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Kulturelle Perspektive auch für Gesundheitsförderung relevant


Dienstag, 18. Juni 2013

Stress, Kultur und Gesundheit: Ein Handbuch


Mehrere Menschen mit MigrationshintergrundDass Stress sich negativ auf die Gesundheit auswirken kann, ist bekannt. Doch welche Rolle spielen kulturelle Prägungen in diesem Zusammenhang? Die Wechselwirkungen von Kultur, Stress und Gesundheit stellt das Autorenteam um Prof. Dr. Petia Genkova in einem neu erschienenen Überblickswerk dar.

Die kulturelle Perspektive findet bisher noch zu wenig Berücksichtigung, obwohl diese im Hinblick auf eine erfolgreiche Prävention undGesundheitsförderung von Bedeutung ist wie einzelne Beiträge des Überblickswerkes „Handbuch Stress und Kultur" herausstellen. Das Buch stellt den aktuellen Forschungsstand zum Zusammenhang von Kultur, Stress und Gesundheit dar und verfolgt dabei einen interdisziplinären Ansatz. Die Veröffentlichung richtet sich vornehmlich an Personen, die in interkulturellen Arbeitsbereichen wie Psychologie, Pädagogik, Medizin, Sozialwissenschaften und Sozialarbeit tätig sind, ist aber vor dem Hintergrund der zunehmenden Globalisierung in der Arbeitswelt ebenso für Führungskräfte, Personalbeauftrage und BeraterInnen von Relevanz.


Im Buch wird zwischen einer kulturvergleichenden und einer interkulturellen Perspektive unterschieden. Erstere gibt Aufschluss darüber, welche Ursachen dem Stresserleben zugrunde liegen, wie sich diese manifestieren und welche Konsequenzen das Stresserleben charakterisieren. Bei der interkulturellen Perspektive stehen hingegen die Belastungen, die durch interkulturelle Interaktionen entstehenden, sowie deren Bewältigung im Vordergrund.


Das Buch gliedert sich in vier übergeordnete Themenbereiche:

- Stress und Gesundheit im kulturellen Kontext: Theorien und Konzepte

- Forschungsmethoden und Datenauswertung

- Stress und Gesundheit im Kulturvergleich

- Interkulturelle Aspekte von Stress und Gesundheit


Aus Präventionsperspektive sind besonders die Themenbereiche drei und vier von Bedeutung. Der dritte Themenbereich umfasst die Darstellung kulturvergleichender Studienergebnisse für ausgewählte Konzepte aus dem Bereich der Stress- und Gesundheitsforschung. Er nimmt Bezug auf die Entwicklung von Emotionen und Prüfungsängstlichkeit im Kulturvergleich und zeigt Unterschiede im Stresserleben und der Stressbewältigung auf. Darüber hinaus beschäftigt sich der Themenbereich mit dem Konstrukt der sozialen Unterstützung. Das entsprechende Kapitel zeigt auf, dass Angehörige unterschiedlicher Kulturkreise unterschiedliche Formen sozialer Unterstützung bevorzugen. Wie und bei wem soziale Unterstützung gesucht wird, ist abhängig von kulturell bedingten Normen und verinnerlichten Regeln. Diese kulturellen Unterschiede spielen vor allem bei der psychosozialen und psychologischen Beratung von Migranten oder Flüchtlingen eine Rolle.


Im Rahmen des vierten Themenbereichs werden die Entstehung und Bewältigung von stress- und gesundheitsbezogenen Phänomenen in interkulturellen Settings in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt. Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Globalisierung nimmt besonders die Bedeutung des Settings Arbeitswelt zu. Wie die entsprechenden Kapitel zeigen, entstehen für Beschäftigte mit Migrationshintergrund per se Belastungen durch kulturelle, sprachliche, ökonomische und soziale Barrieren. Hinzu kommt, dass diese Beschäftigten mehrheitlich in prekären Beschäftigungsverhältnissen zu finden sind und damit Tätigkeiten mit geringen Gestaltungsmöglichkeiten oder Handlungsräumen nachgehen. Darüber hinaus erleben sie Studienergebnissen zufolge häufiger Diskriminierung, werden Opfer von Konflikten oder verbalen Angriffen. Stehen derartigen Stressoren nur begrenzte (soziale) Ressourcen entgegen, wirkt sich dies negativ auf die Gesundheit aus. Eine interkulturelle Ausrichtung der Gesundheitsförderung in Betrieben ist jedoch – besonders bei prekären Arbeitsverhältnissen – bisher unzureichend etabliert.


Das vorgestellte Handbuch bildet den Forschungsstand zum Zusammenhang von Kultur, Stress und Gesundheit verständlich ab; das breite thematische Spektrum der abgedruckten Beiträge bietet einen Ausgangspunkt für eine professionelle Auseinandersetzung mit interkulturellen und kulturvergleichenden Perspektiven. Die Veröffentlichung ist damit gut geeignet, um Menschen, die in interkulturellen Settings agieren, für diese Wechselwirkungen zu sensibilisieren. Für Laien, die sich zum Thema informieren möchten, ist das Buch eher ungeeignet.


Genkova, Petia et al. (2013): Handbuch Stress und Kultur. Interkulturelle und kulturvergleichende Perspektiven; Wiesbaden, Springer VS; 516 Seiten; Preis: 39,99 €.




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Seite erstellt am: 18.06.2013 13:36:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig






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