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Wohin mit den Gefühlen? - Verdrängung kann krank machen


Montag, 9. Januar 2012

Wohin mit den Gefühlen? - Verdrängung kann krank machen


Schon der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, vermutete, dass die Verdrängung unerwünschter Gefühle und Gedanken ins Unbewusste krank machen könnte. Jetzt zeigte eine Studie: Menschen, die häufig verdrängen, haben ein erhöhtes Risiko insbesondere für Herz-Kreislaufkrankheiten. Auf das eigene psychische Wohlbefinden zu achten und "Psychohygiene" zu betreiben, ist also ein wichtiger Bestandteil der eigenen Gesundheitsvorsorge.

Der Psychologe Marcus Mund und seine Kollegin Kristin Mitte von der Universität Jena untersuchten in einer Metaanalyse die Daten von 6.775 Patienten. Insgesamt betrachteten die beiden Forscher 22 Studien, in denen alle Patienten Fragebögen ausgefüllt hatten, mithilfe derer beurteilt werden konnte, ob sie ihre Gefühle und Gedanken häufig verdrängen oder nicht (Operationalisierung nach Weinberger, Schwartz und Davidson, 1979). Darunter fanden sich 10 krankheitsspezifische Studien zu Krebs, kardiovaskulären Erkrankungen und Asthma. Die Wissenschaftler werteten die Studien sowohl in ihrer Gesamtheit als auch einzeln aus. Dann untersuchten sie anhand der Daten, welche Krankheiten die "Verdränger" und die "Nicht-Verdränger" entwickelten. Es stellte sich heraus: Die "Verdränger" hatten ein höheres Risiko, an Krebs und Bluthochdruck zu erkranken (log Odds für Krebs: 0,41; 95% Konfidenzintervall (CI): 0,09‑0,73, p = 0,012; log Odds für Bluthochdruck: 0,59; 95% CI: 0,32‑0,86, p < 0,0001).

Bereits eine frühere Studie aus dem Jahr 2007 konnte den Zusammenhang zwischen Verdrängung und Bluthochdruck nachweisen. Die Psychologin Janine Giese-Davis (Stanford-University, USA) und ihre Kollegen untersuchten 31 Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs, die an einer Gruppenpsychotherapie teilnahmen. Der Mechanismus "Verdrängung" war signifikant mit einem erhöhten diastolischen Blutdruck verbunden. Hingegen war die Unterdrückung von Feindseligkeit mit einem erhöhten systolischen Blutdruck assoziiert.

Auch, wenn die Studienergebnisse keine eindeutigen Rückschlüsse auf Ursache-Wirkungszusammenhänge zulassen, so ergeben sich dennoch deutliche Hinweise darauf, dass psychische Vorgänge einen Einfluss auf den Körper haben, was insbesondere im Hinblick auf den Bluthochdruck deutlich wird.


Quellen:
Marcus Mund, Kristin Mitte: The costs of repression: A meta-analysis on the relation between repressive coping and somatic diseases. Health Psychology, Nov 14, 2011, No Pagination Specified. doi: 10.1037/a0026257.
Das Abstract finden Sier hier.
Janine Giese-Davis, Ansgar Conrad, Bita Nouriani, David Spiegel: Exploring emotion-regulation and autonomic physiology in metastatic breast cancer patients: Repression, suppression, and restraint of hostility. Personality and Individual Differences, Volume 44, Issue 1, January 2008, Pages 226-237, doi:10.1016/j.paid.2007.08.002.
Das Abstract finden Sie hier.



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Seite zuletzt geändert am: 09.01.2012 09:45:00, ursprünglich angelegt am: 04.01.2012 09:45:00
Autor/-in der Seite: Dr. Dunja Voos