Zu wenig pflanzliche und zu viele tierische Produkte


Mittwoch, 5. Februar 2014

Wie isst Deutschland?


Familie beim EssenDie Deutschen essen zu wenig pflanzliche und zu viele tierische Produkte, so das Fazit zahlreicher Studien zum Nahrungsmittelverzehr in Deutschland. Dabei könnten mehr Gemüse, Obst und Vollkornprodukte das Risiko für zahlreiche Krankheiten senken.

Lebensmittelverzehr von Erwachsenen

Einen Überblick zum Ernährungsverhalten Erwachsener in Deutschland liefert die Nationale Verzehrsstudie II (NVS II), im Rahmen derer knapp 20.000 Menschen in Deutschland zu ihrem Lebensmittelverzehr befragt wurden.

Wie die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, verzehren sowohl Frauen als auch Männer zu wenig Obst und Gemüse. Die DGE-Empfehlungen für den Obstverzehr von 250 g am Tag unterschreiten sechs von zehn Befragten - 65 Prozent der Männer und 54 Prozent der Frauen. Der Gemüseverzehr beträgt bei beiden Geschlechtern mit 124 g am Tag nur ein Drittel des Orientierungswerts von 400 g Gemüse am Tag.

In Bezug auf den Konsum von Fleisch, Fleischerzeugnissen und Wurstwaren werden geschlechterspezifische Unterschiede besonders deutlich: Männer essen mit 103 g am Tag doppelt so viele Fleischprodukte wie Frauen. Damit überschreiten sie den von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Richtwert von 300 bis 600 g pro Woche deutlich.

Positiv zu beurteilen ist den Studienergebnissen zufolge das Trinkverhalten beider Geschlechter. Mit mehr als zwei Litern pro Tag erreichen sowohl Frauen als auch Männer die empfohlene Trinkmenge für Erwachsene. Während Frauen mehr Wasser, Kräuter- und Früchtetees trinken, greifen Männer häufiger zu Limonaden. Darüber hinaus liegt der Alkoholkonsum von Männern deutlich über dem der Frauen. Auffällig ist hier vor allem der Alkoholkonsum von jungen Männern zwischen 19 und 24 Jahren: Diese trinken viermal so viele alkoholhaltige Getränke wie Männer anderer Altersgruppen.

Wie die übrige Bevölkerung nehmen auch ältere Frauen und Männer zu viel Fleisch und Wurst und zu wenig Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Obst und Fisch zu sich, wie der 12. Ernährungsbericht 2012 aufzeigt. Dieser widmet sich gezielt der Situation pflegebedürftiger Senioren in Privathaushalten. Den Studienprotokollen zufolge nahm der Großteil der Befragten ausreichend Vitamine und Mineralstoffe zu sich, als verbesserungswürdig wurde jedoch die Zufuhr von Ballaststoffen beurteilt.


Ernährung von Kindern und Jugendlichen

Das Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen wurde insbesondere im Ernährungsmodul der KiGGS-Studie (EsKiMo) untersucht. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die meisten Kinder und Jugendlichen - ebenso wie Erwachsene - weniger Obst und Gemüse als empfohlen zu sich nehmen. Den Befragungsergebnissen zufolge erreichen 48 Prozent der Jungen und 37 Prozent der Mädchen weniger als die Hälfte der empfohlenen Gemüsemenge.

Überschritten werden hingegen die Verzehrsempfehlungen für Fleisch, Fleischwaren und Wurst - insbesondere von den 12- bis 17-jährigen Jungen. Von diesen essen 86 Prozent deutlich mehr Fleischprodukte als empfohlen.

Auch im Hinblick auf Süßwaren, Knabbereien und Cerealien verzehren Kinder und Jugendliche den Ergebnissen der KiGGS-Studie zufolge mehr als die empfohlene Verzehrsmenge. 34 Prozent der Jungen und 24 Prozent der Mädchen nehmen sogar mehr als die dreifache empfohlene Energiemenge über Süßigkeiten auf.

Ein ähnliches Bild liefern auch Befunde zum Ernährungsverhalten von Kleinkindern: Wie die Auswertungen der GRETA-Studie (German Representative Study of Toddler Alimentation) zeigen, essen diese zu wenig Getreideprodukte und Gemüse, dafür aber zu viel Fleisch und Süßigkeiten. Ebenso besteht Verbesserungsbedarf im Hinblick auf das Trinkverhalten im Kleinkindalter: Über Getränke sollten diese 600 bis 700 ml Wasser pro Tag zuführen, durchschnittlich trinken Kleinkinder jedoch nur etwa 60 Prozent der vorgesehenen Menge.


Quellen

Nationale Verzehrsstudie II

  • Nationale Verzehrsstudie II. Lebensmittelverzehr und Nährstoffzufuhr auf Basis von 24h-Recalls. Zur Studie gelangen Sie hier.
  • Nationale Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht, Teil 2. Die bundesweite Befragung zur Ernährung von Jugendlichen und Erwachsenen. Zum Ergebnisbericht gelangen Sie hier.

12. Ernährungsbericht 2012

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: 12. Ernährungsbericht 2012. Zur Homepage der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gelangen Sie hier.

EsKiMo

  • Ernährungsstudie als KiGGS-Modul (EsKiMo). Zum Forschungsbericht gelangen Sie hier.

GRETA

  • Hilbig A, Alexy U, Drossard C, Kersting M (2011) GRETA: Ernährung von Kleinkindern in Deutschland. Aktuelle Ernährungsmedizin 36:8



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Seite erstellt am: 05.02.2014 14:16:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig