| Direkt zum Inhalt springen |

Logo und Funktionslinks:

Slogan der BVPG: Gemeinsam Gesundheit foerdern

Volltextsuche:


Horizontale Navigation:


Brotkruemelnavigation:


Vertikale Navigation:


Inhalte:

Gesundheitsindikatoren sollen Vergleich ermöglichen


Donnerstag, 17. Januar 2013

Gesundheit in Europa – Wie aussagekräftig sind Statistiken?


DiagrammDurch die zunehmende Alterung der europäischen Bevölkerung wird sich die Zahl der chronisch degenerativen Erkrankungen erhöhen. Um auf diese Herausforderungen reagieren zu können, bedarf es zuverlässiger Daten zu Lebensbedingungen, Gesundheit und Gesundheitsverhalten. Vergleiche zwischen den EU-Staaten sollen Lernprozesse fördern. Doch wie tragfähig sind derartige Vergleiche?

EHIS - so lautet der Name des europäischen Gesundheitssurveys ("European Health Interview Survey"). Im Rahmen von EHIS wurden in den Jahren 2006 und 2009/2010 rund 190.000 Einwohner in 17 Mitgliedsstaaten der EU zu ihrem Gesundheitszustand, ihrem Gesundheitsverhalten und der Inanspruchnahme der Gesundheitsversorgung befragt. Aufbauend auf dieser Erhebung und der Europäischen Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) wurden europäische Gesundheitsindikatoren entwickelt (ECHI - European Community Health Indicators).

Diese Gesundheitsindikatoren sollen einen Vergleich zwischen den einzelnen europäischen Staaten ermöglichen - beispielsweise zur Häufigkeit des Vorkommens von Übergewicht und Diabetes. Auf diese Weise sollen die Staaten der Europäischen Union die Möglichkeit erhalten, voneinander zu lernen. Eine kurze Übersicht zu ausgewählten Indikatoren liefert das Robert Koch-Institut in seiner aktuellen Publikation GBE kompakt (6/2012).


Die Autoren weisen in ihrem Report aber auch auf die Grenzen eines europäischen Vergleichs hin. So können Unterschiede zwischen den Staaten verschiedene Ursachen haben. Dabei spielt zum einen die Altersstruktur der Bevölkerung eine wichtige Rolle. Während beispielsweise die Staaten in Mittel- und Osteuropa als eher jung zu bezeichnen sind, haben die meisten westeuropäischen Länder einen höheren Altersdurchschnitt.

Aber auch soziale und kulturelle Faktoren beeinflussen die Gesundheitsindikatoren - etwa bei der Bewertung der eigenen Gesundheit. Auch das Gesundheitsverhalten und die Inanspruchnahme des Gesundheitssystems sind häufig kulturell bedingt. Ein direkter Vergleich der Gesundheitssysteme und der Häufigkeit des Vorkommens einzelner Erkrankungen ist somit nur schwer möglich.

Ein Beispiel: Während in der Slowakei und in Deutschland der Anteil der über 65-Jährigen, die an Diabetes mellitus erkrankt sind, mit 24,1% bzw. 17,5% vergleichsweise hoch ist, sind die gleichen Raten in Irland (6,0%) und Rumänien (8,7%) extrem niedrig. Doch wodurch werden die Unterschiede verursacht? Handelt es sich tatsächlich um ein geringeres Vorhandensein des Diabetes oder sind die beispielsweise die jeweiligen Versorgungsstrukturen ausschlaggebend? Eine einfache Erklärung liefern die europäischen Gesundheitsindikatoren nicht.


Wenn europäische Vergleiche nun aber mit derartigen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, warum wird ein europäischer Gesundheitssurvey dann überhaupt durchgeführt? Hierfür sprechen mindestens drei Gründe:

1. Auch wenn ein Vergleich eines Landes mit allen anderen untersuchten Ländern nicht immer sinnvoll ist, so gibt es doch immer vergleichbare Staaten. Diese Einzelvergleiche können durchaus Lerneffekte bewirken.

2. Die Vergleiche zwischen den untersuchten Staaten können auf unterschiedliche Entwicklungen aufmerksam machen. Entwickelt sich beispielsweise die Zahl der an Diabetes Erkrankten in zwei (vergleichbaren) Ländern unterschiedlich, so könnte dies ein wichtiger Hinweis auf funktionierende bzw. fehlende Präventionsmechanismen sein.

3. Die gemeinsamen Gesundheitsindikatoren etablieren sich als Standard in der Gesundheitsberichterstattung und unterstützen dadurch den Aufbau von bevölkerungsbezogenen Gesundheitsmonitorings (z.B. in Zypern und Malta).



Die Publikation "Gesundheit in Europa - Daten des Gesundheitsmonitorings der EU" (GBE kompakt 6/2012) des Robert Koch-Instituts finden Sie hier.






Seite zuletzt geändert am: 17.01.2013 08:39:00, ursprünglich angelegt am: 15.01.2013 09:39:00
Autor/-in der Seite: Felix Lüken






Termine und Ankuendigungen: