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Arbeitslose schwer durch 'klassische' Maßnahmen zu erreichen


Donnerstag, 11. Juli 2013

Langzeitarbeitslosigkeit: Bedarf für lebensweltorientierte Gesundheitsförderung


Traurige FrauPräventive Angebote im Lebensumfeld der Menschen zählen zum „State of the Art“ der Gesundheitsförderung. Eine aktuelle Übersichtsarbeit zur gesundheitlichen Situation bei Langzeitarbeitslosigkeit belegt erneut die Notwendigkeit eines solchen Ansatzes.

Arbeitslose zählen zu den eher schwer durch Präventionsmaßnahmen erreichbaren Zielgruppen, Angebote des Gesundheitssystems werden von ihnen seltener in Anspruch genommen (Ahs/Westerling 2006). Wie die Übersichtsarbeit von Herbig und Kollegen zeigt, bedingen sich ein schlechter Gesundheitszustand und Arbeitslosigkeit wechselseitig; Arbeitslosigkeit kann sowohl Folge von als auch Ursache für eine Erkrankung darstellen.

Das Autorenteam belegt anhand von Studienergebnissen, dass Langzeitarbeitslose ein stark erhöhtes Sterblichkeitsrisiko gegenüber Beschäftigten aufgrund von psychischen Erkrankungen aufweisen. Sie zeigen u.a., dass depressive Symptome unter Arbeitslosen doppelt so verbreitet sind. Auch treten in dieser Personengruppe Angststörungen deutlich häufiger auf.

In Bezug auf den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und körperlichen Erkrankungen weist die Datenlage ein weniger konsistentes Bild auf. Doch auch hier belegen die vom Autorenteam zusammengetragenen Studienergebnisse, dass Arbeitslose im Vergleich zu Erwerbstätigen ein höheres Risiko für bestimmte Erkrankungen wie Asthma bronchiale, Diabetes mellitus oder kardiovaskuläre Erkrankungen aufweisen. Darüber hinaus konnte beobachtet werden, dass die Mortalität durch Krebserkrankungen, kardiovaskuläre Erkrankungen und alkoholbedingte Erkrankungen - insbesondere bei Männern - mit der Dauer der Arbeitslosigkeit bis Ende des dritten Jahres ansteigt.

In ihrer Übersichtsarbeit berücksichtigt das Autorenteam weiterhin makroökonomische und sozialpolitische Einflüsse. Hierzu werden Studien herangezogen, die zeigen, dass sich finanzwirtschaftliche Krisen in der Anzahl von Suiziden widerspiegeln. So konnte ein Anstieg der Anzahl an Suiziden sowohl nach der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 als auch nach der aktuellen Europäischen Wirtschaftskrise nachgewiesen werden. Abgemildert werden kann dieser Zusammenhang Forschungsergebnissen zufolge durch staatliche Investitionen in aktive Arbeitsmarktprogramme.


Bedeutung der Ergebnisse für Prävention und Gesundheitsförderung

Wie die Ausführungen zeigen, stellen Arbeitslose eine gesundheitliche Risikogruppe dar. Notwendig sind somit gezielte Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention, die - wie durch das Präventionsgesetz angedacht - verstärkt an der Lebenswelt der Betroffenen ansetzen und spezifische Bedarfe aufgreifen. Auf diese Weise lassen sich nicht nur die psychische und physische Gesundheit von arbeitslosen Menschen stabilisieren und fördern, sondern auch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern.


Quellen

Herbig B., Dragano N., Angerer P. (2013): Gesundheitliche Situation von langzeitarbeitslosen Menschen. Deutsches Ärzteblatt, 110, Heft 23-24, 413-419.

Ahs A.M.H., Westerlin R. (2006): Health care unilization among persons who are unemployed or outside the labour force. Health Policy, 78, 178-193.




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Seite erstellt am: 11.07.2013 13:57:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig