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Startseite : Prävention allgemein : Beiträge - 2011 : Verbreitung psychischer Störungen in Europa


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Verbreitung psychischer Störungen in Europa


Dienstag, 20. September 2011

Jeder Dritte in Europa leidet an psychischer Störung – am weitesten verbreitet sind Angststörungen


Fast jede siebte Person in Europa hat eine Angststörung, so die Ergebnisse einer europaweit durchgeführten Studie. 7 % leiden an schweren Depressionen, mehr als 6 % an spezifischen Phobien und rund 5 % an somatoformen Störungen. Besonders stark betroffen sind demnach Frauen: abgesehen von drogenbedingten und psychotischen Störungen ist ihr Risiko für eine psychische Störung 2,5- bis 3-mal höher als das von Männern.

Die hohe Zahl an psychisch Beeinträchtigten mag verwundern, so die Autorinnen und Autoren einer europaweit durchgeführten Studie, berücksichtigt wurden allerdings nicht einfach psychische Probleme, sondern „klinisch hoch relevante, spezifische Krankheitsbilder", die mit standardisierten diagnostischen Instrumenten erfasst und anhand offizieller Diagnoseklassifikationen bewertet wurden.

Rund ein Drittel der Krankheitslast in Europa – gemessen in DALY* – ist nach Angaben des internationalen Forscherteams auf psychische Störungen zurückzuführen, obwohl diese Erkrankungen in den seltensten Fällen tödlich verlaufen.

Bereits 2005 hatten die Forscherinnen und Forscher eine umfassende Studie zur Verbreitung psychischer Erkrankungen in Europa veröffentlicht. Damals lag ihre Schätzung noch bei 27 % psychisch Erkrankter in Europa – gegenüber 38,2 % in der aktuellen Studie. Diese Diskrepanz erklären sie mit der Ausweitung der einbezogenen Krankheiten. So wurden in die aktuelle Studie beispielsweise auch an Borderline Erkrankte, Demente und geistig Behinderte einbezogen. Zudem wurde die 2005er Studie um Jugendliche und Personen über 65 Jahren ausgeweitet.

In den 27 EU-Staaten zuzüglich der Schweiz, Norwegen und Island sind demnach rund 165 Millionen Personen durch eine psychische Störung beeinträchtigt. Besonders brisant: nur die wenigsten Personen mit einer Störung bekommen professionelle Hilfe, Wartezeiten für eine Behandlung sind oft monate-, teilweise jahrelang und lediglich in geschätzten 10 % der Fälle erfüllt die Behandlung die Minimalstandards publizierter Behandlungsleitlinien.  


*DALY (Disability-adjusted life years) ist ein Konzept um die Beeinträchtigung des Lebens durch Krankheiten messbar zu machen. Dabei wird zum einen die Verminderung der Lebensqualität durch Krankheit berücksichtigt. Zum anderen wird auch eine mögliche frühere Sterblichkeit einbezogen. Je höher die Summe der DALYs – gemessen als Anteil an Lebensjahren (bspw. 270 DALY/1.000 Lebensjahre) –, desto stärker beeinträchtigt eine Krankheit das Leben.


Quelle: Wittchen, H. U., et al. (2011): „The size and the burden of mental disorders and other disorders of the brain in Europe 2010"; in: European Neuropsychopharmacology; 21, Seite 655-679. Die Studie finden Sie hier als Volltext im pdf-Format.       


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Seite zuletzt geändert am: 20.09.2011 07:03:00, ursprünglich angelegt am: 13.09.2011 10:08:00
Autor/-in der Seite: Felix Lüken
Quelle: siehe Text






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