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Fehlzeitenreport 2013: Interview mit Heinz Kowalski


Dienstag, 15. Oktober 2013

Gehirndoping am Arbeitsplatz


Medikamente„Doping am Arbeitsplatz“ erfährt derzeit in der Fachöffentlichkeit zunehmend an Beachtung – jüngst durch den aktuellen Fehlzeitenreport 2013. Welche Bedeutung diesem Phänomen zukommt und welche Auswirkungen sich daraus für Prävention und Gesundheitsförderung ergeben, berichtet Autor Heinz Kowalski im Interview.

BVPG: Herr Kowalski, in Ihrem Beitrag beleuchten Sie das Phänomen "Neuroenhancement". Was ist darunter zu verstehen?

Es geht um leistungssteigernde Mittel und um Wachmacher am Arbeitsplatz, also um die Einnahme von Medikamenten, ohne krank zu sein. Deshalb wird auch von "Gehirndoping" gesprochen.


BVPG: Sie stellen in Ihrem Beitrag Studienergebnisse vor, die zeigen, dass der Gebrauch verschreibungspflichtiger Psycho- und Neuropharmaka ohne medizinische Notwendigkeit in der Bevölkerung eher gering ist. Dennoch wird diesem Thema große Aufmerksamkeit durch die (Fach-)Öffentlichkeit beigemessen. Wie ist das zu erklären?

Diese Mittel werden eingenommen, um den Stress am Arbeitsplatz oder im Studium besser aushalten zu können. Es geht also um einen neuen Aspekt in der Diskussion um den Anstieg psychischer Erkrankungen. Wenn zur Zeit nur etwa 1,5% der Beschäftigten verschreibungspflichtige Mittel zur Leistungssteigerung einnehmen, hört sich das nicht dramatisch an, aber 1,5 % sind immerhin bereits 600.000 Menschen. Außerdem gibt es neben den verschreibungspflichtigen Neuroenhancern noch andere frei zugängliche Mittel, die zur Leistungssteigerung eingenommen werden - und dann sind wir bereits bei 5 % oder 2 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.


BVPG: Wie schätzen sie die zukünftige Entwicklung des Phänomens "Doping am Arbeitsplatz" ein?

Das Problem wird mit Sicherheit weiter zunehmen, wenn der Druck an den Arbeitsplätzen steigt. Es ist zu vermuten, dass die Pharmaindustrie beim Neuroenhancement bereits einen Zukunftsmarkt sieht und weitere Produkte anbieten wird. Nicht alle Substanzen werden ein Suchtpotenzial besitzen, aber als sogenannte "Einstiegsdroge" kommen einige in Frage. Gefährlich könnte der Gewöhnungseffekt sein. Deshalb sollten Führungskräfte und Betriebsärzte/-ärztinnen das Thema kennen und auf Beschäftigte achten, die solche Mittel regelmäßig einnehmen. Es gibt schließlich genug Alternativen gegen den Stress.


BVPG: Welche Handlungserfordernisse ergeben sich vor diesem Hintergrund für den Bereich "Prävention und Gesundheitsförderung"?

Die Krankenkassen und Berufsgenossenschaften, aber auch die Arbeitgeberverbände und die Gewerkschaften, sollten das Thema verstärkt aufgreifen. Dazu zählt auch eine weitere Diskussion über die Ursachen der steigenden Belastungen am Arbeitsplatz und wie diese vermieden bzw. bewältigt werden können. Gesundheitsschutz und Betriebliche Gesundheitsförderung müssen die Alternativen aufzeigen und in ihren Präventionsangeboten das Neuroenhancement-Phänomen konkret ansprechen. Bisher hat sich in diese Richtung zu wenig getan. Der Fehlzeitenreport 2013 und das ungewöhnlich starke Echo in den Medien waren jedoch schon einmal ein sehr guter Anfang.

BVPG: Herr Kowalski, vielen Dank für das Interview!



Das Interview führte Ann-Cathrin Hellwig.


Der Artikel "Neuroenhancement - Gehirndoping am Arbeitsplatz" ist erschienen im Fehlzeitenreport 2013.

Badura, B.; Ducki, A.; Schröder, H.; Klose, J.; Meyer, M. (Hrsg.) (2013): Fehlzeitenreport 2013. Verdammt zum Erfolg - Die süchtige Arbeitsgesellschaft? Zahlen, Daten, Analysen aus allen Branchen der Wirtschaft; Springer Verlag, 550 Seiten.




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Seite erstellt am: 15.10.2013 08:36:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig






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