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Interview mit Prof. Corinna Petersen-Ewert


Donnerstag, 21. Mai 2015

Prävention, Pflege und Berufstätigkeit – (wie) passt das zusammen?!


Mann bekommt Hilfe beim AufstehenWie kann Prävention stärker in die Pflege integriert werden; wie lassen sich Berufstätigkeit und Pflege besser vereinen? – Ansatzpunkte liefert Corinna Petersen-Ewert, Professorin für Gesundheits- und Sozialwissenschaften an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, im Interview mit der BVPG.

BVPG: Sehr geehrte Frau Prof. Petersen-Ewert, welche Rolle spielen Prävention und Gesundheitsförderung derzeit in der (professionellen) Pflege?

Die Relevanz von Gesundheitsförderung und Prävention für die Pflege rückt immer mehr in den Mittelpunkt. Die Rolle, die Gesundheitsförderung und Prävention für die Pflege spielen könnte, ist jedoch noch nicht deutlich verankert. Zwar wird insbesondere die Prävention bzw. das präventive Handeln als untrennbarer Bestandteil pflegerischen Handelns betrachtet, jedoch werden Pflege und Gesundheitsförderung bzw. Prävention in der Öffentlichkeit noch häufig als Gegensätze betrachtet.


BVPG: Wie könnte eine stärkere Verzahnung erreicht werden?

Für Deutschland kann als ein wesentlicher Schritt zur Verankerung der Gesundheitsförderung in der Pflege die Umbenennung der Berufsbezeichnung im Krankenpflegegesetz zum bzw. zur Gesundheits- und Krankenpfleger/in vermerkt werden. Die Berufsbezeichnung weist darauf hin, dass Gesundheitsförderung eine Rolle in der Gestaltung des pflegerischen Handelns einnehmen soll. Jedoch muss ebenfalls festgestellt werden, dass es derzeit noch an konkreten pflegetheoretischen wie auch pflegewissenschaftlichen Konzepten mangelt. Im Wesentlichen konzentrieren sich pflegerisch orientierte Konzepte auf die Salutogenese und die aktivierende Pflege oder Selbstpflege, ohne jedoch die strukturellen Rahmenbedingungen von Gesundheitsförderung und Prävention vertiefend in den Fokus zu nehmen.


BVPG: Wie können gesundheitsfördernde Maßnahmen im Bereich der Pflege denn besser umgesetzt werden?

Pflegen bedeutet, Kompetenzen zu fördern, die die autonome Bewältigung des Alltags ermöglichen. Hiermit wird ein Kernelement von Gesundheitsförderung angesprochen. Das Spektrum der Möglichkeiten und Handlungsfelder für die Pflege ist breit. Damit die Relevanz der Gesundheitsförderung für die Pflege in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken kann und gesundheitsförderliche Konzepte weiterentwickelt und angewendet werden können, müssen gesundheitsrelevantes Wissen und Vermittlungskompetenzen geschult werden. Hierzu sind methodisch hochwertige Studien zu Effekten pflegerischer Gesundheitsförderung notwendig. Auch von der Akademisierung der Pflege sind wesentliche Impulse zu erwarten, denn Gesundheitsförderung und Prävention sind feste Bestandteile der entsprechenden Curricula. Des Weiteren müssen wir daran arbeiten, die strukturellen Rahmenbedingungen für eine verbesserte sektorenübergreifende Versorgung zu optimieren und über Verantwortungsgrenzen hinweg gesundheitsförderliche Konzepte in Lebenswelten zu integrieren.


BVPG: Ein derzeit viel diskutiertes Thema stellt die Vereinbarkeit von Beruf und häuslicher Pflege dar. Welche Herausforderungen sehen Sie hier?

Erwerbstätige Pflegende sind häufiger von psychischen und physischen gesundheitlichen Beeinträchtigungen betroffen. Belastungen durch die Pflegesituation, die zuerst als private Belange erlebt werden, führen zu Beeinträchtigungen am Arbeitsplatz. Wird die Pflegesituation nicht thematisiert, kann dies zu Missverständnissen und Unmut bei Kollegen und Vorgesetzten führen. Gesellschaftlich wird, vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, unter anderem über ungenutzte Potentiale und erhöhte Sozialausgaben diskutiert. Eine längere Berufsaufgabe führt unter Umständen zu dem Verlust von Routinen und Wissen und einer erschwerten Rückkehr an den Arbeitsmarkt. Leider stellt die Pflege eines älteren Menschen weiterhin oftmals ein Tabu am Arbeitsplatz dar.


BVPG: Welche Ansätze gibt es, um die Situation informell Pflegender zu verbessern?

Erfreulicherweise existieren bereits ganz unterschiedliche Ansätze zur Unterstützung der Vereinbarkeit von Beruf und häuslicher Pflege und häufig hinzukommend auch noch der Familie. Und genau diese Palette an Möglichkeiten sollte auch zur Anwendung kommen und ausgebaut werden. Auf der politischen Ebene stellen das Familienpflegezeitgesetz und Pflegezeitgesetz Unterstützungsmöglichkeiten dar, die sicherlich noch nicht weit genug gehen. Viel Kritik wurde insbesondere am Familienpflegezeitgesetz geübt. So wurden u.a. eine potentielle Verfestigung der unentgeltlichen, vor allem von Frauen übernommenen Familienpflege und die zeitliche Befristung der Maßnahme kritisch diskutiert.


BVPG: Wie können Unternehmen dazu beitragen, pflegende Angehörige zu entlasten?

Unternehmen sollten eine Vielfalt von Unterstützmöglichkeiten anbieten. Dies würdeAngebote beinhalten, die auf eine informelle Unterstützung abzielen (z.B. konkrete Ansprechpartner, Informationsveranstaltungen, pflegesensible Unternehmenskultur). Des Weiteren sollte das Unternehmen die bestehenden Unterstützungsangebote von sozialen Diensten nutzen und gut mit den Anbietern - wie u.a. den Pflegestützpunkten - vernetzt sein. Als wichtige Vereinbarungslösungen haben sich vor allem Möglichkeiten der beruflichen Reorganisation herausgestellt. Dazu gehören neue Arbeitsformen wie Heim- oder Telearbeit und eine flexible Arbeitszeitgestaltung. Beide Lösungsansätze bieten die Möglichkeit, den Zeitpunkt der Arbeitsleistung zumindest teilweise selbst festzulegen und Arbeitszeit zu bündeln oder zu splitten. Eine Anpassung an die wechselnden kurzfristigen Pflegeanforderungen wird erleichtert. Allerdings gehen diese Lösungsstrategien weiterhin leider mit Verdiensteinschränkungen und verringerter Altersvorsorge einher.


BVPG: Frau Prof. Petersen-Ewert, vielen Dank für das Interview!


Zum ungekürzten Interview gelangen Sie hier.


Das Themenfeld "Prävention und Pflege" steht auch im Mittelpunkt des 7. gemeinsamen Präventionskongresses des Bundesministeriums für Gesundheit und der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. am 22. Juni 2015 in Berlin. Weitere Informationen zum Kongress erhalten Sie hier.




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Seite erstellt am: 21.05.2015 15:26:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig






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