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Veränderter Kortisolspiegel kann die Gesundheit erheblich beeinträchtigen


Freitag, 14. Dezember 2012

Familiäre Konflikte stressen den Körper


BlutzellenDas Hormon Kortisol reagiert empfindlich auf Stress. Dauerhaft veränderte Kortisolspiegel können die Gesundheit erheblich beeinträchtigen. Eine neue Studie untersucht, wie sich familiäre Konfliktsituationen auf Kinder auswirken.

Rheumatoide Arthritis, Allergien, Burnout - bei diesen Erkrankungen spielt der Kortisolspiegel des Organismus eine entscheidende Rolle (Kirschbaum 2001, Grossi et al. 2005). Normalerweise bildet der Körper in den frühen Morgenstunden reichlich Kortisol; im Laufe des Tages sinkt der Kortisolspiegel im Blut ab und erreicht zwischen 20 und 24 Uhr sein Minimum. Bei vielen stressbedingten oder immunologischen Erkrankungen zeigt sich morgens ein relativ niedriger Kortisolspiegel und die Kortisolverlaufskurve über den Tag ist insgesamt abgeflacht. Eine entscheidende Rolle im Kortisolhaushalt spielt die sogenannte "HPA-Achse" - hiermit ist ein empfindliches Wechselspiel zwischen dem Hypothalamus (einem Teil des Zwischenhirns), der Hypophyse (Hirnanhangdrüse, englisch: Pituitary Gland) und der Nebenniere (englisch: Adrenal Gland) gemeint. Bei Kindern, die schon früh in ihrer Entwicklung besonderem psychischem Stress ausgesetzt sind, verändert sich die HPA-Achse, wodurch es im späteren Leben zu höherer Stress- und Krankheitsanfälligkeit kommen kann (Cichetti et al. 2010, Gunnar & Quevedo 2007).

Die amerikanischen Psychologen Richard B. Slatcher und Theodore F. Robles wollten nun herausfinden, ob familiärer Stress in Form von Konflikten zu erhöhten Kortisolspiegeln führen kann. An ihrer Studie nahmen 44 Kinder (26 Mädchen und 18 Jungen) im Alter zwischen 3 und 5 Jahren teil. Das Durchschnittsalter betrug 4 Jahre und 5 Monate (Standardabweichung: 9,9 Monate). Alle Kinder stammten aus Zwei-Eltern-Familien. Die Eltern füllten einen Fragebogen zum Verhalten ihres Kindes aus, einen Teil der sogenannten "Child Behavior Checklist" (CBCL). Außerdem sollten sie angeben, ob sie an den beiden Untersuchungstagen Konflikte mit ihrem Kind hatten. Die Untersuchung fand an einem Wochenende statt - von Samstag-Morgen bis Sonntag-Abend. Die Kinder erhielten für einen Tag ein Gerät namens "EAR" (Electronically Activated Recorder), welches die Interaktionen zwischen Eltern und Kind aufnahm. Die Wissenschaftler werteten dann 150 zufällige 30-Sekunden-Sequenzen aus. Als "Konflikt" wurden Streitgespräche bewertet, die z.B. solche Sätze enthielten:
Kind: "Uh! Nein, nein, ich will nicht!" - Mutter/Vater: "Du bist jetzt sofort still!"
Bei der Auswertung stellten die Wissenschaftler fest, dass die mittels "EAR" ermittelten Konfliktgrade mit den subjektiven Angaben übereinstimmten, welche die Eltern machten. Sowohl am Samstag als auch am Sonntag desselben Wochenendes entnahmen die Eltern ihren Kindern jeweils sechs Speichelproben zu festgelegten Zeiten.


Niedrige Kortisolspiegel am Morgen weisen auf Konflikte hin

Im Ergebnis zeigte sich, dass die Kinder einen umso niedrigeren Kortisol-Level am Morgen aufwiesen, je mehr Konflikte sie zu Hause erlebten ("normal" wäre ein relativ hoher Kortisolspiegel am Morgen). Außerdem war der Verlauf ihres Tages-Kortisolspiegels flacher als bei den Kindern, die nur wenige Konflikte in der Familie hatten.

