Bewegung als Baustein von Raucherentwöhnungsprogrammen


Dienstag, 8. Oktober 2013

Raucherentwöhnung: Bewegung verringert das Verlangen nach der Zigarette


Ausgedrückte ZigaretteEtwa 3-5% der RaucherInnen schaffen es, aus eigener Kraft das Rauchen aufzugeben. Mithilfe unterschiedlicher Therapien gelingt dies immerhin 18% der RaucherInnen. Auch Bewegung könnte zum wichtigen Baustein von Raucherentwöhnungsprogrammen werden, wie ein Forscherteam um Larissa Ledochowski in einem Review herausfand.

Das Team um Wissenschaftlerin Larissa Ledochowski untersuchte 24 Studien zum Zusammenhang von Rauchen und Bewegung. 23 dieser Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Bewegung dabei hilft, Entzugssymptome zu verringern und das Verlangen nach der nächsten Zigarette hinauszuzögern. "Bewegung" wurde hierbei definiert als jede körperliche Betätigung, die mit einem erhöhten Energieverbrauch verbunden ist, wobei eine Bewegungseinheit zwischen 5 und 40 Minuten dauern und verschieden intensiv sein kann. Die Intensitäten der Bewegungseinheiten in den Studien reichten von 24% bis 80% der Herz-Frequenz-Reserve (HRR = maximale Herzfrequenz minus minimale Herzfrequenz).

Bewegung kann unangenehme Gefühle wie Ängste oder Depressionen verringern. WissenschaftlerInnen gehen davon aus, dass im Gehirn während der Bewegungseinheit spezielle Hirnregionen besonders aktiv sind, wohingegen das "denkende" Vorderhirn (Frontalhirn) vorübergehend seine Aktivität herunterreguliert. Diese Theorie trägt in der Wissenschaft den Namen "transiente (= vorübergehende) Hypofrontalität".


Bewegung lässt die Zigarette unwichtig werden

Die Autorinnen und Autoren kamen bei der Analyse der 24 Studien zu folgenden Ergebnissen:

  • Die Stimmung und der Affekt der StudienteilnehmerInnen verbesserten sich nach der Bewegungsintervention (6 Studien).
  • Die sogenannte "Zustandsangst", also die Ängstlichkeit einer Person, verbesserte sich durch die Bewegung nicht. Dies hatten die jeweiligen Autorinnen und Autoren mithilfe des Fragebogens "State-Trait-Angstinventar" ermittelt.
  • Der Zeitraum bis zum Rauchen der nächsten Zigarette verlängerte sich - die StudienteilnehmerInnen der Bewegungsgruppen griffen durchschnittlich bis zu 31 Minuten später zur nächsten Zigarette als die TeilnehmerInnen der Kontrollgruppen (5 Studien).
  • Nach Dehnungsübungen inhalierten die StudienteilnehmerInnen die erste Zigarette weniger intensiv und die Dauer des Rauchens der ersten Zigarette war verkürzt.
  • Das Verlangen zu rauchen und Entzugssymptome wie Schlaflosigkeit, Unruhe und erhöhte Irritierbarkeit gingen deutlich zurück.
  • Auch führte der Tabakentzug bei den "sportlich Aktiven" nicht so sehr zu schlechter Stimmung wie bei der Kontrollgruppe. Um diese Effekte zu erzielen, reichten bereits 5-minütige isometrische Übungen im Sitzen aus.
  • Im Rahmen einer Studie wurden mithilfe der "Eye-Tracking-Methode" die Augenbewegungen der StudienteilnehmerInnen untersucht. Die ForscherInnen stellten fest: Nach der Bewegungseinheit fixierten die StudienteilnehmerInnen Bilder von speziellen Reizen, die zum Rauchen anregen, weniger stark als unter Ruhebedingungen.

Larissa Ledochowski und Team konnten mit ihrem Review unterstreichen, worauf verschiedene Studien bereits seit einigen Jahren hinweisen: Bewegung kann bei der Raucherentwöhnung helfen. Bereits im Jahr 2001 zeigten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass Bewegung die Entzugssymptome ähnlich stark reduzieren kann wie orale Nikotinersatzprodukte (West & Shiffman, 2001). Bewegung steigert das Wohlbefinden und reduziert Spannungszustände - das kommt natürlich auch den Raucherinnen und Rauchern bei der Raucherentwöhnung zugute. Wie sich jedoch Bewegung längerfristig auf das Rauchbedürfnis auswirkt, sei noch zu erforschen, so das Autorenteam.


Quellen:

Ledochowski, L. et al. (2013): Unmittelbare Auswirkungen einzelner Bewegungseinheiten auf das Bedürfnis zu rauchen.Zeitschrift für Gesundheitspsychologie 2013, Vol 21, Nr 3: pp 122-137, doi 10.1026/0943-8149/a000099

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West, R./Shiffman, S. (2001): Effect of oral nicotine dosing forms on cigarette withdrawal symptoms and craving: A systematic review.Psychopharmacology 2001, 155: 115-122.

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Seite erstellt am: 08.10.2013 10:54:00
Autor/-in der Seite: Dr. Dunja Voos