Wirksame Maßnahmen im Kampf gegen chronische Erkrankungen


Donnerstag, 13. November 2014

Mit Vier-Punkte-Programm gegen nichtübertragbare Erkrankungen


Vorbereitung einer PräsentationMit der Vorlage eines Vier-Punkte-Programms fordert die Deutsche Allianz gegen Nichtübertragbare Krankheiten (NCD-Allianz) die politisch Verantwortlichen in Deutschland auf, wirksame Maßnahmen im Kampf gegen chronische Erkrankungen zu ergreifen. Prominente und Experten stellten das Programm am 12. November in Berlin vor.

Über die Hälfte der Erwachsenen und fünfzehn Prozent der Drei- bis Siebzehnjährigen in Deutschland sind übergewichtig, ein knappes Viertel der Erwachsenen und sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen sogar adipös - Tendenz steigend. Sie haben ein hohes Risiko, in der Folge ihres Übergewichts auch an Diabetes, Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck oder Atemwegsleiden zu erkranken. In Europa verursachen diese chronischen Krankheiten bereits 86 Prozent der vorzeitigen Todesfälle und 77 Prozent der Krankheitslast. Dies führt nicht nur zu großem Leid, sondern auch zu Kosten in mehrstelliger Milliardenhöhe.


Um die Zunahme dieser Erkrankungen zu stoppen, fordert die NCD-Allianz daher Bund und Länder auf, endlich wirkungsvolle Maßnahmen einzuleiten. Zu diesem Zweck hat die Allianz ein Vier-Punkte-Programm formuliert, das auch bildungsferne Schichten erreicht, die besonders von den chronischen Krankheiten betroffen sind und die von den bisherigen Angeboten nicht erreicht werden:

  • Täglich mindestens eine Stunde Bewegung (Sport) in Kita und Schule: Kinder bewegen sich heute viel zu wenig. Dabei ist Bewegung für ein ausgewogenes Verhältnis von Energieaufnahme und Energieverbrauch sehr wichtig: Täglich 60 bis 90 Minuten moderate Aktivität steigern den Energieverbrauch um rund zehn Prozent und verhindern dadurch eine Gewichtszunahme. Deshalb gehört eine Stunde Sport täglich auf den Stundenplan für Schulen und Kitas, da nur dort alleKinder und Jugendlichen erreicht werden.

  • Adipogene Lebensmittel besteuern und gesunde Lebensmittel steuerlich entlasten (Zucker- /Fettsteuer): Der Lebensmittelpreis kann das Verbraucherverhalten stark beeinflussen. Wir essen heute doppelt so viel Zucker, Fett und Salz, als uns gut tut. Wenn in Lebensmitteln ein bestimmter Anteil an Fett, Zucker oder Salz überschritten wird, sollten sie durch eine höhere Steuer belastet werden. Entsprechend sollten gesunde Lebensmittel steuerlich entlastet werden.

  • Verbindliche Qualitätsstandards für Kita- und Schulverpflegung: Infolge von zunehmendem Nachmittagsunterricht und dem steigenden Anteil an Ganztagsschulen essen Kinder immer häufiger in der Schule. Die Zusammensetzung und Qualität des täglichen Essens beeinflusst nicht nur die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder und Jugendlichen, sondern bestimmt auch maßgeblich, wie sich ihr Ernährungsverhalten bis ins Erwachsenenalter ausbildet und verfestigt. Die Schulverpflegung spielt daher nicht nur eine zentrale Rolle in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, sondern kann auch einen nachhaltigen Beitrag zum Gesundheitsverhalten in der Bevölkerung insgesamt leisten.

  • Verbot von an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung: Die Lebensmittelindustrie bewirbt fast ausschließlich ungesunde Nahrungsmittel, die viel Zucker, Fett oder Salz enthalten und die Entstehung von Übergewicht fördern; dazu gehören Süßwaren, stark zuckerhaltige Frühstückscerealien, Milchprodukte und Softdrinks. Kinder können häufig Werbebotschaften als solche nicht erkennen. Daten belegen, dass Kindermarketing das Risiko erhöht, überschüssiges Gewicht zuzulegen. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie haben sich als wirkungslos erwiesen.

Diese vier Maßnahmen werden auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Globalen Aktionsplan gegen nichtübertragbare Krankheiten 2013-2020 empfohlen. Mit der politischen Deklaration des ersten UN-Gipfels zur Prävention und Kontrolle nichtübertragbarer Krankheiten 2011 und der Annahme des Globalen NCD-Aktionsplans bei der Weltgesundheitsversammlung 2013 ist Deutschland die Selbstverpflichtung eingegangen, die empfohlenen Politikstrategien umzusetzen. Jetzt kommt es darauf an, dies auch zu tun.


Weitere Informationen zur Pressekonferenz finden Sie auf der Homepage der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Link...


Quellen

Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft vom 12. November 2014 "Den Tsunami der chronischen Krankheiten stoppen. Vier Maßnahmen für eine wirksame und bevölkerungsweite Prävention". Link...

Strategiepapier der Arbeitsgruppe Adipositasprävention in der Deutschen Allianz gegen Nichtübertragbare Krankheiten (NCD Allianz). Berlin. November 2014. Link...




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Seite erstellt am: 13.11.2014 11:06:00
Autor/-in der Seite: NCD-Allianz
Quelle: Deutschen Allianz gegen Nichtübertragbare Krankheiten (NCD Allianz)