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Startseite : Gesunde Kinder und Jugendliche : Beiträge - 2013 : Suizidgefährdete Jugendliche


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Therapieprogramm kann Familienklima verbessern


Dienstag, 13. August 2013

Suizidgefährdete Jugendliche: Spezielle Familientherapie hilft


Familienschnitt in HändenWenn es in der Familie nicht stimmt, leiden Kinder und Jugendliche besonders – manche Jugendliche werden sogar suizidal. Australische Forscher haben nun herausgefunden, dass ein spezielles Therapieprogramm das Familienklima verbessern kann. Bereits nach vier Behandlungen der Eltern reduzierten sich die Selbstmordabsichten der Jugendlichen deutlich.

Suizid ist weltweit die vierthäufigste Todesursache bei 15- bis 29-jährigen Menschen. In Australien ist Selbstmord sogar die zweithäufigste Todesursache unter den 10- bis 19-Jährigen. Häufig leiden die Jugendlichen unter zahlreichen Konflikten in der Familie. Scheidung, Tod eines Elternteils, eine konfliktreiche oder schwache Kommunikation sowie psychische Erkrankungen bei Verwandten ersten Grades sind ernstzunehmende Risikofaktoren.

Eine schlechte Beziehung zu den Eltern lässt die Kinder stärker leiden als eine schlechte Beziehung zu Freunden. Jane Pineda und Mark Dadds von der University of New South Wales, Australien, untersuchten nun, ob eine spezielle Form der Familientherapie Suizidgedanken und suizidale Handlungen bei Jugendlichen reduzieren kann. Entscheidend bei dieser Studie war, dass die Eltern sich aussuchen konnten, ob die Therapie in einem Therapiezentrum oder bei ihnen zu Hause stattfand. Die Erfahrung zeige, dass Familien eher zum Therapieabbruch neigen, wenn die Therapie in Praxen oder Kliniken durchgeführt wird, erklären die Autoren.


Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen kommen bei suizidalen Jugendlichen regelmäßig vor

Die Autoren fanden in Krankenhäusern und Notfallambulanzen 48 Eltern und 48 Jugendliche, die sich bereit erklärten, an ihrer Studie teilzunehmen. 24 Familien wurden in die Gruppe eingeteilt, die neben einer psychiatrischen Standardbehandlung ein spezielles Familienprogramm namens "Resourceful Adolescent Parent Program" (RAP-P) erhielt. Die übrigen 24 Familien wurden einer psychiatrischen Standard-Behandlung zugeführt.

Die einbezogenen Jugendlichen waren zwischen 12 und 17 Jahre alt. Alle Jugendlichen waren suizidal - sie hatten Suizidgedanken, zeigten selbstverletzendes Verhalten oder hatten bereits versucht, sich das Leben zu nehmen. Sie litten unter Depressionen, posttraumatischen Belastungs- und/oder Angststörungen. 73% berichteten davon, sich zu ritzen, 22% wurden nach eigenen Angaben sexuell missbraucht.

Die Eltern erhielten im Rahmen des RAP-P-Programms vier Sitzungen à zwei Stunden, in denen sie ihre eigenen Stärken kennenlernten, etwas über die normale Entwicklung von Jugendlichen erfuhren sowie Strategien entwickelten, um die Familienharmonie herstellen zu können.

Sechs Monate nach der letzten Behandlung untersuchten die Autoren die Familien erneut. Hierbei konnten sie die Daten von 40 Familien mit ihren Kindern auswerten - demnach waren nur acht Familien vorzeitig aus der Studie ausgestiegen; 22 Familien hatten die RAP-P-Therapie und 18 Familien die Routinebehandlung erhalten.

Die Wissenschaftler befragten die Eltern und Kinder mithilfe verschiedener Fragebögen nach ihrem psychischen Befinden. Die Befragung wurde vor der Therapie sowie drei und sechs Monate nach der Therapie durchgeführt. Ein entscheidendes Messinstrument war die überarbeitete Version des "Adolescent Suicide Qustionnaire", kurz ASQ-R. Mithilfe dieses Fragebogens ermittelten die Autoren suizidale Absichten, Drohungen, Pläne sowie Selbstverletzungen und Suizidversuche bei den Jugendlichen.

Die 22 Eltern der Therapiegruppe nahmen die angebotenen Therapiestunden zu 90% wahr. Auf einer Skala von 1 bis 6 bewerteten die Mütter die Therapie-Sitzungen als sehr hilfreich (Mittelwerte 5,45-5,68). Den Jugendlichen ging es zum Studien-Ende hin psychisch deutlich besser als vorher. Auch der ASQ-Wert, der auf Suizidalität hinweist, hatte abgenommen - und zwar deutlich stärker bei den Jugendlichen, deren Eltern die RAP-P-Behandlung erhalten hatten als bei den Jugendlichen der Routine-Gruppe.

Die Therapie verbesserte das Familienklima deutlich und trug zur Entlastung der Jugendlichen bei. Die australischen Wissenschaftler konnten zeigen, dass eine geeignete Therapie der Eltern bei Jugendlichen aus konfliktreichen Familien eine präventive Wirkung im Hinblick auf Suizidgefährdung entfalten kann.


Quelle:

Janie Pineda and Mark R. Dadds (2013): Family Intervention for Adolescents With Suicidal Behavior: A Randomized Controlled Trial and Mediation Analysis.Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry, Volume 52, Issue 8, August 2013, Pages 851-862




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Seite erstellt am: 13.08.2013 08:10:00
Autor/-in der Seite: Dr. Dunja Voos






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