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Einbeziehung von Zielgruppen bei der Planung notwendig


Donnerstag, 6. Juni 2013

Bedeutung von geschlechterspezifischer Prävention und Gesundheitsförderung – Interview zum Präventionskongress


Gruppe bei Gymnastik"Gesundheit von Frauen und Männern effektiv fördern - geschlechterspezifische Prävention und Gesundheitsförderung", so lautet das Motto des diesjährigen gemeinsamen Präventionskongresses des BMG und der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG). Im Interview verdeutlicht BVPG-Vorstandsmitglied Thomas Altgeld, Geschäftsführer der Landesvereinigung für Gesundheit Niedersachsen und Experte im Bereich Männergesundheit, die Relevanz des Themas.

BVPG: Herr Altgeld, warum sollten Präventionsangebote geschlechterspezifisch ausgerichtet werden?

Gesundheitsbezogene Verhaltensweisen fallen mit Blick auf Männer und Frauen nicht vom Himmel. Körperbilder, Selbstwahrnehmungen, Symptomtoleranz oder die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen, sind auch eine Frage des Geschlechts. Wenn wir uns einen typischen Mann beim Essen vorstellen, sieht das ganz anders aus als eine typische Frau. Die Lebensmittel, das Esstempo und auch die Mengen unterscheiden sich in unserer Vorstellung. Das Bild eines langsam Salat kauenden Mannes, der nur nicht-alkoholische Getränke konsumiert, würde niemandem in den Sinn kommen. Gerade weil Mann oder Frau über jede gesundheitsbezogene Verhaltensweise zeigen, wie männlich oder wie weiblich sie oder er ist, müssen Präventionsangebote Männer und Frauen dort abholen, wo sie stehen, wenn sie wirksam sein sollen.


BVPG: Worauf ist bei der Konzeption geschlechterspezifischer Gesundheitsangebote zu achten?

Entscheidend ist der frühzeitige Einbezug der Zielgruppen in die Problemdefinition und Angebotsgestaltung! Zugeschriebene oder möglicherweise nur sozialepidemiologisch bedeutsame Gesundheitsrisiken allein motivieren niemanden zu einer Verhaltensänderung. Viele Gesundheitsbotschaften sind denkbar einfach, aber kommen in den Lebenswelten nicht an. Sie werden meist von hochgebildeten Professionellen für Menschen mit einem niedrigeren Bildungsniveau entwickelt und kommen häufig aufklärerisch und besserwisserisch daher. Wenn aber in Kindertagesstätten, Schulen, Quartieren und Betrieben Jungen und Mädchen, Männer und Frauen frühzeitig einbezogen werden, indem sie ihre spezifischen Gesundheitsprobleme vor Ort analysieren und Lösungen dafür entwickeln, lässt sich ein Zugang auch zu schwer erreichbaren Zielgruppen herstellen. Nur mit den Zielgruppen selbst lässt sich die gesündere Wahl zur leichteren Wahl machen - und nicht mit einfachen Gesundheitsbotschaften in Hochglanzbroschüren oder Werbespots.


BVPG: Dem aktuellen Männergesundheitsbericht zufolge sind Angebote zur Prävention- und Gesundheitsförderung nicht bzw. nur unzureichend auf die männliche Zielgruppe ausgerichtet. Was müsste sich ändern, um Männer mehr zu Prävention und Gesundheitsförderung zu motivieren?

Es müsste stärker an die männliche Selbstwahrnehmung angeknüpft werden. Männer sind keine Gesundheitsmuffel oder gar Gesundheitsidioten, es gibt viele gesundheitsbezogene Verhaltensweisen, in denen Männer nicht schlechter abschneiden, wenn man sich etwa die Bewegung oder auch Inanspruchnahme des Gesundheitschecks von Männern über 45 Jahren anschaut. Viele Angebote sind ungewollt geschlechtsspezifisch für Frauen, weil viele, die an der Programmerstellung, Ausschreibung und Durchführung beteiligt sind, eben weiblich sind, beispielsweise in vielen Gesundheitskursen der Krankenkassen oder Volkshochschulen. Schon die Sprache der meisten Angebote spricht Männer nicht an, sondern vermittelt implizit "das ist irgendwie eine Frauensache". Es sollte kein Programm entwickelt und ausgeschrieben werden, das Männer erreichen soll, aber nicht vorher mit Männern erarbeitet worden ist. Wenn Männer das Resultat ihrer Mitarbeit als Flyer sehen, ist das natürlich motivierend.


BVPG: Was erhoffen Sie sich von den Ergebnissen des Präventionskongresses?

Ich erhoffe mir einen deutlichen Impuls, Geschlechterfragen zu zentralen Qualitätsfragen der Angebotsgestaltung im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention zu machen. Nur wenn es gelingt, die zentralen Akteure von der Relevanz dieser Fragen zu überzeugen, bewegen wir uns weg von alten Klischees und mittelschichtsorientierten Angebotsstrukturen, die besser gestellte, "mittelalte" Frauen nutzen und alle anderen Bevölkerungsgruppen, Frauen wie Männer ignorieren, weil sie nicht auf deren Bedarfe und Alltage zugeschnitten sind.


BVPG: Herr Altgeld, vielen Dank für das Interview!



Das Interview führte Ann-Cathrin Hellwig.


Weitere Informationen zum 6. gemeinsamen Präventionskongress des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) und der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. erhalten Sie hier.




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Seite zuletzt geändert am: 06.06.2013 09:30:00, ursprünglich angelegt am: 05.06.2013 10:04:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig






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