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BVPG-Mitgliedsorganisationen engagieren sich für seelische Gesundheit


Mittwoch, 29. Oktober 2014

Seelische Gesundheit aus der Sicht von BVPG-Mitgliedsorganisationen


Depressive Frau wird von Mann getröstetFünf BVPG-Mitgliedsorganisationen engagieren sich im Aktionsbündnis „Seelische Gesundheit“ besonders in diesem Handlungsfeld. Im Interview erläutern sie die Bedeutung psychischer Erkrankungen, deren Ursachen sowie den notwendigen Handlungsbedarf.

Die Bundesärztekammer, der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V. (BVÖGD), die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (DGAUM), der Deutsche Verband der Ergotherapeuten e.V. (DVE) und der Kneipp-Bund e.V. setzen sich durch ihre Mitgliedschaft im Aktionsbündnis "Seelische Gesundheit" in besonderer Weise für das Handlungsfeld ein. Im Interview nahmen sie Stellung zu den nachfolgenden Fragen:

  • Wie nehmen Sie die Entwicklung psychischer Erkrankungen wahr?
  • Welche Bevölkerungsgruppen sind durch psychische Erkrankungen besonders gefährdet? In welchen Bereichen besteht besonderer Handlungsbedarf?
  • Welche Ursachen sehen Sie für diese Entwicklung?
  • Wie reagieren Sie auf diese Entwicklung und welche Rolle spielen dabei Prävention und Gesundheitsförderung?

Ursachen und Handlungsbedarf

Die Zunahme psychischer Erkrankungen ist den befragten Expertinnen und Experten zufolge auf ein multikausales Ursachengeflecht zurückzuführen. Angeführt wird u.a. die Internationalisierung des Wirtschaftslebens und die daraus resultierende zunehmende Mobilität, Flexibilität und Erreichbarkeit - Faktoren, die insgesamt zu einer "Entrhythmisierung des Lebens" (Kneipp-Bund e.V.) beitragen.

Besonderer Handlungsbedarf besteht demzufolge bei der Zielgruppe der erwerbstätigen Menschen. Vor allem den Managern/Managerinnen in "Sandwich-Positionen" schreibt die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin eine starke psychische Belastung zu. Diese stehen vor der Herausforderung, Mitarbeitende effizient zu führen und zugleich den Anforderungen und Erwartungen der Geschäftsführung gerecht zu werden.

Ursachen psychischer Erkrankungen sind jedoch nicht nur in der Arbeitswelt angesiedelt. Mit Blick auf die Nutzung neuer Medien wirft die DGAUM in diesem Zusammenhang die Frage auf, "wie man Freiräume und Zeit zur Ruhe und Entspannung für sich selbst (...) schaffen kann" (DGAUM) - insbesondere vor dem Hintergrund einer auch im privaten Umfeld zunehmenden Digitalisierung.

Weiterhin betonen die Befragten, dass psychische Erkrankungen in jedem Lebensalter auftreten können und somit nicht an die Phase der Erwerbstätigkeit gebunden sind. Zunehmend betroffen sind auch Kinder, wie die Schuleingangsuntersuchungen des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes belegen. Auch verhaltensauffällige oder psychisch kranke Kinder werden im Rahmen der schulärztlichen Tätigkeiten immer häufiger erkannt. Dies ist dem BVÖGD zufolge von besonderer Bedeutung, denn "eine gesunde Entwicklung im Vorschulalter ist die Voraussetzung des Bildungserfolges und einer erfolgreichen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben" (BVÖGD). Prävention von psychischen Erkrankungen ist jedoch nicht nur für Kinder und Jugendliche relevant, auch für Erwachsene wird es zunehmend wichtiger, Hilfsangebote bereitzustellen, die ansetzen, bevor sich eine psychische Erkrankung manifestiert.

Ebenfalls an Bedeutung gewinnen Angebote für diejenigen, die bereits eine psychische Erkrankung aufweisen. Dem Deutschen Verband der Ergotherapeuten zufolge sollte es "Ziel aller Maßnahmen sein, die Inklusion der Betroffenen zu fördern" (DVE). Dies kann bspw. durch die Unterstützung bei der beruflichen Wiedereingliederung, durch Jobcoaching oder die Bereitstellung wohnortnaher Ausbildungsplätze erfolgen. Darüber hinaus sollten Anreize für ArbeitgeberInnen geschaffen werden, Betroffene (wieder-)einzustellen.

