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Gesellschaftliche Trends beeinflussen das Ernährungsverhalten


Donnerstag, 20. Februar 2014

Essen in modernen Zeiten. Wie gesellschaftliche Trends die Ernährung verändern


Currywurst und PommesStändige Erreichbarkeit, Flexibilität und wachsende Mobilität prägen vielfach das Arbeits- und Privatleben und tragen zur Beschleunigung des Alltags bei. Auch das Ernährungsverhalten als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen steht unter dem Einfluss dieser Trends, wie eine Zusammenschau aktueller Beiträge in der „Ernährungsumschau“ zeigt.

„Ein Muster festgelegter Essenszeiten wirkt für soziale Gruppen ordnend und stabilisierend. Gemeinsames Essen ist ein Instrument sozialer Kommunikation und Konfliktregulierung" – so die Ausführungen von Prof. Gunther Hirschfelder (M33). In seinem Beitrag zeigt er auf, dass das dreigliedrige Mahlzeitensystem, das sich im Industriezeitalter herausgebildet hat, auch noch heute im kulturellen Gedächtnis der Menschen verankert ist und die Essgewohnheiten fortwährend prägt. Trotz der Herausbildung neuer Konsumformen wie z.B. dem Snacking, wird dem „alten" Mahlzeitensystem noch immer eine höhere Wertigkeit zugesprochen. Dennoch lässt sich das bürgerliche Ideal der gemeinsam eingenommenen Familienmahlzeit nur noch bedingt verwirklichen.

Die Veränderung der Ernährungsmuster sind den Beiträgen von Hirschfelder (2014) und Krüger et al. (2014) zufolge auf vielfältige Ursachen zurückzuführen. Hierzu zählen:

  • erhöhte Akzeptanz neuer Konsumformen („Snacking"),
  • Veränderungen in der Arbeitswelt (Digitalisierung, flexible Arbeitszeitgestaltung, Globalisierung),
  • steigender Anteil berufstätiger Frauen,
  • Veränderungen der Familienstrukturen (wachsender Anteil von Single-Haushalten, wachsender Anteil Allein-Erziehender) und
  • plurilokale Lebensstile („PendlerInnen")

Beschleunigung der Ernährung

Die mit diesen Entwicklungen einhergehenden Beschleunigungs- und Fragmentierungsprozesse nehmen Einfluss auf individuelle Zeitkonten – und damit auch auf das Zeitbudget für die Zubereitung und den Verzehr von Nahrungsmitteln. Dies führt u.a. zu veränderten Ernährungsmustern und -gewohnheiten – auch mit Folgen für die Gesundheit, wie der Beitrag von Krüger et al. herausstellt.

Demnach kann Zeitmangel dazu führen, das mehr Fast und Convenience Food konsumiert wird. Diese Nahrungsmittel weisen jedoch oftmals eine höhere Energiedichte sowie einen niedrigen Ballast- und Mikronährstoffgehalt auf, sodass ein regelmäßiger Verzehr dieser Produkte die Entstehung von Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen begünstigen kann.

Weiterhin weisen die Autoren auf negative Implikationen für die soziale Gesundheit hin, wenn weniger Mahlzeiten im Sozialverbund (Partnerschaft, Familie, Freunde) eingenommen werden. Verloren gehe nicht nur die Stärkung sozialer Bindungen während der Mahlzeiten; darüber hinaus weisen Studienergebnissen zufolge allein verzehrte Mahlzeiten eine geringere ernährungsphysiologische Qualität auf, als Mahlzeiten, die im Sozialverbund konsumiert werden.


Ernährungstrends: Umgang mit Zeit und Ernährung berücksichtigen

Dennoch wagt Zukunftsforscher Prof. Peter Wippermann in Bezug auf das künftige Ernährungsverhalten eine positive Prognose: Zwar verliere das Essen im Alltag an Relevanz, da die Beschleunigung und Flexibilisierung des Alltags Betroffene dazu zwingt, feste Mahlzeiten durch flexibles und mobiles Snacking zu ersetzen. Dennoch bedeutet dies dem Zukunftsforscher zufolge nicht, dass Konsumentinnen und Konsumenten einer gesunden und ausgewogenen Ernährung weniger Beachtung schenken. Vielmehr müssen Angebote und Services sowohl Qualität als auch Convenience beinhalten, um erfolgreich zu bleiben. Für eine gesunde Lebensweise sind demnach, so Wippermann, zukünftig hocheffektive, funktionale Lebensmittel gefragt.


Quellen

Hirschfelder G (2014): Zeit und Esskultur – eine kulturanthropologische Betrachtung. Ernährungs Umschau 61 (1), M32-M35.

Krüger J, Schebek L, Ellrott T (2014): Die Beschleunigung der Ernährung und die Folgen für Umwelt und Gesundheit. Ernährungs Umschau 61 (1), M36-M42.

Wippermann P (2014): Beschleunigung und Ernährungstrends – Ein Blick in die Zukunft. Ernährungs Umschau 2/2014, M99-M102.


Veröffentlichungen, Themenpapiere und Buchtipps zum Thema „Ernährung" finden Sie auch auf der Internetseite der Dr. Rainer Wild-Stiftung. Zum Internetauftritt gelangen Sie hier.




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Seite erstellt am: 20.02.2014 11:50:00
Autor/-in der Seite: Ann-Cathrin Hellwig