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Hängen Persönlichkeitszüge mit der Gesundheit zusammen?
Neurotizismus macht krank, Offenheit hält gesund – Wie die Persönlichkeit die Gesundheit beeinflusst
Die Persönlichkeit eines Menschen lässt sich mithilfe des Fünf-Faktoren-Modells der Psychologen Paul T. Costa und Robert R. McCrae (1989) grob umreißen: Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für neue Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit sind die sogenannten "Big Five" der Persönlichkeit. Einige Studien gehen davon aus, dass bestimmte Persönlichkeitszüge mit der Gesundheit zusammenhängen. So haben Forscher zum Beispiel festgestellt, dass feindselige Menschen ein höheres Risiko für koronare Herzerkrankungen haben als nicht-feindselige Zeitgenossen (Deary et al. 1994, Smith et al. 2007). Diese Zusammenhänge werden jedoch immer wieder heftig diskutiert (Amelang und Schmidt-Rathjens 2003).
Den Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und Gesundheit versuchen zwei Modelle zu erklären: Sogenannte "Health Behavior Modelle" gehen davon aus, dass bestimmte Persönlichkeitszüge mit bestimmten Verhaltensweisen zusammenhängen, welche die Gesundheit beeinflussen. Ein anderes Modell geht davon aus, dass es genetische Faktoren gibt, die sowohl die Disposition für bestimmte Erkrankungen als auch für dazugehörige Persönlichkeitszüge bestimmen. Dieses Modell wird "Constitutional Predisposition Modell" genannt (Smith 2006). Heike Maas und Frank M. Spinath von der Universität des Saarlandes wollten es genauer wissen: Sind diese Modelle haltbar?
302 Zwillingspaare wurden untersucht
Die Psychologen rekrutierten 302 Zwillingspaare aus einer groß angelegen Zwillingsstudie, der "Twin Study on Personality and Well-being, Twin PaW" (Spinath und Wolf, 2006). Eineiig waren 163 Zwillingspaare, 139 Zwillingspaare waren zweieiig. Die Zwillingspaare waren jeweils gemeinsam in ihrer Familie aufgewachsen und durchschnittlich etwa 37 +/- 7 Jahre alt. Bei den zweieiigen Paaren gab es 16 männliche, 55 weibliche und 68 gemischt-geschlechtliche Paare. Die Studiengruppe der eineiigen Zwillinge bestand aus 51 männlichen und 112 weiblichen Paaren.
Die Wissenschaftler erfassten die Persönlichkeitsmerkmale mit dem "NEO-PI-R", dem Persönlichkeitsinventar nach Costa und McCrae (Link). Dieses Inventar enthält 240 Items zur Einschätzung der fünf Persönlichkeitsdimensionen. Außerdem füllten die Studienteilnehmer den Fragebogen zur Erfassung des Gesundheitsverhaltens (FEG, Dlugosch & Krieger 1995, Link) aus. Damit wurden Ernährung, Tabakkonsum und sportliche Aktivität erfasst.
Auch der Gesundheitszustand, der über einen längeren Zeitraum besteht, interessierte die Wissenschaftler. Dieser sogenannte "habituelle Gesundheitszustand" wurde mit dem "Fragebogen zur habituellen körperlichen Gesundheit" evaluiert (FHKG, Becker P, unveröffentlichtes Manuskript, Universität Trier, 2002). Hierdurch wurde ersichtlich, welche Krankheiten in den letzten 5 Jahren bestanden, wie das Körpererleben aussieht, für wie "fit" sich die Teilnehmer halten und wie sie ihre Gesundheit in den letzten 5 Jahren einstufen würden.
Gewissenhafte Studienteilnehmer bewegten sich viel und ernährten sich gesund
Es zeigte sich, dass Neurotizismus und habituelle Gesundheit negativ miteinander korrelieren: Je "neurotischer" also der Studienteilnehmer war, desto schlechter stand es um seine habituelle Gesundheit (r = -0,38, p < 0,001). Extraversion und Gewissenhaftigkeit hingegen korrelierten positiv mit der habituellen Gesundheit (r = 0,17, p < 0,001 bzw. r = 0,13, p < 0,05).
Offene, verträgliche und gewissenhafte Teilnehmer ernährten sich zudem deutlich gesünder als die weniger offenen, verträglichen und gewissenhaften Teilnehmer. "Offenheit" und "Verträglichkeit" korrelierten zudem positiv mit sportlicher Aktivität.
Das Health Behavior Modell bestätigte sich also in dieser Studie: Offenheit und Gewissenhaftigkeit führen über das gesunde Ernährungs- und Bewegungsverhalten zu einer guten habituellen Gesundheit. Hingegen konnten die Autoren keine gemeinsamen genetischen Faktoren ausmachen, die Persönlichkeitsmerkmale und Gesundheit gleichermaßen beeinflussten, sodass das "Constitutional Predisposition Modell" in dieser Studie nicht zutraf.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Neurotizismus mit einer erhöhten Morbidität verbunden ist. Hingegen wirken sich Extraversion, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit günstig auf die Gesundheit aus.
Quellen:
Maas, Heike; Spinath, Frank M. (2012): Persönlichkeit und Gesundheit. Eine Zwillingsstudie zur Betrachtung möglicher Mediatoren. Zeitschrift für Gesundheitspsychologie, 20 (3): 129-140. doi: 10.1026/0943-8149/a000071.
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.
Amelang, Manfred; Schmidt-Rathjens, Claudia (2003): Persönlichkeit, Krebs und koronare Herzerkrankungen. Psychologische Rundschau, Volume 54, Number 1 / 2003: 21-23.
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.
Deary, IJ et al. (1994): Hostile personality and risks of peripheral arterial disease in the general population. Psychosomatic Medicine May 1, 1994 vol. 56 no. 3 197-202.
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.
Den vollständigen Artikel finden Sie hier als PDF-Datei.
Smith, TW (2006): Personality as risk and resilience in phyisical health. Current Directions in Psychological Science 15: 227-231.
Den vollständigen Artikel finden Sie hier als PDF-Datei.
Spinath, FM; Wolf, H (2006): CoSMoS and Twin Paw: Initial report on two German Twin Studies. Twin Research and Human Genetics 9: 787-790.
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.
Den vollständigen Artikel finden Sie hier als PDF-Datei.
Smith, Timothy W. et al. (2007): Hostile Personality Traits and Coronary Artery Calcification in Middle-Aged and Older Married Couples: Different Effects for Self-Reports Versus Spouse Ratings. Psychosomatic Medicine June 2007 vol. 69 no. 5 441-448. doi: 10.1097/PSY.0b013e3180600a65.
Den vollständigen Artikel finden Sie hier oder hier als PDF-Datei.
Costa, PT; McCrae, RR (1989): The NEO-PI/NEO-FFI Manual supplement.Odessa, FL: Psychological Assemesment Resources. Link
Dlugosch, GE; Krieger, W (1995): Fragebogen zur Erfassung des Gesundheitsverhaltens.Frankfurt: Assessment & Information GmbH. Link Link
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Seite erstellt am: 07.08.2012 08:41:00
Autor der Seite: Dr. Dunja Voos
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Was wir essen und trinken, ob wir rauchen oder Sport treiben – nicht nur das hat Einfluss auf unsere Gesundheit. Auch unsere Persönlichkeit trägt dazu bei. Wie verschiedene Persönlichkeitsmerkmale mit der Gesundheit zusammenhängen, untersuchten nun die Psychologen Heike Maas und Frank M. Spinath von der Universität des Saarlandes in einer Zwillingsstudie.