marieke Wichers et al. von der "School for Mental Health and Neuroscience", Universität Maastricht, zeigt, dass Bewegung positive Affekte fördert. Das Wohlbefinden hält etwa drei Stunden lang an.

An der niederländischen Studie über den Zusammenhang zwischen Bewegung und positiven Affekten nahmen 504 weibliche Zwillinge teil. Zu Beginn der Studie eruierten die Autoren Neurotizismus, depressive Symptome sowie psychische Störungen gemäß DSM-IV (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen).

Die Autoren untersuchten die Auswirkung einer momentanen Steigerung der körperlichen Bewegung. Sie konnten einen signifikanten Anstieg positiver Affekte feststellen, der etwa 180 Minuten nach der Aktivität anhielt. Dieser Effekt konnte bei beiden Studiengruppen zu vier Studienzeitpunkten festgestellt und repliziert werden. Bei Studienteilnehmern, die mindestens einmal in ihrem Leben an einer Depression gelitten hatten, nahm der positive Affekt jedoch schneller wieder ab. Auf negative Affekte hatte die Bewegung keinen Einfluss.

Die Studienergebnisse ließen einen kausalen Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und der Entstehung positiver Affekte vermuten, so die Autoren. Allerdings würden Menschen mit einer Depression in der Vorgeschichte möglicherweise weniger von der positiven Wirkung der Bewegung profitieren.

Diese Studie unterstützt die Ergebnisse früherer Studien, die zeigen konnten, dass Bewegung die Stimmung hebt und daher bei der Behandlung von Depressionen ein wichtiger Baustein ist. In den 1980iger Jahren wurde beispielsweise in den USA die große "National Health and Nutrition Examination Study" (NHANES) durchgeführt. Hier konnten Mary E. Farmer et al. vom National Institute of Mental Health in Rockville (Maryland, USA) an 1900 gesunden Studienteilnehmern im Alter von 25‑77 Jahren nachweisen, dass Bewegung in der Freizeit ein unabhängiger Faktor war, um depressive Symptome bei Frauen vorherzusagen. Je weniger sich die Frauen in der Freizeit bewegten, desto größer war ihr Risiko, innerhalb von 8 Jahren depressive Symptome zu entwickeln.

Im Jahr 2001 kamen Andrea L. Dunn et al. vom Cooper Institut in Dallas, Texas, in einer Meta-Analyse zu dem Schluss, dass es offensichtlich eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Bewegung und depressiven Symptomen gibt.

Wer regelmäßig Sport treibt, hält sich also nicht nur körperlich fit, sondern tut dabei gleichzeitig etwas für seine seelische Gesundheit. Bei der Therapie von Depressionen sind inzwischen Bewegungsangebote ein wichtiger Bestandteil. Weitere Informationen hierzu liefert zum Beispiel die Broschüre "Sport bei depressiven Erkrankungen" der Abteilung "Sport und Bewegungsmedizin" des Universitätsklinikums Hamburg (siehe Linkliste). Wem es schwerfällt, mit einem regelmäßigen Sportprogramm zu beginnen, für den könnte vielleicht Wandern das Richtige sein ‑ in Wandervereinen findet man gleich auch Gesellschaft dazu. Interessante Informationen liefert die Website des Deutschen Wanderbandes, www.deutsches-wanderabzeichen.de.



Quellen:

Wichers, Marieke et al. (2012): A time-lagged momentary assessment study on daily life physical activity and affect. Health Psychology, Vol 31(2), Mar 2012, 135-144. doi: 10.1037/a0025688
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.

Informationen über School for Mental Health and Neuroscience finden Sie hier.

Farmer, Mary E. et al. (1988): Physical Activity And Depressive Symptoms: The NHANES I Epidemiologic Follow-Up Study. Am J Epidemiol (1988) 128 (6): 1340‑1351
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.

Dunn, Andrea L. et al. (2001): Physical activity dose-response effects on outcomes of depression and anxiety. Medicine and Science in Sports and Exercise (June 2001), Volume 33, Issue 6: PP S587‑S597
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.


Links:

Deutsches Wanderabzeichen "Bewegung hilft bei chronischem Stress" Link  Link

Sport bei depressiven Erkrankungen ‑ Patienteninformation. Informationsbroschüre der Ambulanz für Sport- und Bewegungsmedizin. Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Link  PDF




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Seite erstellt am: 19.04.2012 08:45:00
Autor/-in der Seite: Dr. Dunja Voos