Zwar sei die Aussagekraft der Studie aufgrund der kurzen Untersuchungszeit eingeschränkt, doch die Autoren betonen, dass die Studienergebnisse auf die direkte Verbindung zwischen Konflikten und "weniger gesunden" Kortisolspiegeln hinweisen. Studien an Erwachsenen konnten bereits zeigen, dass Kortisolprofile, die vom normalen Profil abweichen, mit einem schlechteren Gesundheitszustand verbunden sind (z.B. Matthews et al. 2006, Kumari et al. 2011). Weitere Studien an Kindern, bei denen Hilfsmittel wie das EAR-Gerät eingesetzt werden, könnten das Wissen über die Zusammenhänge von alltäglichem Stress und Kortisolkurven bei Kindern erweitern, so die Autoren.



Quellen

Slatcher, Richard; Robles, Theodore F (2012): Preschoolers' everyday conflict at home and diurnal cortisol patterns. Health Psychology, Vol 31(6), Nov 2012, 834-838. doi: 10.1037/a0026774
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.
Weitere Informationen zu Richard B. Slatcher finden Sie hier.
Weitere Informationen zu Theodore F. Robles finden Sie hier.

Kirschbaum, Clemens (2001): Das Stresshormon Cortisol - Ein Bindeglied zwischen Psyche und Soma?
Den Artikel können Sie hier als PDF-Datei herunterladen.

Grossi, Giorgio; et al. (2005): The morning salivary cortisol response in burnout. Journal of Psychosomatic Research, Vol 59(2), Aug 2005, 103-111. doi: 10.1016/j.jpsychores.2005.02.009
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.

Silbernagl, Stefan; Despopoulos, Agamemnon (2007): Taschenatlas Physiologie. Thieme, Stuttgart, 7. Auflage, 2007: S. 299

Cicchetti, Dante et al. (2010): The Differential Impacts of Early Physical and Sexual Abuse and Internalizing Problems on Daytime Cortisol Rhythm in School-Aged Children. Child Development, Volume 81, Issue 1, pages 252-269, January/February 2010
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.

Gunnar, Megan and Quevedo, Karina (2007): The Neurobiology of Stress and Development. Annual Review of Psychology, Vol. 58: 145-173 (Volume publication date January 2007. First published online as a Review in Advance on August 11, 2006). DOI: 10.1146/annurev.psych.58.110405.085605
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.

Vermeer, Harriet J.; van Ijzendoorn, Marinus H. (2006): Children's elevated cortisol levels at daycare: A review and meta-analysis. Early Childhood Research Quarterly, Volume 21, Issue 3, 3rd Quarter 2006, Pages 390-401, doi: 10.1016/j.ecresq.2006.07.004
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.

Dettling, Andrea C. et al. (1999): Cortisol levels of young children in full-day childcare centers: relations with age and temperament. Psychoneuroendocrinology, Volume 24, Issue 5, July 1999, Pages 519-536, doi: 10.1016/S0306-4530(99)00009-8
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.

Matthews, Karen; Schwartz, Joseph ; Cohen, Sheldon; Seeman, Teresa (2006): Diurnal Cortisol Decline is Related to Coronary Calcification: CARDIA Study. Psychosomatic Medicine September 1, 2006 vol. 68 no. 5: 657-661, doi: 10.1097/01.psy.0000244071.42939.0e
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.

Kumari, Meena et al. (2011): Association of Diurnal Patterns in Salivary Cortisol with All-Cause and Cardiovascular Mortality: Findings from the Whitehall II Study. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism May 1, 2011 vol. 96 no. 5: 1478-1485
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.

Erlernte Hilflosigkeit: Hohe Kortisol-Spiegel können depressiv machen
aus: Newsletter "Nationales Genomforschungsnetz", April 2005, Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Den Artikel finden Sie hier.




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Seite erstellt am: 14.12.2012 10:55:00
Autor/-in der Seite: Dr. Dunja Voos






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