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Gewalterfahrungen am Arbeitsplatz


Montag, 23. Mai 2016

Gewalt am Arbeitsplatz – Settingbezogene Ansätze zur Prävention


BerufsgruppenDass Gewalterfahrungen am Arbeitsplatz nicht nur bestimmte Beschäftigte wie Polizistinnen oder Psychiater, sondern alle Berufsgruppen betreffen können, zeigen Prof. Albert Nienhaus und sein Team im Rahmen eines aktuellen Beitrags und stellen dabei auch Ansätze zur Prävention heraus.

Gewalt am Arbeitsplatz umfasst einer Definition der Internationalen Labour Organisation und der Europäischen Union zufolge "jede Handlung, Begebenheit oder von angemessenem Benehmen abweichendes Verhalten, wodurch eine Person im Verlauf oder in direkter Folge ihrer Arbeit schwer beleidigt, bedroht, verletzt oder verwundet wird" (S. 88).

Dabei gilt es, unterschiedliche Formen der Gewalt zu unterscheiden. Im Rahmen ihres Beitrags heben die AutorInnen insbesondere drei Formen von Gewalt hervor:

  • Mobbing beschreibt ein Verhalten von Vorgesetzten oder KollegInnen, das systematisch und langfristig  auf die Erniedrigung einer Person abzielt. Auswertungen einer europaweiten Erhebung zufolge gaben vier Prozent der Männer und fünf Prozent der Frauen an, in den letzten zwölf Monaten gemobbt worden zu sein.
  • Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz umfasst jedes sexuell bestimmte Verhalten, das die Würde von Beschäftigten am Arbeitsplatz verletzt. Einer aktuellen Umfrage im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zufolge haben 49 Prozent der deutschen Frauen und 56 Prozent der Männer schon einmal Belästigungssituationen am Arbeitsplatz erlebt.
  • Arbeitsunfälle, die durch Gewalt und Aggression bedingt sind, führen Statistiken der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zufolge bei etwa 16.000 Beschäftigten im Jahr zu einer längeren Arbeitsunfähigkeit. Dabei entfällt etwa jeder fünfte meldepflichtige Arbeitsunfall auf "betriebseigene Personen" - dazu gehören z.B. KollegInnen, Betreute und PatientInnen.

Wie die AutorInnen auf Grundlage vorhandener Studienergebnisse ausführen, können die Folgen von Gewalt am Arbeitsplatz vielfältig sein. Im Vordergrund stehen meist psychische Folgen, die bspw. in Form einer reduzierten Arbeitszufriedenheit, Verunsicherung oder Erschöpfungsgefühlen zum Ausdruck kommen können. Ebenso sind Reaktionen wie Angstzustände, Depressionen oder sozialer Rückzug möglich. 

  

Wie lässt sich Gewalt am Arbeitsplatz vorbeugen?

Wie die AutorInnen ausführen, lässt sich das Belastungsempfingen von Beschäftigten durch vorbeugende Maßnahmen reduzieren. Ein gelingendes Präventionskonzept verzahnt technische, organisatorische und auf Personen bezogene Maßnahmen. Dazu gehören u.a.

  • die Qualifizierung von Beschäftigten im Hinblick auf deeskalierende Kommunikation,
  • die Erstellung eines Notfallmanagements,
  • die Aufklärung von Beschäftigten zum Thema, u.a. auch zu ihren Rechten bei Diskriminierung,
  • die Einrichtung betrieblicher Beschwerdestellen,
  • die Erstellung von Hausordnungen sowie
  • das Angebot von Selbstbehauptungstrainings, insbesondere für BerufsanfängerInnen.

Damit Präventionsmaßnahmen erfolgreich sind, müssen diese Nienhaus et al. zufolge auf unterschiedliche Branchen zugeschnitten werden und Betrieben die Möglichkeit geben, Maßnahmen entsprechend ihrer Gewaltsituation und Beschäftigten zu modifizieren.

Grundvoraussetzung für eine gelingende Prävention von Gewalt am Arbeitsplatz ist weiterhin eine "betriebliche Kultur, die offen, systematisch und lösungsorientiert" (S. 93) mit dem Thema umgeht. Dazu gehört auch, dass Führungskräfte für ein Betriebsklima sorgen, das einen ernsthaften Austausch ermöglicht und Betroffene ernst nimmt, so die AutorInnen. 

 

 

Quelle

Nienhaus A et al. (2016): Gewalt und Diskriminierung am Arbeitsplatz. Gesundheitliche Folgen und settingbezogene Ansätze zur Prävention und Rehabilitation. In: Bundesgesundheitsblatt 2016, 59: 88-97.

 

 


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Seite erstellt am: 23.05.2016 09:28:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig






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