Handlungsbedarf besteht den befragten Expertinnen und Experten zufolge weiterhin im Bereich der Behandlungskontinuität, so bspw. in einer besseren Verknüpfung von Behandlung und Rehabilitation.

Mit der "Enttabuisierung" psychischer Erkrankungen greift die Bundesärztekammer einen weiteren wichtigen Aspekt auf. Denn betroffene Menschen erleben neben ihrer psychischen Erkrankung oft eine "zweite Erkrankung": Die Stigmatisierung. So werden Menschen, die unter einer Depression oder einer Suchterkrankung leiden, oft als selbst schuldhaft angesehen. Darüber hinaus müssen Betroffene oftmals erfahren, dass man sich wegen ihrer Erkrankung von ihnen abwendet. Maßnahmen zur "Entdiskriminierung psychisch Erkrankter" (BÄK) gewinnen damit an Bedeutung.


Engagement der befragten Mitgliedsorganisationen

Das Engagement der befragten Mitgliedsorganisationen spiegelt sich in zahlreichen Aktivitäten und Initiativen im Handlungsfeld wider. Dazu zählen die Erstellung von Stellungnahmen, Empfehlungen und Positionspapieren, die Planung und Umsetzung von Veranstaltungen und Workshops, Maßnahmen zur Qualitätssicherung und
-entwicklung sowie die Konzeption von Weiterbildungsangeboten. Einen Einblick in die Maßnahmenvielfalt geben die nachfolgenden Interviewausschnitte:

  • Bundesärztekammer
    "Unter dem Titel "Mitten im Arbeitsleben - trotz psychischer Erkrankung" veranstalteten die Bundesärztekammer und das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ein Fachsymposium in Berlin. Ein Fokus lag dabei auf der engen Kooperation von Ärzten und Hilfseinrichtungen, denn diese kann die Rückkehr an den Arbeitsplatz für psychisch Kranke erleichtern."
  • Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V. (BVÖGD):
    "Der BVÖGD ist ein Berufsverband für Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst und vertritt deren Interessen auf Bundesebene.Er kann in seinen Stellungnahmen und Positionspapieren die Gesundheitsbehörden von Ländern und Bund auf die von seinen Mitgliedern festgestellten Umstände und Tatsachen hinweisen und fachliche Empfehlungen dazu abgeben."
  • Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (DGAUM):
    "Die hohe Dynamik, von der derzeit eine Vielzahl von Prozessen in unserer Gesellschaft und im betrieblichen Umfeld erfasst werden, und die u.a. zu psychischen Fehlbelastungen führen kann, erfordert auch eine Anpassung der Weiterbildungsinhalte im Gebiet "Arbeitsmedizin". Dies wurde von der DGAUM erkannt und beim Entwurf der (Muster-) Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer berücksichtigt."
  • Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V. (DVE):
    "Der DVE reagiert hier aktiv und mit unterschiedlichen Maßnahmen, z. B. mit einer ganz neu erstellten Leistungsbeschreibung zur Ergotherapie in der betrieblichen Gesundheitsförderung. Auch gibt es mit TATKRAFT ein Therapieprogramm, das Menschen in Lebensübergangsphasen unterstützt."
  • Kneipp-Bund e.V.:
    "(...) insbesondere praktische und alltagstaugliche Umsetzungsmöglichkeiten in den Lebenswelten liegen uns am Herzen. Denn moderne Ansätze der Prävention und Gesundheitsförderung finden dort statt, wo die Menschen leben, arbeiten oder lernen (...). Der Kneipp-Bund hat bereits vor Jahren mit der Zertifizierung bzw. Qualitätssicherung von Einrichtungen, die ihren Alltag an der Kneippschen Gesundheitskonzeption ausrichten, auf diese Entwicklung reagiert".

Die einzelnen Interviews in voller Länge finden Sie hier:

  • Interview mit Dr. Matthias Albers, Sprecher des "Fachausschuss Psychiatrie" des Berufsverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD). Zum PDF-Dokument
  • Interview mit Dr. Thomas Nesseler, Hauptgeschäftsführer der Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM). Zum PDF-Dokument
  • Interview mit Arnd Longée, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Verbands der Ergotherapeuten (DVE). Zum PDF-Dokument
  • Interview mit Marion Caspers-Merk, Präsidentin des Kneipp-Bunds e.V. Zum PDF-Dokument

Anmerkung: Das Interview mit Frau Dr. Annegret Schoeller, Bundesärztekammer, wurde telefonisch geführt. Aus diesem Grund liegt keine schriftliche Version vor.




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Seite erstellt am: 29.10.2014 10:58:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig






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