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Großeltern 'vererben' Bildung an Enkel


Dienstag, 2. April 2013

Ein guter Kommunikationsstil erhöht die Chancen auf gute Bildung – Großeltern 'vererben' Bildung an Enkel


Oma spielt mit EnkelnKinder gebildeter und finanziell abgesicherter Eltern haben gute Bildungs- und damit auch gute Gesundheitschancen. So leben zum Beispiel 45-jährige Männer mit Abitur im Schnitt fünf Jahre länger als Männer mit Hauptschulabschluss (Bertelsmann-Stiftung 2012). Welche Rolle die Sprache bei der Bildung spielt und ob die Vorteile eines hohen sozioökonomischen Status auch noch in der dritten Generation zu finden sind, untersuchten jetzt amerikanische Wissenschaftler.

Studien haben gezeigt, dass Eltern mit einem hohen Sozialstatus, also mit einem hohen Einkommen und/oder einem hohen Bildungsgrad, mehr Zeit damit verbringen, mit ihren Kindern ausführlich und geduldig zu sprechen. Mütter mit einem höheren sozialen Status sprechen erwiesenermaßen viel und lange mit ihren Kindern - außerdem benutzen sie ein reiches Vokabular. Studien konnten zeigen, dass die Kinder gut gebildeter Eltern schon im Kleinkindalter sprachlich weit entwickelt sind. Gebildete Eltern ermutigen ihre Kinder stärker zur Kommunikation als Eltern mit einem niedrigeren Bildungsstand.

Im Rahmen des "Family Transitions Project" (FTP, Link) konnten die Autoren die Daten von 139 Familien auswerten. Die Befragungen der ersten und zweiten Generation fanden zwischen den Jahren 1989 und 1991 statt. Hier ermittelten die Wissenschaftler den sozioökonomischen Status der Familie (Erste Generation), deren Kinder zu diesem Zeitpunkt die 7. oder 9. Klasse der weiterführenden Schule besuchten. Die zweite Generation wurde von diesem Zeitpunkt an jährlich erneut interviewt. Die dritte Generation konnte schließlich von 1997-2003 untersucht werden - diese Kinder waren zum Zeitpunkt der ersten Untersuchung mindestens 18 Monate und zum Zeitpunkt der Vorschul-Untersuchung durchschnittlich 36,8 Monate alt. Ihre Eltern (also die 2. Generation) hatten ein Durchschnittsalter von 22,12 Jahren. 15% dieser Eltern waren Singles. Bei dieser zweiten Generation berücksichtigten die Forscher nur den Bildungsgrad, nicht das Einkommen, denn das Einkommen ist während der langen akademischen Ausbildungen in jungen Jahren noch gering.


Die Kommunikation wurde genau beobachtet

Mitarbeiter des wissenschaftlichen Teams besuchten die Familien der ersten und zweiten Generation und führten ausführliche Gespräche mit ihnen durch. Außerdem stellten sie den Familien Aufgaben wie z.B. Problemlösungen zu finden und filmten sie dabei. Ausgewertet wurden die Ergebnisse mithilfe der "Iowa Family Interaction Rating Scales" (IFIRS).

Die Kinder der dritten Generation wurden dabei gefilmt, wie sie ein Puzzle lösten und Spielzeug aufräumten. Die Aufgaben waren bewusst für ihr Alter zu schwierig gestaltet, sodass die Kinder automatisch eine Kommunikation mit den Eltern aufnahmen. Auch diese Interaktionen wurden gefilmt und mittels IFIRS ausgewertet. Die Wissenschaftler ermittelten den passiven Wortschatz der Kinder mithilfe des "Peabody Picture Vocabulary Test (Revised)" (PPVT-R) - es wurde also lediglich gemessen, wieviele verschiedene Worte die Kinder erkennen.


Wohlstand kommt dritter Generation zugute

Es zeigte sich, dass der Bildungsgrad der Teilnehmer der zweiten Generation vom Einkommen ihrer Eltern abhing: Je höher das Einkommen der ersten Generation, desto höher der Bildungsgrad der zweiten Generation. Die Ausbildungszeit der zweiten Generation war mit durchschnittlich 13,57 Jahren nur geringfügig länger als die der ersten Generation mit 12,92 Jahren.

Je höher das Einkommen und der Bildungsgrad der ersten Generation, desto besser war der Kommunikationsstil dieser ersten Generation. Je besser der Kommunikationsstil der ersten Generation, desto höher war der Bildungsgrad der zweiten Generation. Ein guter Kommunikationsstil der zweiten Generation führte zu einem großen passiven Wortschatz in der dritten Generation, also bei den Vorschulkindern.

So konnten die Autoren nachweisen, dass ein guter sozioökonomischer Status einer Familie auch den nachfolgenden zwei Generationen gute Bildungschancen ermöglicht. Kinder, deren Eltern über einen hohen Bildungsgrad verfügen, entwickeln sich in dieser Studie sprachlich besser als Kinder, deren Eltern einen niedrigeren Bildungsstand aufweisen. Die gebildeten Eltern sprechen geduldiger und wortreicher mit ihren Kindern. Außerdem nutzen sie einen Kommunikationsstil, der die Kinder zu Antworten anregt.

Die Autoren schließen aus der Studie, dass insbesondere ein klarer und responsiver Kommunikationsstil der Eltern bestimmt, wie groß das Vokabular der Klein- und Vorschulkinder ist. Die vorliegende Studie hat insbesondere die Qualität der Kommunikation in den Blick genommen. Zukünftige Studien sollten auch weitere Faktoren berücksichtigen, wie z.B. die Menge an Zeit, die die Eltern mit den Kindern verbringen, so die Autoren.


Quellen

Sohr-Preston, Sara L. et al. (2012): Parental Socioeconomic Status, Communication, and Children's Vocabulary Development: A Third-Generation Test of the Family Investment Model- Child Development 2012; Article first published online: 30 NOV 2012, doi: 10.1111/cdev.12023
Das Abstract zum Artikel finden Sie hier.

Mielck, Andreas et al. (2012): Wirksame Bildungsinvestitionen. Folgen unzureichender Bildung für die Gesundheit. Bertelsmann-Stiftung 2012.
Die Studie können Sie hier als PDF-Datei herunterladen.




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Seite erstellt am: 02.04.2013 09:03:00
Autor/-in der Seite: Dr. Dunja Voos






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