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Soziale Beziehungen und Gesundheit sind eng miteinander verwoben


Dienstag, 11. Dezember 2012

Erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten und Infektionen – Wie ambivalente Beziehungen auf zellulärer Ebene wirken


Wie wirken sich Beziehungen auf der zellulären Ebene aus? Eine neue Studie stellt dazu fest: Problematisch sind ambivalente Beziehungen. Sie gehen einher mit einer Verkürzung der Telomere, also den Endstücken von Chromosomen; und das wiederum erhöht das Risiko für Herzkrankheiten oder Infektionen.

Soziale Beziehungen und Gesundheit sind eng miteinander verwoben - das konnten verschiedene Studien bereits belegen. Soziale Unterstützung beispielsweise kann das Mortalitätsrisiko deutlich senken, während negative Beziehungen und wenig soziale Unterstützung mit stärkeren Kreislaufreaktionen und erhöhtem Blutdruck in Stresssituationen verbunden sind (Literaturangaben: siehe Studie von Uchino et al., Health Psychology, Vol 31(6), Nov 2012: 789-796). Auch das Immunsystem ist umso stabiler, je besser die sozialen Beziehungen funktionieren.

Bert N. Uchino und seine Kollegen interessierten sich nun für die Frage, ob Beziehungen einen direkten Einfluss auf Körperzellen haben könnten. Sie analysierten die Beziehungen von Studienteilnehmern und ermittelten anhand ihrer Blutzellen die Länge der Telomere. Verkürzte Telomere sprechen für eine zelluläre Vergreisung und sind mit einem erhöhten Risiko für einen Tod durch Herzkrankheiten oder Infektionen verbunden.


Beziehungen können sozial unterstützend, feindselig, indifferent oder ambivalent sein

Die Wissenschaftler nahmen 136 gesunde Personen (83 Männer und 53 Frauen) im Alter von 48 bis 77 Jahren in ihre Studie auf. Die Studienteilnehmer füllten verschiedene Fragebögen zu ihren Beziehungen und ihrem Gesundheitszustand aus. Sie bewerteten dabei ihre Beziehungen zur Familie, zu engen Freunden, zu Kollegen und Bekannten. Die Wissenschaftler kategorisierten ihre Beziehungen in vier Gruppen: Als "sozial unterstützend" galten Beziehungen mit hoher Positivität und niedriger Negativität; "aversive (ablehnende, feindselige) Beziehungen" zeichneten sich durch niedrige Positivität und hohe Negativität aus, während "indifferente Beziehungen" sowohl eine niedrige Negativität als auch ein niedrige Positivität aufwiesen. "Ambivalente Beziehungen" können hingegen sowohl stark negativ als auch stark positiv sein. Entscheidend für die Wissenschaftler war die Anzahl der ambivalenten Beziehungen pro Studienteilnehmer. Da frühere Studien ergeben hatten, dass die Faktoren "Ambivalenz", "Unvorhersehbarkeit" und "erhöhter interpersonaler Stress" mit erhöhten Kreislaufreaktionen und Blutdrucksteigerungen einhergehen, gingen die Autoren davon aus, dass die Telomere der Studienteilnehmer umso kürzer waren, je höher ihre Zahl der ambivalenten Beziehungen war. Außerdem vermuteten sie, dass die Zahl der unterstützenden Bindungen mit längeren Telomeren assoziiert ist.

Die Forscher berücksichtigten bei ihrer Untersuchung weitere Faktoren, die Einfluss auf die Länge der Telomere haben, wie z.B. Alter, Geschlecht, Bewegung und Medikamenteneinnahme. Keiner der Studienteilnehmer nahm Medikamente ein, die das Immunsystem beeinflussten, wie z.B. Kortison. Auch hatte keiner der Studienteilnehmer eine Krebserkrankung oder eine HIV-Infektion. Nachdem die Studienteilnehmer ihre Fragebögen ausgefüllt hatten, entnahmen ihnen die Wissenschaftler Blut und untersuchten die Telomerlänge der sogenannten "Mononukleären Zellen aus dem peripheren Blut" (PBMC, Peripheral Blood Mononuclear Cells) - dazu gehören z.B. Monozyten und Lymphozyten, also weiße Blutkörperchen des Immunsystems.


Nur ambivalente Beziehungen hängen mit der Telomerlänge zusammen

Das Ergebnis war eindeutig: Je mehr ambivalente Beziehungen die Studienteilnehmer hatten, desto kürzer waren ihre Telomere. Überraschenderweise hatte die Anzahl der unterstützenden Bindungen anscheinend keinen Einfluss auf die Telomerlänge. Diese Zusammenhänge ließen sich für jede Altersgruppe nachweisen. Besonders stark war der Effekt bei ambivalenten Beziehungen zu den Eltern und nahen Freunden. Bei der getrennten Untersuchung von Frauen und Männern stellte sich heraus, dass eine hohe Anzahl ambivalenter Beziehungen bei Frauen signifikant mit verkürzten Telomeren zusammenhing - bei Männern war der Zusammenhang hingegen weitaus schwächer und statistisch nicht signifikant. Dies passe zu Ergebnissen aus anderen Studien, welche nachweisen konnten, dass konflikthafte Beziehungen bei Frauen einen starken Einfluss auf das Herz-Kreislauf-, das Hormon- und das Immunsystem haben, so die Autoren. Die Wissenschaftler erklären sich dieses Ergebnis damit, dass Frauen generell stärker auf soziale Beziehungen reagieren und sie auch anders gestalten als Männer. Während bei Männern gemeinsame Aktivitäten im Vordergrund stünden, seien den Frauen soziale Aspekte wie gegenseitige Unterstützung wichtiger. Außerdem vermuten die Autoren, dass die "Interaktionstiefe" bei ambivalenten Beziehungen größer sei als z.B. bei feindseligen Beziehungen. Trotz aller Nachteile ließen sich ambivalente Freundschaften nur relativ schwer lösen, da die Beziehung auch viele Vorteile biete. In jedem Fall seien weitere Studien notwendig, die das Beziehungsgefüge und die Freundschaften Erwachsener ausführlicher untersuchten, so die Autoren.



Quelle

Uchino, Bert N. et al. (2012): Social relationships and health: Is feeling positive, negative, or both (ambivalent) about your social ties related to telomeres? Health Psychology, Vol 31(6), Nov 2012: 789-796. doi: 10.1037/a0026836
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.




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Seite zuletzt geändert am: 11.12.2012 09:32:00, ursprünglich angelegt am: 10.12.2012 09:52:00
Autor/-in der Seite: Dr. Dunja Voos, Dr. Beate Grossmann






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