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Ansatz zur Bewegungsförderung in der Kommune


Montag, 23. März 2015

Walkability: Bewegung in der kommunalen Praxis


StadtpanoramaKörperliche Inaktivität ist mittlerweile zu einem bedeutsamen Gesundheitsproblem geworden. Wie lässt sich Bewegung stärker in den Alltag integrieren? Mit ihrem Buch „Walkability“ stellen Jens Bucksch und Sven Schneider nun einen neuen Ansatz zur Bewegungsförderung in der Kommune vor.

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sollten Erwachsene 150 Minuten pro Woche moderat-intensiv körperlich aktiv sein, für Kinder werden täglich 60 Minuten Bewegung empfohlen. Wie Studien zeigen, werden diese Empfehlungen jedoch von einem Großteil der Kinder und Erwachsenen nicht erreicht. Ursachen dafür sind zum einen individuelle Faktoren wie das mangelnde Wissen über gesundheitliche Konsequenzen, zum andern werden Bewegungsdefizite wenig bewegungsfreundlichen Lebensbedingungen zugeschrieben. So belegen Studien, dass die Erreichbarkeit von Parks und anderen Bewegungsräumen einen Einfluss auf das Bewegungsverhalten nimmt (S. 49).

Damit einhergehend wenden sich auch die Herausgeber des Buches "Walkability" von den lange Zeit vorherrschenden personenzentrierten Ansätzen der Bewegungsförderung ab und stellen mit dem Walkability-Konzept "einen transdisziplinären und intersektoral abgestimmten Ansatz (...), der bewegungsfreundliche Lebensbedingungen schafft" (S. 9), in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen.

Walkability umfasst dabei "nicht nur die Begehbarkeit, sondern in einem weiten Verständnis die gesamte Bewegungsfreundlichkeit von Straßenzügen, Stadtteilen oder urbanen Räumen" (S. 9). Interventionen auf Basis des Walkability-Ansatzes erfordern dabei nicht zwingend große städtebauliche Maßnahmen, sondern können auch in kleinen Maßnahmen wie einer verbesserten Beschilderung oder der Öffnung vorhandener Flächen für die Bevölkerung bestehen (S. 295).


Mit dem Sammelband bündeln die Herausgeber theoretische Grundlagen, methodische Standards, empirische Befunde sowie konkrete Praxisbeispiele. In 29 Kapiteln stellen Expertinnen und Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz das Konzept zur Bewegungsförderung aus der Sicht unterschiedlicher Disziplinen und Anwendungsfelder vor.


Aus Public Health-Perspektive (S. 47 ff) wird der bewegungsfreundlichen Gestaltung von urbanen und kommunalen Räumen eine bedeutende Rolle zugeschrieben, da diese eine Grundvoraussetzung für das Bewegungsverhalten darstellt und hierüber zugleich alle Bevölkerungsgruppen nachhaltig erreicht werden können. Denn insbesondere für große Bevölkerungsgruppen wie Ältere, körperlich Beeinträchtigte oder sozial Benachteiligte sind lokale Bewegungsoptionen - angesichts eingeschränkter Mobilität - wesentlich.

Die Autorinnen und Autoren der Veröffentlichung sprechen dem Walkability-Ansatz somit großes Potenzial zu, weisen jedoch zugleich auf die derzeit unklare Evidenzlage hin. Denn obwohl sich die empirische Evidenz mehrt, dass Aspekte der Walkability das Bewegungsverhalten positiv beeinflussen können, mangelt es derzeit an belastbaren Längsschnittuntersuchungen (S. 241 ff). Darüber hinaus resultiert die noch unklare Evidenzlage aus der Tatsache, dass ein Großteil der walkability-relevanten Maßnahmen ohne eine begleitende, gesundheitswissenschaftliche Evaluation erfolgt (S. 296).


Mit dem Sammelband "Walkability. Das Handbuch zur Bewegungsförderung in der Kommune" liegt die erste deutschsprachige Einführung in den Walkability-Ansatz vor. Die Beiträge dieses Sammelbandes geben eine systematische Einführung in das Forschungsfeld aus unterschiedlichen Perspektiven und legen dabei einen Schwerpunkt auf konzeptionelle und methodische Aspekte; der Praxisbezug wird hingegen nur angeschnitten. Insofern eignet sich das Buch vorrangig für Personen, die sich das Forschungsfeld "Walkability" einarbeiten möchten.

Hilfreich für den Leser/die Leserin sind insbesondere die von den Herausgebern eingefügten zusammenfassenden Betrachtungen am Ende eines jeden Themenkomplexes. Diese führen die zuvor aufgeführten Ergebnisse übersichtlich zusammen und ermöglichen so einen schnellen Überblick.


Quelle

Bucksch J, Schneider S (2014): Walkability. Das Handbuch zur Bewegungsförderung in der Kommune. Verlag Hans Huber, Bern. 352 Seiten, Preis: 49,95 Euro.




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Seite erstellt am: 23.03.2015 12:46:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig






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